Magdeburg l Wer heute an einer deutschen Hochschule studieren möchte, muss keine Studiengebühren mehr zahlen. Nach langem politischen Gezerre hat Niedersachsen als letztes Bundesland die Gebühren von 500 Euro pro Semester im vergangenen Jahr abgeschafft. Den Hochschulen fehlen aber nun dringend benötigte Einnahmen, kritisiert Reint Gropp, Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle.

Im Volksstimme-Interview moniert er, Bund und Länder hätten es versäumt, den Universitäten die fehlenden Gelder zu ersetzen. Sie drohten nun, im internationalen Wettbewerb abgehängt zu werden.

"Ich halte die Kürzungen für grundfalsch."

Sachsen-Anhalt hat zwar wie einige andere Ost-Länder nie Gebühren erhoben, trotzdem sei auch hier die Not groß - wegen der Sparvorhaben der Landesregierung. "Ich halte die Kürzungen für grundfalsch", betont Gropp. "Die Regierung sollte finanziell zwar Prioritäten setzen und Gelder nicht mit der Gießkanne verteilen, aber auf keinen Fall sollte sie die Grundfinanzierung infrage stellen." Um die finanzielle Schieflage der Hochschulen zu lindern, würde der Wirtschaftsexperte ein politisch umstrittenes Thema erneut anfassen, die Wiedereinführung von allgemeinen Studiengebühren. "Wer studiert, hat später ein höheres Einkommen. Da ist es nicht falsch, wenn Studenten zusätzlich zu einem steuerfinanzierten Anteil auch privat für ihr persönliches Fortkommen einen Beitrag beisteuern."

"Wir werden immer hinterherhinken."

Mit seiner Forderung steht Gropp nicht alleine. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) hatte bereits im Oktober betont, "solange wir die Hochschulen ausschließlich aus Steuermitteln finanzieren, werden wir international immer hinterherhinken". CDU und SPD lehnen Studiengebühren jedoch weiter ab. CDU-Fraktionschef André Schröder erklärte zuletzt: "Die Einführung von Studiengebühren steht nicht auf der Tagesordnung der Koalition."

Zum Bedauern von Reint Gropp. Der Wirtschaftsexperte findet, dass zumindest über Gebühren für ausländische Studenten nachgedacht werden sollte. "Die Universitäten hätten einen finanziellen Anreiz, ausländische Studierende zu werben und auszubilden. Das würde nicht nur deren Finanznöte lindern, sondern könnte auch dazu beitragen, den Fachkräftemangel im Land zu beheben", so Gropp.

Die Bereitschaft, für gute Ausbildung zu zahlen, sei bei ausländischen Studenten ohnehin höher. Deshalb könnten es sich die Universitäten in den USA oder Großbritannien ja auch erlauben, horrende Gebühren zu verlangen.