Das Regionale Herzinfarktregister Rhesa

Das Register soll die Ursachen für die hohe Sterblicheit bei Herzinfarkten in Sachsen-Anhalt ergründen und Verbesserungsideen ableiten. Mit Halle und der Altmark werden ein städtisches und ein ländliches Gebiet untersucht. Beteiligt sind 16 Krankenhäuser und die drei Gesundheitsämter in den Gebieten. Die Zentrale sitzt im Hallenser Universitätsklinikum, das Magdeburger Uniklinikum ist mit beteiligt.

Das Projekt wird gefördert von Land, AOK, IKK und der Deutschen Herzstiftung. 2011 erlitten in Deutschland 213.000 Menschen einen akuten Herzinfarkt, in Sachsen-Anhalt waren es 7.700. Dabei starben bundesweit 52.000 Menschen, landesweit 2.400.

Magdeburg/Halle l Für 104 von 100000 Menschen endet ein Herzinfarkt hierzulande tödlich - in Bremen sind es nur 35. Um die Ursachen zu ergründen, werden an der Hallenser Universitätsmedizin seit Mitte 2013 Daten von Infarkt-Patienten aus Halle und der Altmark gesammelt. Sie bilden das Regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt - kurz Rhesa.

Krankenhäuser geben anonymisiert Daten über den Patienten und seine Behandlung weiter. Wenn der Patient einverstanden ist, wird auch sein Name nach Halle gemeldet, damit man das Notarztprotokoll anfordern kann. "Wir erheben zum Beispiel, wie viel Zeit zwischen den ersten Symptomen und einer Herzkatheter-Untersuchung lag", erklärt Rhesa-Leiter Professor Wilfried Mau. Viele machen aber nicht mit. "In Halle nehmen drei von vier Patienten teil, in der Altmark ist es sogar nur jeder Vierte. Vielleicht haben sie Bedenken. Dabei ist das Verfahren von Datenschützern abgenickt."

Im Altmark-Klinikum erklärt man sich den geringen Rücklauf im eigenen Haus damit, dass die meisten Patienten weitergeschickt werden in ein Krankenhaus mit Herzkatheter. Der Großteil dieser Kliniken für Altmärker befindet sich in Niedersachsen und Brandenburg. Dass Ärzte dort weniger bemüht sein könnten, Patienten die Studie eines anderen Bundeslandes nahezubringen, hält Mau aber für spekulativ. Für Rhesa werden auch niedergelassene Ärzte um Mithilfe gebeten. Von verstorbenen Patienten, die das Gesundheitsamt meldet, sollen sie anonymisiert Infos zur Behandlung vor dem Infarkt liefern. "Es machen viele mit, aber leider noch nicht alle", sagt Mau. "Dabei ist eine hohe Beteiligung wichtig für die Aussagekraft der Studie." Trotz der Hürden sind bisher rund 600 Patientenmeldungen eingegangen.

Der Kardiologie-Chef am Universitätsklinikum Magdeburg, Professor Rüdiger Braun-Dullaeus, hat eine eigene Studie zum Herzinfarkt gestartet: HerzNet-LSA. Sie nimmt ins Visier, wie es mit den Patienten weitergeht, wenn sie wieder zu Hause sind - ob sie ihre Medikamente weiternehmen, wie schnell sie einen Termin beim Kardiologen erhalten.

Bei ihm ist die Teilnahmerate höher als in Halle. Rund 80 Prozent seiner 4500 Patienten im Jahr machen mit. "Ein Arzt in dem Klinikum, in dem eine Studie geleitet wird, ist vielleicht motivierter, mitzuwirken als einer in der Peripherie", vermutet der Kardiologe. Nächstes Jahr startet er eine weitere Studie; sie beleuchtet, warum einige später den Notarzt rufen als andere.

Erste Ergebnisse will Braun-Dullaeus 2015 veröffentlichen, in Halle dauert es zwei bis drei Jahre. Ideen, woran die hohe Herzinfarkt-Sterblichkeit im Land liegen könnte, gibt es bereits jetzt. In Halle untersucht man, ob auf dem Land die Wege zwischen Notarzt, Patient und Klinik vielleicht besonders lang sind. Der Magdeburger Professor sieht eine mögliche Ursache in der hohen Arbeitslosigkeit: "Arbeitslose Menschen sind besonders anfällig für psychische Krankheiten und neigen oft zu ungesunder Ernährung."