Kredite für junge Familien in der DDR

Schon die DDR förderte junge Familien mit einem Darlehen. Ab 1972 erhielten Ehepaareauf Antrag von der Sparkasse einen zinslosen Kredit von 5000, ab 1986 von 7000 DDR-Mark. Die Rückzahlung erfolgte in Monatsraten von 50 Mark.

Bedingungen: Beide Partner durften bei der Hochzeit nicht älter als 26 Jahre sein (das betraf 80 Prozent der Ehepaare) und das gemeinsame Einkommen bei Eheschließung nicht über 1400Mark liegen.

"Abkindern": Bei der Geburt von Kindern verringerte sich die abzuzahlende Kreditsumme - beim ersten Kind um 1000 Mark, beim zweiten Kind um weitere 1500 Mark. Gleichzeitig sank die monatliche Tilgung, so dass die Kreditlaufzeit gleich blieb. Bei Geburt des dritten Kindes galt der Kredit als getilgt. Dafür wurde umgangssprachlich der Begriff "abkindern" benutzt.

Zwischen 1972 und 1988 wurden knapp 1,4 Millionen Ehekredite mit einem Gesamtvolumen von 9,3 Milliarden Mark vergeben, von denen etwa ein Viertel "abgekindert" wurde.

Magdeburg l Ziel des Vorhabens ist es, junge Familien ins Land zu holen, um den zunehmenden Fachkräftebedarf zu decken. Die CDU-Landtagsfraktion hatte bereits vor einiger Zeit den Anstoß dazu gegeben.

Spätestens Ende März soll es losgehen

Federführend für die "Willkommens-Strategie" ist das Sozialministerium. Dessen Sprecher Holger Paech sagte am Dienstag der Volksstimme, das Projekt werde im ersten Quartal, also bis spätestens Ende März, angeschoben.

Zuzugswillige Familien (ein Trauschein ist nicht erforderlich) sollen ein zinsloses Darlehen von bis zu 25000 Euro bekommen - vor allem für Umzugskosten und die Haushaltseinrichtung. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

Laut Paech richtet sich das Angebot in erster Line an West-Rückkehrer, aber auch an Zuzügler aus dem Ausland. Voraussetzung soll sein, dass der Antragsteller möglichst nicht älter als 35 Jahre ist und einen Arbeitsvertrag in der Tasche hat. Nach Vorstellung der CDU sollte der Vertrag über mindestens zwei Jahre laufen. Ministeriumssprecher Paech sagte augenzwinkernd: "Für Kurzurlauber ist das Projekt nicht gedacht."

Geplant ist, das Vorhaben bei der Landes-Investitionsbank anzusiedeln. Diese reicht die Darlehen aus. Die CDU plädiert für eine noch nicht festgelegte Einkommensgrenze, um Mitnahme-Effekte zu verhindern.

Das Geld kommt aus dem Mauerfonds

Das Land zahlt die für die Kredite anfallenden Zinsen. Das Geld dafür kommt aus dem vom Bund verwalteten Mauerfonds. Dieser speist sich aus der Verwertung ehemaliger Mauer- und Grenzgrundstücke. Sachsen-Anhalt steckt aus diesem Topf in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt 500000 Euro in das "Welcome-Projekt".

Das Vorhaben soll zunächst in zwei strukturschwachen und von Bevölkerungsrückgang arg gebeutelten Modell-Landkreisen starten. Welche das sein werden, steht noch nicht fest.

Der sogenannte Demografie-Beirat soll der Landesregierung Empfehlungen vorlegen. Dem Beirat gehören Politiker, Wissenschaftler, Vertreter der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft sowie von Kommunen und Vereinen an.

Zum Willkommenspaket gehören auch sogenannte Welcome-Center, die bei der Investitionsbank angedockt werden sollen. Eine Art Lotsenstelle für Familien also, die sich in Sachsen-Anhalt ansiedeln oder zurückkehren wollen. Dort sollen die Familien zum Beispiel in Fragen der Kinderbetreuung, der medizinischen Versorgung oder der Schulwahl beraten werden. Die "Welcome-Center" sind ebenfalls zunächst für zwei Modellregionen gedacht.

Wanderungsverlust wird immer geringer

Angestrebt wird, das Projekt - sollte es gut angenommen werden - auf das ganze Land auszudehnen. Auch der Koalitionspartner der CDU, die SPD, bewertet das Vorhaben positiv.

In Sachsen-Anhalt klafft nach wie vor eine Lücke zwischen Fort- und Zuzügen. Diese wird allerdings stetig kleiner. Laut Statistischem Landesamt gab es 2013 genau 44053 Zuzüge. Im selben Jahr verließen 44901 Menschen das Bundesland. Der Wanderungsverlust lag also bei 848 Menschen. Dies war das geringste Defizit seit 17 Jahren.