Am Donnerstag kommt es zum Showdown
24 Millionen Euro sollen die sieben Hochschulen des Landes bis zum Jahr 2019 einsparen. Mit 11,9 Millionen Euro den größten Anteil hat die Universität Halle-Wittenberg zu tragen, weil sie seit Jahren ein strukturelles Defizit vor sich herschiebt. Bis Ende September sollten alle Hochschulen festlegen, von welchen Instituten oder Studiengängen sie sich trennen. Nun fallen die letzten Beschlüsse erst am Mittwoch, am Donnerstag will Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) die Hochschulentwicklungspläne entgegennehmen. Er trifft dann auf den Rektor der Uni Halle, der bereits im Vorfeld äußert, die Sparvorschläge des Ministers seien "nicht realistisch".

Magdeburg/Halle l Der Titel kommt in gelehrtem Latein daher, wie es sich für eine Universität mit 500 Jahren Tradition gehört: "Scientia halensis" heißt das Magazin der Uni Halle, das neue Professoren vorstellt und auch schon mal die Bestandteile des Mensa-Burgers analysiert. Die am Montag erschienene Ausgabe bietet hingegen eine Analyse, die auch in Magdeburg für Aufsehen sorgt - und die nicht jedem schmecken wird.

Rektor Udo Sträter sagt in einem Interview mit dem eigenen Blatt den Sparauflagen der Landesregierung den Kampf an. "Wir kommen nicht mit einem braven Papier, in dem steht: `Folgende Institute werden geschlossen`", kündigt Sträter an. Angesprochen ist Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU), der am Donnerstag die Hochschulentwicklungspläne aller sieben landeseigenen Hochschulen entgegennehmen will.

11,9 Millionen Euro muss die Uni Halle bis 2019 einsparen. Möllring hatte Sachsen-Anhalts größter Hochschule auch Vorschläge mitgegeben, von welchen Instituten sie sich trennen könnte: die Medienwissenschaften sind dabei, Psychologie, Informatik, Sport- und Geowissenschaften. Von all dem ist im Hochschulentwicklungsplan, den der Uni-Senat am morgigen Mittwoch verabschieden wird, allerdings nicht die Rede. Für Schließungsbeschlüsse sei es "noch zu früh", sagt Sträter im Uni-Magazin.

Höchstens "2 bis 3 Millionen Euro" Einsparungen seien realistisch. Die Vorgaben des Landes hingegen würden bedeuten, wesentliche Teile der Universität abzuschaffen. Im Übrigen, legt Sträter nach, empfange er selbst aus der Landesregierung widersprüchliche Signale zur Schließung von Instituten. Die Staatskanzlei will etwa die Medienstudiengänge in Halle unbedingt erhalten.

Wissenschaftsminister Möllring reagierte am Montag mit Unverständnis. In der Bernburger Vereinbarung hätten sich alle Rektoren dazu bekannt, dass die Hochschulen ihren Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushalts leisten müssten, sagte Möllring der Volksstimme. "Diese Vereinbarung gilt nach wie vor." Auch die CDU-Landtagsfraktion appellierte am Montag an die Uni Halle. Diese habe eine Bringpflicht, sagte der wissenschaftspolitische Sprecher Ulrich Thomas.

Intern lässt Möllring bereits seit Monaten an einem Plan B arbeiten, um einzelne Institute selbst schließen zu können. Grundsätzlich sind Strukturentscheidungen Aufgabe der Hochschule. Um dem Minister solch weitgehende Befugnisse einzuräumen, bräuchte es eine Gesetzesänderung - die aber sieht die SPD-Landtagsfraktion höchst skeptisch. Uni-Rektor Sträter hat das genau beobachtet: "Einen solchen Parlamentsbeschluss sehe ich noch nicht kommen."

Der Wissenschaftsminister hat allerdings noch andere Druckmittel. Ohne Hochschulentwicklungsplan werde es keine Zielvereinbarung geben, sagt Ministeriumssprecher Robin Baake. "Und ohne Budget müssen alle Maßnahmen einer Hochschule einzeln abgesegnet werden."

Die anderen Rektoren erwarten mit Spannung und Sorge, wie der Konflikt ausgeht. "Wir Hochschulen sind untereinander solidarisch. Die Solidarität endet, falls nicht erfolgte Kürzungen auf andere Hochschulen umgelegt werden würden", sagte Armin Willingmann, Präsident der Landesrektorenkonferenz.