Magdeburg l Einer der Hauptredner am vergangenen Montagabend bei Magida ist AfD-Mitglied und der Chef eines Abrissunternehmens, Michael Ahlborn. Bei der zurückliegenden Stadtratswahl trat er im Wahlbereich 04 (Stadtfeld-Ost) an, schaffte den Einzug aber nicht. Auf der Bühne am Montag erwähnte er seine Parteizugehörigkeit anfangs der Rede.

Der Volksstimme sagte Ahlborn auf Nachfrage, dass er als Privatperson bei Magida gesprochen hat und nicht im offiziellen AfD-Auftrag gehandelt habe. Das bestätigte auch der AfD-Kreisvorsitzende Ronny Kumpf. "Jedem AfD-Mitglied steht es frei, bei rechtmäßig angemeldeten Demonstrationen aufzutreten", sagte er. Daher könne er auch nicht ausschließen, dass bei künftigen Magida-Veranstaltungen weitere AfD-Mitglieder auftreten werden. Etwas konkreter wurde AfD-Landeschef André Poggenburg. Er sagte auf Nachfrage: "Es ist auch möglich, dass ich dort das Wort ergreifen werde." Allerdings betonte auch Poggenburg, dass er bei Magida nicht in seiner Funktion als Landeschef sprechen wolle, sondern als "Privatperson". "Wir unterstützen die Inhalte von Magida. Die Bewegung sollte aber überparteilich bleiben", sagte er. Seit Wochen spekulieren Politikbeobachter, wie nah sich AfD und die Pegida-Bewegungen stehen. Auch in Dresden marschierten zuletzt viele AfD-Mitglieder mit. Parteigrößen wie der AfD-Landesvorsitzende aus Brandenburg, Alexander Gauland, tauchten immer wieder bei den Kundgebungen auf.

Unterdessen war Unternehmer Ahlborn neben seiner Stadtratskandidatur in der Vergangenheit auch durch eine umstrittene Flugzeugbanner-Aktion anlässlich des 69. Jahrestages der Bombardierung Magdeburgs (Volksstimme berichtete) aufgefallen. Am 18. Januar 2014 kreiste über der Innenstadt eine Propellermaschine mit dem Banner: "16 000 Tote! Unvergessen". Ahlborn hatte die Aktion nach eigenen Angaben mitfinanziert. Applaus für die Aktion gab es damals vor allem aus rechtsextremen Kreisen. "Uns ging es nur um das Gedenken", behauptete Ahlborn. Seit Jahren wird das Gedenken um den 16. Januar von Rechtsextremen missbraucht. Während Wissenschaftler (u.a. Kulturhistorisches Museum) davon ausgehen, dass die Zahl von 16 000 Toten zu hoch ist, verweisen vor allem Rechte immer wieder auf diese Zahl.

Bei der Magida-Kundgebung zeigte sich Ahlborn außerdem von der Presse enttäuscht und sagte, dass er sich deshalb im Internet informiere. "Ich bin aber nicht rechts und habe auf der Demo auch keine Rechten gesehen", sagte Ahlborn der Volksstimme.

Extremismus-Experte David Begrich vom Verein Miteinander kommt zu einer anderen Einschätzung. "80 Prozent waren rechtsaffine Kräfte. Das war wieder nicht die bürgerliche Mitte, die da durch Magdeburg gelaufen ist", sagte er.

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