Magdeburg l Erst im vergangenen Jahr hatte eine Zeitarbeitsfirma verbreitet, 70 Prozent aller Studenten in Sachsen-Anhalt wollten nach dem Examen die Koffer packen und das Land so schnell wie möglich verlassen. Das tatsächliche Verhalten von Absolventen ist allerdings anders - das belegen Daten, die Hochschulen in Sachsen-Anhalt selbst erhoben haben.

Beispiel Hochschule Magdeburg-Stendal: Die Mehrheit der berufstätigen FH-Absolventen lebt anderthalb Jahre nach dem Examen noch immer in Sachsen-Anhalt. Bei genau 51,4 Prozent liegt ihr Anteil laut der jüngsten Absolventenbefragung aus dem Jahr 2013.

Kein bundesweiter Hochschulvergleich möglich

Ähnlich sind die Zahlen von Sachsen-Anhalts größter Uni, Halle-Wittenberg: 47 Prozent der Absolventen leben auch nach dem Abschluss in Sachsen-Anhalt - obwohl die nahegelegene Großstadt Leipzig Menschen nach Sachsen zieht. Die Hochschule Anhalt kommt auf 42 Prozent der Hierbleiber.

Die Zahlen passen zur Bildungsstudie, die der MDR im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte. Ihr zufolge verliert Mitteldeutschland 50 Prozent der FH-Absolventen und 44 Prozent der Uni-Absolventen.

Ein Vergleich mit anderen Hochschulen ist schwierig. "Bundesweite Zahlen gibt es nicht", sagt Choni Flöther von der Universität Kassel, die an zahlreichen Absolventenstudien mitgearbeitet hat. Nur wenige Hochschulen legen die Ergebnisse offen. Die Ostfalia-Hochschule gehört dazu, die Standorte in Wolfsburg, Salzgitter und Wolfenbüttel hat. Dort haben zwei Drittel der Absolventen ihren ersten Job in Niedersachsen. Genauso ist die Lage in Kiel: 67 Prozent der Absolventen wohnen anschließend in Schleswig-Holstein.

Hälfte der Absolventen im Land halten

Armin Willingmann, Präsident der Landesrektorenkonferenz, hält die Ergebnisse in Sachsen-Anhalt dennoch für positiv. "Wenn wir rund die Hälfte der Absolventen im Land halten, ist das doch eine ziemlich gute Quote", sagte er der Volksstimme. Umgekehrt würden Landeskinder in anderen Ländern ausgebildet, "und wir freuen uns, wenn sie wieder zurückkommen". Das Bestreben, Studienplätze möglichst nur noch für eigene Abiturienten bereitzustellen, sei ein "Provinzargument". "Leider schlägt uns das oft aus dem Landtag entgegen."

Auch die Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, Anne Lequi, zeigt sich "durchaus stolz" auf die Quote. Allerdings sei für sie gar nicht entscheidend, wo die Absolventen anfingen zu arbeiten. "Wir freuen uns vor allem, dass so viele nahtlos einen Job finden", sagt Lequi. Prorektor Wolfgang Patzig hält auch die Änderung von Einstellungen für einen Erfolg. "Wer aus dem Westen hier studiert, geht anschließend mit einem ganz anderen Blick aufs Land."

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