Magdeburg l Die damalige schwarz-gelbe Landesregierung hatte die Ausbildung von Lehrern für Gymnasien und Sekundarschulen nach Halle verlagert. Übrig blieben lediglich die Angebote für Berufsschullehrer.

Jetzt schlägt Uni-Rektor Jens Strackeljan dem Land vor, wieder Mathe- und Physiklehrer für allgemeinbildende Schulen auszubilden. Er beruft sich auf den Bedarf: "Wenn ich in Schulen unterwegs bin, höre ich oft, dass in diesen Fächern Lehrer fehlen. Und wenn wir gute Lehrer ausbilden, können die auch wieder Interesse an Naturwissenschaften wecken."

Strackeljan versichert, er wolle Halle "nichts abgraben". Seine Uni könne aber zusätzliche Interessenten anlocken. "Wenn wir Lehramtsstudenten aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt locken wollen, dann können nur wir das."

Das Studium wäre in der Fakultät für Humanwissenschaften angesiedelt, die wegen massiver Einschnitte unter Druck steht. Von den 39 Professuren sollen lediglich 28 bleiben. Der gerade neugewählte Dekan Michael Dick sagte, die Fakultät könne dennoch interessante Fächerkombinationen anbieten und habe ein sehr gutes Betreuungsverhältnis.

Die Studenten begrüßen den Vorschlag. Es sei erfolgversprechender, Lehrer selbst auszubilden, als darauf zu hoffen, diese aus anderen Bundesländern abzuwerben, sagt Sebastian Hentschel vom Studentenrat. Tatsächlich nimmt die Konkurrenz unter den Ländern zu. Berlin etwa umwirbt auswärtige Lehrer mit einem "starken Einstiegsgehalt". Über ein subventioniertes Bahnticket hatte der Bildungssenator am Sonnabend Interessierte zu einem Berlin-Tag geladen. Auch die neuen Regierungen in Sachsen und Thüringen wollen zahlreiche Lehrer neu einstellen.

Seit Jahren wird um Lehrerausbildung gerungen

Das Kultusministerium will sich zu konkreten Studien-Standorten nicht festlegen. "Aber wir haben einen großen Bedarf an Mathe- und Physiklehrern", sagt Kultus-Staatssekretär Jan Hofmann. Die Entscheidung liegt ohnehin beim Wissenschaftsministerium. Dessen Sprecher bestätigte, dass über das Thema verhandelt werde.

Einen ersten Einstieg in allgemeinbildende Lehrämter hatte die Uni bereits 2009 mit der Genehmigung der Fächer Technik und Wirtschaft erreicht. Auch damals hatte Strackeljan mit dem Bedarf der Schulen argumentiert. Die Universität Halle reagiert überrascht auf den Magdeburger Vorstoß. "Wir kennen das nicht", sagte eine Sprecherin.

Um die Lehrerausbildung wird seit Jahren gerungen. 2010 hatten sowohl die SPD als auch die Linke gefordert, die Studiengänge nach Magdeburg zurückzuholen. Der Wissenschaftsrat hingegen, der im vergangenen Jahr die Hochschulen durchleuchtet hat, empfiehlt das Gegenteil: Ihm zufolge sollten auch die Berufsschullehrer von Magdeburg nach Halle verlagert werden.