Magdeburg l Alle zwei Jahre lässt die Landesregierung eine groß angelegte politische Umfrage erstellen. Seit Dienstag liegt der aktuelle Monitor vor, der sich auch mit der Bewertung der DDR beschäftigt. Ergebnis: Für die große Mehrheit der 1050 Befragten war die untergegangene Republik zwar eine Diktatur - aber für nahezu zwei Drittel war die DDR kein Unrechtsstaat.

An dieser Haltung hat sich seit Jahren kaum etwas geändert. Politikwissenschaftler Everhard Holtmann, einer der Macher der Studie vom Zentrum für Sozialforschung der Uni Halle, erklärt das mit der Einschätzung vieler, dass auch in der DDR Recht und Ordnung herrschten. "Dass Rechtsnormen nur äußerlich und formal und ohne rechtsstaatliche Gewähr existierten und dem politischen Durchgriff jederzeit ausgeliefert waren, wird nicht unbedingt mitbedacht", sagte er gestern.

Nach wie vor sind die Sachsen-Anhalter überwiegend der Meinung, dass es sich "in der DDR privat alles in allem ganz gut leben" ließ. Die größte Zustimmung erfährt der Satz, dass in der DDR "nicht alles schlecht" war. Acht von zehn der Befragten sehen das so.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) plädierte gestern dafür, die Unrechtsstaat-Debatte "etwas entspannter" zu führen. Die Diskussion müsse "differenziert" geführt und nicht allein Verfassungsjuristen überlassen werden. Haseloff sagte, die DDR als System dürfe nicht weichgezeichnet werden. Aber die Menschen hätten das Beste aus ihrem Leben gemacht.

Dem Monitor zufolge dominiert keine verklärende oder verharmlosende Sicht auf die DDR. Zum Sozialismus zurückkehren wollen die allermeisten nicht wieder. Etwa zwei Drittel der Befragen lehnen etwa eine Verstaatlichung wichtiger Unternehmen ab. Zudem hält eine deutliche Mehrheit Sozialismus und Demokratie für nicht gut vereinbar.

Beim Systemvergleich schneidet die DDR vor allem beim zwischenmenschlichen Umgang und bei der Kinderbetreuung besser ab als der Westen. Allerdings überwiegen für die meisten die Vorteile der deutschen Einigung.

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