Rübeland l Totgesagte leben länger, heißt es, und der Spruch trifft auf das Besucherbergwerk "Drei Kronen und Ehrt" in der Stadt Oberharz zu. Schon öfter ist dort die bis ins Mittelalter zurückreichende Förderung von Erzen und Schwefelkies beendet und wieder in Gang gesetzt worden. Ebenso der Besucherbetrieb seit 1992. Dennoch hat sich das Bergbau-Museum zu einer touristischen Attraktion entwickelt. Nun aber droht das endgültige Aus.

Grund ist die Wirksamkeit des langfristigen Abschlussbetriebsplanes. Der Eigentümer, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwahrungsgesellschaft Sondershausen (LMBV), kommt ihrer Pflicht nach und plant ab November die Verwahrung des ganzen alten Bergwerks inklusive des Teils für die Besucher. Dessen Herausnahme aus dieser Verfüllung sei nicht möglich, wie Jörg Domnowski von der LMBV auf Nachfrage mitteilte, weil dann die Nachhaltigkeit der Verwahrung nicht erreicht und Vorgaben der Europäischen Union nicht erfüllt würden. Fazit: Ab Dezember 2015 ist Schicht im Schacht. Dagegen regt sich Widerstand.

Als Erstes hat der Verein der Bergbaufreunde Elbingerode/Harz Alarm geschlagen. Der Region würde ein Stück Geschichte und ein touristisches Glanzlicht genommen, wird betont. Viel Eigeninitiative und etwa eine Million Euro öffentlicher Gelder seien seit Anfang der 90er Jahre in den Ausbau des Besucherbergwerks investiert worden. In Spitzenjahren kamen 35000 Besucher (2001), vergangenes Jahr 18400, was steigerungsfähig sei. Die Verfüllung der touristischen Anlage wäre der Verlust wichtiger Sachzeugen einer tausendjährigen Bergbautradition, warnt der Chef des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine Sachsen-Anhalts, Gerald Meyer.

Im benachbarten Elbingeröder Schaubergwerk "Büchenberg" wird das drohende Aus für die Partnergrube "Drei Kronen Ehrt" mit Argusaugen beobachtet. Beide Angebote hätten am ehesten gemeinsam eine Zukunft, sagt "Büchenberg"-Pächter Ralf Melzer. Er mahnt zugleich eine einheitliche Förderung aller Bergbaumuseen in Sachsen-Anhalt an, unabhängig vom Träger.

Auch von bergbaufachlicher Seite gibt es Bedenken gegen eine volle Verwahrung. Die Altbergleute Gerhard Rösicke und Harald Müller, mit "Drei Kronen Ehrt" jahrzehntelang vertraut, sowie auch Karstforscher weisen darauf hin, dass der Regen im durchlöcherten Berg immer auf Schwefelkies oder Pyrit treffen, reagieren und als schwefliges Wasser aus dem Berg sickern werde. Getreu der Bergmannsregel: "Wasser hat`n dünnen Kopp", soll heißen, es bahne sich stets einen Weg, die Vollverfüllung wäre keine Lösung. Das wird bei der LMBV anders eingeschätzt. Sie beharrt auf den Vollversatz.

Die Stadt Oberharz am Brocken hat sich gemeinsam mit Bürgermeistern umliegender Städte und dem Harzer Landrat bereits Ende 2014 an den Wirtschaftsminister gewandt und auf die Bedeutung des Bergbaumuseums für den Tourismus und als Standbein für die Arbeitsförderungsgesellschaft Harz aufmerksam gemacht. Ein geforderter Austausch über Möglichkeiten zum Erhalt des Besucherbergwerks kam bisher nicht zustande. Auch wurden weder der Verein der Bergbau-freunde noch die Mitarbeiter des Besucherbergwerks selbst bisher in die Vorbereitungen der Verfüllung einbezogen. Nächste Woche ist eine erste interne Gesprächsrunde vor Ort geplant.

Just mitten in den sich langsam zuspitzenden Streit platzte zudem eine tierische Entdeckung. Von der Referenzstelle für Fledermausschutz in Sachsen-Anhalt wurden schützenswerte Hautflügler im Besucherbergwerk festgestellt. Deren Schutz stehe einem Vollversatz der Grube entgegen, so Fledermausexperte Bernd Ohlendorf. Ob die fliegenden Mäuse hier mal nicht ein Projekt verhindern, sondern retten helfen, ist dennoch fraglich.

Denn die Kosten einer Herauslösung des Museums aus der Verwahrung der Gesamtanlage würden durch eine nötige Extra-Wasseraufbereitung bei rund zwei Millionen Euro liegen, wird im Wirtschaftsministerium geschätzt. Dazu kämen rund 750000 Euro laufende Betriebskosten. Diese Ausgaben übernehme weder der Bund noch das Land, so Sprecherin Franziska Krüger. Das Wirtschaftsministerium teile die Auffassung der LMBV.

Für die einen ist damit klar, dass die erneut totgesagte Grube wirklich bald stirbt. Für andere besteht noch Hoffnung, wenn die Hauptbetroffenen demnächst erstmals vor Ort an einen Tisch kommen.

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