Aufstieg und Fall eines Weltmarktführers

Um die Jahrtausendwende als Start-up gegründet, gelang Q-Cells mit seinen Solarzellen rasch der Aufstieg an die Weltspitze.

2005 ging das Vorzeigeunternehmen mit zeitweise fast 2400 Beschäftigten an die Börse, machte zwischenzeitlich einen Milliardenumsatz - bis der Druck der billigen Konkurrenz aus Asien zu groß wurde. Der Umsatz sank, 2012 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Die Rettung kam danach aus Asien: Der südkoreanische Mischkonzern Hanwha steckte 250 Millionen Euro in die Übernahme. 1250 der zuletzt noch weltweit 1550 Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben, davon etwa 750 am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen.

Bitterfeld-Wolfen l "Das ist ein harter Schlag. Die Landesregierung wird den betroffenen Mitarbeitern so gut es geht helfen", sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) der Volksstimme.

Zum 1. März werde die Produktion der Solarzellen in Bitterfeld-Wolfen eingestellt, erklärte Hanwha Q-Cells am Mittwochnachmittag. Vor allem die teuren Herstellungskosten für die Solarzellen in Deutschland dürften das Unternehmens zu diesem Schritt getrieben haben. "Es gibt einen brutalen Kostendruck im internationalen Wettbewerb", sagte Q-Cells-Sprecher Jochen Endle. Die Produktionskosten für Solarzellen seien in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie in Malaysia. Insgesamt schreibe Hanwha Q-Cells zwar schwarze Zahlen, in Deutschland seien aber zuletzt Verluste entstanden.

Die Herstellung von Solarzellen werde aus Sachsen-Anhalt nach Malaysia gehen, der neue Standort für die Modulproduktion stehe noch nicht fest. Erhalten bleibe die Abteilung Forschung und Entwicklung mit rund 350 Arbeitsplätzen. "Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, jedoch ist sie notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit von Hanwha Q-Cells zu sichern", sagte Kasey Son, Finanzvorstand des Unternehmens.

Preise für Solarprodukte fallen

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) bedauerte die Entscheidung: "Umso wichtiger ist, dass der Abbau sozialverträglich gestaltet wird." Den Beschäftigten sollten nun alternative Perspektiven aufgezeigt werden: "Der Wirtschaftsstandort Bitterfeld-Wolfen hat sich in den vergangenen Jahren, vor allem auch Dank des Wachstums der chemischen Industrie, gut entwickelt. Hier werden Fachkräfte gesucht." Der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, Kay Senius, versprach, auf die Mitarbeiter zuzugehen.

Für die Beschäftigten im "Solar Valley" ist der erneute Stellenabbau eine weitere Hiobsbotschaft. Erst 2012 hatte der einstige Weltmarktführer Q-Cells Insolvenz angemeldet. Unternehmen aus Asien drängten auf den Markt, die Preise für die Solarprodukte fielen. Fast jeder dritte Arbeitsplatz in der Photovoltaik-Industrie Sachsen-Anhalts ging verloren. Auch Konkurrent Sovello musste in Thalheim fast 1000 Mitarbeiter entlassen.

Der südkoreanische Mischkonzern Hanwha rettete die Beschäftigten von Q-Cells in letzter Minute vor demselben Schicksal. Damals war stets betont worden, dass Produktion und Entwicklung eng miteinander verzahnt in Deutschland erhalten bleiben sollten.

Fusion mit SolarOne

Die Verkaufspreise für Solarzellen und die Einspeisevergütung für Solaranlagen seien seither stetig gesunken, erklärte der Konzern nun. Die Verlagerung solle die Kosteneffizienz verbessern. In Malaysia gibt es Produktionskapazitäten für rund 1300 Megawatt im Jahr, in Deutschland für 230 Megawatt.

Erst im September vergangenen Jahres hatte Ministerpräsident Haseloff Hanwha in Südkorea besucht. Dabei waren auch neue Forschungsprojekte im Wert von fünf Millionen Euro vereinbart worden.

Hanwha hatte zuletzt bekanntgegeben, seine beiden Solarfirmen Hanwha Q-Cells und SolarOne fusionieren zu wollen. SolarOne mit Produktion in China beschäftigt rund 7500 Mitarbeiter. Diese Fusion habe, so das Unternehmen, aber nichts mit der Aufgabe der deutschen Produktion zu tun.