Was Patienten jetzt wissen müssen

Vom Verkaufsverbot sind derzeit ausschließlich Generika (Nachahmerpräparate) betroffen, für die von der Firma GVK Biosciences in Indien Bioäquivalenzstudien durchgeführt wurden. Die Liste der Medikamente steht im Internet unter www.volksstimme.de/medikamente.

Derzeit liegen dem Bundesamt für Arzneimittelsicherheit keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren für Patienten vor. Die Arzneimittel-Therapie sollte nicht ohne vorherige ärztliche Beratung abgebrochen werden. Betroffene, die noch im Besitz dieser Arzneimittel sind und unsicher sind, ob sie ihr Arzneimittel weiter verwenden können, sollten sich an ihren Arzt oder Apotheker wenden.

Nicht mehr benötigte Medikamente können mit dem Hausmüll entsorgt werden, denn sie zählen zum "Siedlungsabfall". Dieser wird zuerst in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder mechanisch-biologisch vorbehandelt, wodurch Schadstoffe weitgehend zerstört werden.

Das "Ruhen der Zulassung" gilt so lange, bis die Zulassungsinhaber neue Studien zum Nachweis der Bioäquivalenz mit dem Originalprodukt vorlegen. Auch Generika dürfen nur auf den Markt gelangen, wenn sie eine Genehmigung erhalten haben.

Magdeburg l "Es besteht eine große Verunsicherung bei der Kundschaft", sagt der Stendaler Apotheker Dr. Uwe Sänze. Er fühlt sich überrumpelt von der Situation, da das Bundesinstitut für Arzneimittelsicherheit nicht zuerst die Fachkreise informiert hat, sondern auch Ärzte und Apotheker über die Massenmedien erfahren hätten, dass Medikamente zurückgezogen wurden. "Die Kunden wissen nicht, dass die Medikamente an sich nicht schädlich sind, sondern dass aufgrund von Manipulationsverdacht bei Studien gehandelt worden ist.

Wegen des Informationsmangels klingeln sich am Mittwoch bei der Landes-Apothekerkammer in Magdeburg die Telefone heiß. Viele Apotheker fragen nach Details, erklärt Detlef Klauck. Er verweist darauf, dass die Arzneimittel in Deutschland produziert worden sind und offenbar "nur bei den Studien in Indien getrickst wurde". Mehr als die Informationen des zuständigen Bundesinstituts würden ihm allerdings auch nicht vorliegen. Im Übrigen sei die Kammer auch nicht zuständig.

Auf Volksstimme-Nachfrage erklärt Sabine Cibura vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn über die Beseitigung der Informationslücken: "Wir stehen dazu in Kontakt mit der Arzneimittelkommission der Apotheken." Es seien zudem jederzeit Nachfragen bei der Behörde möglich.

Dazu hat Thomas Freyer keine Zeit. In seine Schönebecker Paracelsus-Apotheke kamen Kunden mit dem Volksstimme-Artikel in der Hand und baten um Rücknahme der betreffenden Medikamente. Einen offiziellen Rückruf habe er bislang aber nicht erhalten, sagt Freyer. Boris Osmann, Inhaber der Stern-Apotheke Magdeburg, erklärt: "Einige Kunden fragten bei uns nach, wie sie mit ihrem Präparat umgehen sollen. Es gibt in jedem Fall Ersatzpräparate, denn die großen Generika-Hersteller wie Hexal und Ratiopharm sind nicht betroffen. Engpässe sind also nicht zu befürchten", erklärt Osmann.

"Wir beruhigen die Betroffenen und versuchen, aufzuklären. Wir raten, erst einmal Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt zu halten", sagt Jeannette Rosemund-Ernst von der Hirsch-Apotheke in Wernigerode. Alfred Schmidt, Inhaber der Roland-Apotheke in Haldensleben, erklärt: "Wir haben diese Medikamente sofort aus dem Verkehr genommen. Es gibt natürlich einzelne Patienten, die sich Sorgen machen und bei uns anrufen. Denen erläutern wir dann die Zusammenhänge. Die meisten sind aber gar nicht betroffen."

Dr. Jörg Schulze, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und Proktologie, praktiziert in Jerichow. "Wir hatten heute nur einen Patienten, der eines seiner Medikamente auf der Liste in der Volksstimme gefunden hat. Er hat von mir ein anderes Präparat verschrieben bekommen. Die Krankenkassen tendieren dazu, immer das günstigste Medikament an den Patienten zu bringen. Und billig heißt eben nicht gleich gut."

Für die AOK berichtet Sprecher Andreas Arnsfeld von Nachfragen irritierter Versicherter. Die Krankenkasse verweise auf das Bundesinstitut, das keine Gesundheitsgefahren für Patienten sieht.

(Der Text entstand mit Zuarbeit unserer Lokalredaktionen)