Rauchwarnmelder werden Pflicht
Laut Bauordnung (Paragraf 47, Abs. 4) von Sachsen-Anhalt müssen bis zum 31. Dezember 2015 in Schlaf- und Kinderzimmern und in Fluren, die als Rettungswege dienen, Rauchwarnmelder installiert sein.

Die Geräte müssen vor Brandrauch mit einem lauten Signal warnen oder - bei Menschen mit Gehörlosigkeit - durch optische Signale.

Über die Zuständigkeit für Installation und Wartung sagt das Gesetz nichts. In der Regel muss sich der Wohneigentümer darum kümmern.

Im Brandfall greift aktuell der Versicherungsschutz auch, wenn kein Warnmelder vorhanden war. Experten glauben jedoch, dass Gerichte diese Frage in Bezug auf mögliche Verletzungen der Fürsorgepflicht stellen werden.

Magdeburg l Es ist keine drei Monate her: Am 4. Dezember starb in der Halberstädter Gerberstraße eine 94-jährige Frau an einer Rauchvergiftung in ihrer Wohnung. Die Rettung kam viel zu spät. Erst Passanten auf der Straße hatten bemerkt, dass Rauch aus dem Fenster stieg. Die Frau erstickte. "Mit Rauchwarnmelder wäre der Brand sicher sehr viel früher bemerkt worden", urteilte damals der Feuerwehr-Einsatzleiter Ingo Wetzel.

Olaf Derlath, Branddirektor der Magdeburger Berufsfeuerwehr, kennt viele entgegengesetzte Beispiele, bei denen die Rauchwarnmelder Leben gerettet haben. Er fragt sich, warum nicht in allen Wohnungen Rauchmelder angebracht sind. Die Montage sei einfach. "Da reicht die Bedienungsanleitung. Wer auf einen Hocker steigen kann, kann auch so einen Warnmelder anbauen." Um 20 Euro kosten empfehlenswerte Geräte.

Pro Wohnung drei bis vier Rauchwarnmelder
Der Messdienstleister Kalorimeta (Kalo) schätzt ein, dass in Sachsen-Anhalt noch etwa 1,1 Millionen Wohnungen mit Rauchwarnmeldern ausgestattet werden müssen. Knapp 1,3 Millionen Wohnungen gibt es laut Statistischem Landesamt aktuell. Pro Wohnung müssen drei bis vier Rauchwarnmelder angebaut und dann in der Regel jährlich gewartet werden.

Die Gesetzesänderung, die zum Jahresende in Kraft tritt, wurde bereits vor fünf Jahren angekündigt. Vor zwei Jahren verabschiedete der Landtag das Gesetz. Wie hoch der Ausstattungsgrad in den Wohnungen des Landes derzeit tatsächlich ist, kann niemand sagen. "Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich", so Jost Riecke, Direktor des Landesverbandes der Wohnungswirtschaft. "Aber ich habe keinen Zweifel, dass die Ausstattung bis Jahresende abgeschlossen wird. Das wird professionell behandelt."

In der Wohnungbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) - der Vermieterin des 94-jährigen Brandopfers - bestand Ende 2014 in den rund 4000 Wohnungen ein Nachrüstbedarf von etwa 15000 Warnmeldern - also etwa im kompletten Bestand. Wie viele Mieter schon selbst einen Rauchmelder installiert hatten, konnte die WGH nicht sagen.

Holger Neumann, Präsident des Wohneigentümer-Verbandes "Haus Grund" Sachsen-Anhalt, hätte es lieber gesehen, wenn der Einbau nicht dem Eigentümer, sondern dem Wohnungsnutzer auferlegt worden wäre. Auch weil der Mieter am besten selbst regelmäßig kontrollieren kann, ob das Gerät noch einwandfrei funktioniert. "Es geht ja in erster Linie um den Schutz des Lebens. Aber die Wohnungswirtschaft wird mal wieder zum Erfüllungsgehilfen des Staates gemacht", beklagte Neumann.

Bei der Magdeburger Wohnungbaugesellschaft (Wobau) laufen die Umbauarbeiten seit Sommer 2014. Zum Einsatz kommen überwiegend Funksignal-Rauchwarner, aber auch einfache Geräte. Wobau-Prokurist Peter Lackner: "60000 Funksignal-Warnmelder lassen wir insgesamt durch einen Dienstleister einbauen. Bislang wurden knapp 20000 Geräte verbaut." 21500 Wobau-Wohnungen gibt es aktuell. Die modernen Funkgeräte werden in den 19000 Wohnungen eingebaut, die langfristig im Wobau-Bestand verbleiben.

Und wie halten es die privaten Haus- und Wohnungseigentümer? "Wir vermuten, dass viele Vermieter da noch nicht aktiv geworden sind", sagte Holger Neumann, Geschäftsführer des Verbandes "Haus Grund" in Magdeburg. Landesweit hat der Verband 6000 Mitglieder. Viele Vermieter würden wohl erst auf dem letzten Drücker am Jahresende der gesetzlichen Verpflichtung nachkommen.

Am 9. März plant der Wohneigentümer-Verband in Magdeburg zum Thema Rauchwarnmelder einen großen Informationstag, bei dem auch Dienstleister ihre Angebote unterbreiten. "Das sollten Wohneigentümer nutzen."

Auch der "Haus Grund"-Chef berichtete im Übrigen über einen tragischen Fall, der das Problem deutlich vor Augen führt. "Vermieterin ist eine ältere Dame, die nun sehr unglücklich ist. Denn bei dem Brand in ihrem Objekt ist ein dreijähriges Kind erstickt." Einen Rauchwarnmelder, so Neumann, gab es nicht in der Wohnung.

Mehr zum Informationstag gibt es bei Haus Grund unter Tel. (03 91) 731 68 32