Genthin l Ein starker Fuchs, den eine Jungkuh nicht zu nahe an die Herde kommen lässt. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich am Mittwoch gegen Mittag am Fienergraben nahe der kleinen Ortschaft Fienerode, die Ortsteil von Genthin ist, mit meinem Hund spazieren ging.

Nichts Ungewöhnliches eigentlich, solche Szenen habe ich in meinen knapp 30 Jagdjahren schon unzählige Male beobachtet. Sie beweisen immer: Kühe verstehen bei Gefahr keinen Spaß.

Doch beim zweiten und dritten Blick auf die Rinderherde mit mehr als 30 Tieren blieb ich stutzig, es begann eine heftige Verfolgungsjagd auf einer kleinen Anhöhe mit weniger saftig-grünem Gras. Urplötzlich schießt es mir durch den Kopf: Das ist ja ein Wolf. Jetzt sah ich ihn in voller Größe. Meine Vermutung: Isegrim will zu den Kälbern.

Fast reflexartig laufe ich zum Auto zurück, schraube das Teleobjektiv auf meine Kamera (die ich als Journalist immer im Wagen habe) und renne zurück, um so nah wie möglich heranzukommen. In der Zwischenzeit versuchte der Wolf offenbar, von mehreren Seiten an die Herde heranzukommen. Vergeblich. Die furchtlose Jungkuh ließ ihm keinen Platz. Nach etwa zwei Minuten musste sich der Räuber geschlagen geben, mit eingezogenem Schwanz zog er in Richtung des angrenzenden Kiefernwaldes - und schaute noch eine ganze Weile zu mir herüber.

Der Wolf ist mittlerweile in den waldreichen Gebieten um Genthin zu Hause. Er wurde von mehreren Jagdpächtern gesichtet, auch auf Fotofallen. Bis zum Truppenübungsplatz Altengrabow, wo der Wolf erstmals nachgewiesen wurde, sind es rund 15 Kilometer Luftlinie.