Wernigerode I 2,2 Millionen Tagesgäste haben Wernigerode 2013 besucht, mehr als eine Millionen Übernachtungen verzeichnete die Wernigerode Tourismus GmbH (WTG). Eines der beliebtesten Ziele thront über der Stadt auf dem Agnesberg: 193000 Menschen besichtigten 2013 das Schloss. "Ich erwarte, dass wir die guten Zahlen bestätigen", sagt Geschäftsführer Christian Juranek. Das hänge davon ab, wie viele Touristen das Wahrzeichen im Oktober besichtigen - es ist der besucherstärkste Monat. "Alle drei Jahre betreiben wir mit der Hochschule Harz Besucherforschung", sagt Juranek. "Nur so kann man auf Veränderungen reagieren."

Nachholbedarf sieht er in der Internationalität im Gastgewerbe. "Es gibt viele fremdsprachige Touristengruppen, aber ein mehrsprachiges Menü ist in den Restaurants kaum zu finden", sagt er. Das Schloss nimmt er von der Kritik nicht aus. "Meine Mitarbeiter nehmen an Englischkursen teil." Vorreiter sei die Stadt in punkto Marketing. Wenn er persönlich Gäste hat, führt Juranek sie durch die markanten Straßenzüge rund um den Klint, durch Nöschenrode und entlang der Liebfrauenkirche.

Knapp 46000 Touristen haben 2013 im Hasseröder Ferienpark übernachtet. Etwa fünf Nächte bleibt der Durchschnittsgast. Chef Erik Voigt strebt sechs Übernachtungen pro Gast an. "Dafür brauchen wir aber noch mehr Ausflugsziele und Angebote im gesamten Harz. Der Tourist soll auch ein zweites Mal wiederkehren", sagt er. "Wir müssen die touristische Infrastruktur weiter ausbauen, dürfen uns nicht auf den guten Zahlen ausruhen."

Erlebnisse für Touristen: Shopping und Wandern

90 Prozent seiner Gäste reisen aus ganz Deutschland an. Jeder zehnte kommt aus den Benelux-Staaten, sagt Voigt. Er sieht den Gast nicht als König, sondern "als einen Partner, mit dem er Hand in Hand zusammenarbeitet". Privat erkundet er mit Besuch gerne die Innenstadt bei einem Bummel mit anschließendem Aufstieg zum Schloss.

Shopping im Herzen Wernigerodes ist für Madeleine Aulich vom Museum für Luftfahrt und Technik ein Geheimtipp. "Die tolle Innenstadt mit den vielen Geschäften sollte viel stärker beworben werden. Es ist ein Argument für Touristen, noch einmal zurückzukehren", sagt sie. Nachholbedarf sieht sie in der Beschilderung für Fußgänger und Autofahrer, die aus Richtung Elbingerode kommen. "Es wäre auch wünschenswert, dass mehr Touristen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen", sagt sie. Obwohl sich eine Bushaltestelle am Luftfahrt-Museum befindet, reisen die meisten mit dem Auto an. "Schon in den Hotels sollte auf die Citybus-Angebote hingewiesen werden. Mit dem Urlauberticket `Hatix` ist die Nutzung sogar kostenlos." Ein übersichtliches Heft mit An- und Abfahrtszeiten könnte helfen, mehr Menschen für den Nahverkehr zu begeistern.

Eine bessere Beschilderung in der Stadt befürwortet auch Martina Sühl, Besitzerin eines Feinkostladens in der Breiten Straße. "Viele Besucher fragen im Laden nach der Touristinformation, oder wo die Schlossbahn abfährt", sagt sie. Positiv bewertet sie die Vielfalt an Aktivitäten. "Natur, Kultur und Historisches liegen so nah beieinander, dass für jeden Besucher etwas dabei ist."

Dem stimmt Christian Feuerstack, Inhaber des Wernige-röder Baumkuchenhauses, zu. "Die Stadt und ihre Umgebung versprechen Abwechslung für jedermann." Kritisch bewertet er die fehlende Busanbindung seines Cafés am Neustadter Ring an den Wochenenden. "Die Linie4 fährt am Sonnabend und Sonntag gar nicht. Gäste ohne Auto müssen entweder ein Taxi nehmen oder die Strecke zu Fuß zurücklegen", sagt er. Für ältere Besucher sei dies eine Zumutung.

Auch für junges Publikum sollten Attraktionen geschaffen werden, findet Alexander Bunge. Der Geschäftsführer des Harzhostels beherbergt pro Jahr bis zu 1500 Gäste, darunter sehr viele junge Menschen. "Der Trend geht wieder zum Wandern. Die Umgebung zu erkunden, ist sehr beliebt", sagt er. "Ich werde oft nach Tipps gefragt, welche die besten Routen sind."

Doch egal, ob jung oder alt, so Bunge: "Wernigerode punktet mit Altstadt und Harzer Schmalspurbahn bei allen Gästen."