Stendal/München l Bei der fieberhaften Suche nach der seit fast drei Wochen vermissten fünfjährigen Inga Gehricke fehlt noch immer eine heiße Spur. Der Auftritt des Leiters der Ermittlungsgruppe "Wald", Holger Herrmann, in der ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" brachte 64 Meldungen im Aufnahmestudio München und bei der Polizei in Stendal. "Eine heiße Spur war bisher aber nicht dabei", sagte gestern Polizeisprecher Marc Becher.

Wie Aktenzeichen-Mitmoderator Alfred Hettmer in seiner Bestandsaufnahme noch während der Sendung sagte, drückten einige Anrufer nur ihr Bedauern aus. Andere zeigten Möglichkeiten auf, wie das Mädchen verschwunden sein könnte. "Wir haben aber auch Hinweise auf verdächtige Beobachtungen erhalten", sagte Hettmer. Zuletzt habe ein Anrufer auf einen Fall vor etwa 20 Jahren in einem Ort in der Nähe aufmerksam gemacht. Damals sei ein zehn bis zwölf Jahre altes Mädchen belästigt worden.

Einen anderen Fall gab es im Oktober 2000 im nur 20 Kilometer entfernten Stendaler Stadtteil Stadtsee. Damals hatte ein 40-jähriger Mann ein achtjähriges Mädchen sexuell in einem Wohnblock missbraucht und erwürgt. Der Täter entsorgte die Leiche in einem blauen Kunststoffsack im Hausflur.

Polizei ermittelt in mehrere Richtungen


Er wurde nur kurze Zeit später überführt und im Jahr 2001 zu 13 Jahren Gefängnis wegen Mordes in verminderter Schuldfähigkeit verurteilt. Ob es aber überhaupt einen Zusammenhang mit dem Verschwinden von Inga geben könnte, ist noch völlig unklar. Die Ermittler werden auch das prüfen, sagte der Polizeisprecher.

Kriminaldirektor Holger Herrmann betonte, dass "in alle Richtungen" ermittelt werde. Es habe mehr als hundert Befragungen im Bereich Wilhelmshof gegeben. Jedoch ohne eine Spur. Ein weiterer Komplex sei auch der ganz in der Nähe befindliche Maßregelvollzug Uchtspringe. Herrmann in der Sendung: "Wir werden auch in diese Richtung weiter ermitteln."

Plakataktion in anderen Bundesländern


Nach Auskunft des Sozialministeriums waren mit Stand April dieses Jahres 231 Patienten im Maßregelvollzug untergebracht, etwa 80 davon in der Außenstelle Luchow im Jerichower Land. In Uchtspringe werden Straftäter behandelt, die an psychischen Krankheiten leiden. Auf der Internetseite der Einrichtung heißt es: "Die Gruppe der Sexualstraftäter macht nur einen, wenn auch gewichtigen Teil der Patienten aus." Details zu eventuellen Ausgängen oder Lockerungsstufen wollte ein Sprecher des Ministeriums mit Blick auf die Ermittlungen nicht nennen.

Inga war am 2. Mai am Rande eines Waldstücks in der Nähe einer Feuerstelle zwischen 18.30 und 19 Uhr spurlos verschwunden. Seither wandte sich die Polizei mehrfach mit Fahndungsaufrufen an die Öffentlichkeit.

3250 Plakate in verschiedenen Formaten wurden gedruckt. Diese schickte die Polizei an ihre Kollegen in anderen Bundesländern, wo sie an markanten Plätzen aufgehängt werden sollen.