Was bedeuten die Einheiten?
Polizeidirektionen: Standorte sind in Magdeburg (Nord), Dessau-Roßlau (Ost), Halle (Süd).
Polizeireviere: Insgesamt 14, ein Standort pro Landkreis bzw. kreisfreie Stadt. 24 Stunden besetzt.
Autobahnpolizeireviere: Börde (A2 und A14) mit einem Kommissariat in Blankenburg, Dessau-Roßlau (A9) und Weißenfels (A9, A38) mit Kommissariat in Sangerhausen.

Polizeikommissariat: Teil des Revieres, 24 Stunden besetzt, pro Revierbereich eins, nur im Harz, Burgenlandkreis und Anhalt-Bitterfeld gibt es zwei.
Außenstellen der Polizeireviere: Sind nicht ständig besetzt, dienen den Funkstreifenwagen als Anlaufpunkt und sind teilweise auch Sitz der Regionalbereichsbeamten und der Kripo.
Kriminalpolizei:Neben dem Landeskriminalamt haben die Polizeidirektionen ihre eigenen Zentralen Kriminaldienste. Künftig wird auch Stendal einen erhalten, um es den Landgerichtsbezirken anzugleichen. Die Reviere verfügen weiter über Kriminaldienste für die Alltagskriminalität.

Magdeburg l Es piept nur einmal. Dann zeigt der Bildschirm eine Adresse und den Text: "Verkehrsunfall in der Hafenstraße, Magdeburg, mit Sachschaden." Polizeihauptmeister Jörg Paul von der Projektgruppe interaktiver Funkstreifenwagen gleitet mit seinem Finger über den Tastbildschirm. Ohne, dass über Funk auch nur ein Wort gesprochen wird, kennen die Polizisten ihren Auftrag aus der Notrufzentrale. Wieder tippt Paul auf das Display und automatisch wird der Weg zum Unfallort angezeigt.

"Auch wenn die Beamten sich in einem Gebiet nicht auskennen, finden sie so immer den richtigen Weg", sagt der Direktor des Technischen Polizeiamtes (TPA) Gerhard Dumstorff.

Sein Team habe die Erfahrungen des Landes Brandenburg genutzt und weiterentwickelt. Unterschiedliche Land- und Stadtsirenen, Schriftzeilen auf der digitalen Anzeigetafel und auch die Sondersignale werden über den zentralen Computer im Cockpit des Transporters gesteuert. Oberstes Ziel: Die mobilen Polizeistationen sollen so selten wie möglich zur Dienststelle fahren müssen und schon auf der Straße alles erledigen, was sonst im Büro erledigt werden würde. Während die Polizisten mit dem Fahrzeug zum nächsten Unfall rollen, können die Disponenten in der Einsatzleitstelle (Magdeburg, Halle oder Dessau-Roßlau) den Standort digital auf ihrer Bildschirmkarte mitverfolgen.

Die Polizei startet am heutigen Mittwoch ihren "Streifendienst 2.0". Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) wird drei der neuen Fahrzeuge an die Polizeidirektion Süd in Halle übergeben. "Im Einsatz wird dann die Technik nun sechs Monate lang auf Herz und Nieren gestestet", sagt Projektleiter Klaus-Peter Melzer.

Noch dieses Jahr sollen zehn Fahrzeuge dazukommen, 2016 weitere zehn, bis die Fahrzeugflotte in der Fläche weitgehend mit den mobilen Büros ausgerüstet ist.

Die T5-Kleintransporter mit einem Anschaffungspreis von 60000 Euro seien bereits in den entlegendsten Winkeln des Landes bei ersten Tests unterwegs gewesen. Dabei ging es auch um einen ausreichenden Empfang für die stabile Datenverbindung. Für den Fall, dass die Technik am Ende doch versagt, sei gesorgt.

Im hinteren Teil des Fahrzeuges können die Polizisten gleich Vernehmungen von Zeugen oder Beschuldigten führen, alles erfassen und ausdrucken, unterschriftsreif für die Akten. Der Vorteil: Auch für sie werden sich künftig viele Wege zur Polizei erledigen.

Während früher Fahndungs- oder Fahrzeugabfragen per Funk erledigt werden mussten, ist dies nun ebenfalls mit dem Laptop mobil möglich.

TPA-Direktor Dumstorff: "Wir haben jetzt die Basis geschaffen, auf die alles Weitere aufgebaut werden kann." Der nächste Schritt sei dann der Polizist, der die Anzeigen vor Ort nicht mehr mit dem Schreibblock, sondern gleich mit dem Tablet aufnimmt. "Da sind schon einige Bundesländer dran, auch wir", sagt er. Technisch ist dies kein Problem, nur die Daten-Sicherheit muss entsprechend stimmen. Entsprechend beschäftigen sich die Arbeitsgruppen fast ausschließlich mit diesem Punkt. Weitere Ziele: Künftig könnten mit den sicheren Datenverbindungen auch Ordnungsgelder und Sicherheitsleistungen gleich bargeldlos vor Ort bezahlt werden.

Die neue Funkstreifenwagen-Generation soll im Zusammenspiel mit den neuen Streifenbereichen die Zeiten vom Notruf bis zum Erledigen des Falls weiter verkürzen. Karl-Heinz Willberg, Leiter der Abteilung Polizei im Innenministerium: "Am 1. Januar haben wir damit begonnen, die 56 Streifenbereiche einzurichten. Bis Herbst dürften wir die Umstellung abgeschlossen haben."

Während die Einsatzbereiche sich früher nach den Revieren bzw. Landkreisen richteten, gibt es inzwischen nur noch sogenannte "Einsatzräume", in denen die Wagen in der Regel jeden Punkt innerhalb von 20 Minuten erreichen.

"Dieses neue System ist natürlich auch für viele Polizisten eine Umstellung. Es gibt einfach keine Reviergrenzen mehr", sagt Willberg.

Für die neue Struktur habe es entgegen den Befürchtungen der Polizeigewerkschaft wenige Umsetzungen gegeben. Nur zwei Fälle seien bisher in der Härtefallkommission gelandet.

Vor allem in der Fläche soll es mit der Umstellung wieder mehr Polizei geben. So rollen künftig zum Beispiel durch den Landkreis Salzwedel mindestens sechs statt bisher drei bis vier Funkstreifenwagen. In den Ballungszentren wie Magdeburg, Halle und Dessau richten sich die Bereiche und die Anzahl der Polizeifahrzeuge nach der Belastung und dem Arbeitsaufkommen.

Sogenannte geschlossene Einsätze zu Veranstaltungen wie Demonstrationen oder beim Fußball werden künftig nur noch der Zentrale Einsatzdienst oder die Landesbereitschaftspolizei übernehmen.

Seit Jahresbeginn ist auch die Einführung der 305 Regionalbereichsbeamten in 122 Bereichen abgeschlossen. Sie sollen alle die Arbeiten erledigen, zu denen der Streifendienst nicht kommt: Aufklärungen in den Schulen, fester Ansprechpartner vor Ort und Fußstreifen.

Innenminister Holger Stahlknecht: "Ingesamt werden wir voraussichtlich 2016 die Polizeireform abschließen können."

 

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