Von Beruf Priester
Die meisten katholischen Priester sind bei einem Bistum einer Gemeinde zugeordnet, wo sie als Seelsorger arbeiten und in der Regel im Pfarrhaus leben. Dort ist man Pfarrer oder unterstützt einen Pfarrer.
Zu den Aufgaben gehören u.a. Gottestdienste und Krankenbesuche. Die Ausbildung dauert in der Regel sechs Jahre vom Abitur bis zum Ende des Studiums plus zwei Jahre praktischer Ausbildung im Pastoratskurs.
Neupriester arbeiten zunächst als Vikare, also Stellvertreter eines Pfarrers. Einige Priester leben auch als Mönche eines Ordens im Kloster und arbeiten nebenher. Eine Priesterweihe gilt auf Lebenszeit. Deutschlandweit gibt es rund 14500 Priester.

Magdeburg l Eine Eingebung aus heiterem Himmel war die Idee mit dem Priesterleben keineswegs. Schon als er Abitur machte, spielte David Seibel mit diesem Gedanken. Die Arbeit der drei Ordensbrüder, die nach der Wende als Seelsorger nach Dessau-Süd gekommen waren, hatte bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Trotzdem dauerte es noch ein paar Jahre, bis er sich zum Priester ausbilden ließ.

Heute ist Seibel 37. Unter Berufseinsteigern mag er damit zu den Älteren gehören, in seiner Berufsgruppe aber drückt er den Altersdurchschnitt gewaltig. Sind doch die meisten der rund 70 Priester in der Gemeindeseelsorge im Bistum Magdeburg älter als 50 Jahre. Denn der Nachwuchs ist rar. 2010 wurde zuletzt ein Priester geweiht, zwei weitere Weihen sind für nächstes Jahr geplant, danach ist erstmal wieder niemand in Sicht.

Was manche junge Männer von dem Beruf abschrecken mag, ist das Zölibat. Damals fühlte sich auch Seibel nicht dazu in der Lage. "Als 18-Jähriger war das für mich unvollstellbar, zumal ich eine Freundin hatte", erzählt der Katholik. Also machte er erstmal etwas ganz anderes: eine Lehre bei einer Krankenversicherung.

Bei Mönchen in Irland den Entschluss gefasst


Danach studierte er ein paar Semester Jura, doch das war nicht seins. Seibel ging nach Dublin. "Dort habe ich gearbeitet, bin aber zwischendurch immer mal für einige Tage in ein Benediktinerkloster gegangen." Nach zwei Jahren in Irland war er bereit, sein Leben umzukrempeln. "Mir ist bewusst geworden, dass ich als Seelsorger Menschen in Not helfen möchte", sagt er. In Trier begann der Dessauer Theologie zu studieren. Nach zwei Jahren zog er in ein Kloster, gab seinen Besitz in die Hände des Ordens. "Ich hatte damals aber ohnehin nichts außer meiner Kleidung und meinem Saxophon." Übrigens auch keine Freundin.

Ein Jahr nach dem Studienabschluss gab der Sachsen-Anhalter sein Leben als Mönch wieder auf, Priester werden wollte er aber immer noch. Er bewarb sich beim Bistum Magdeburg, 2013 begann die praktische Ausbildung.

Am Sonnabend nun ist David Seibel am Ziel angelangt. Bei einem Festgottestdienst in Magdeburg wird ihn Bischof Gerhard Feige weihen. Erst dann wird bekanntgegeben, in welcher Gemeinde im Bistum Magdeburg - neben Sachsen-Anhalt gehören dazu auch kleine Teile Sachsens und Brandenburgs - er künftig arbeiten soll. Fest steht, dass er als Vikar, also Vertreter eines Pfarrers, Gottesdienste abhalten und wahrscheinlich auch die Jugend betreuen wird.

Zu einem Leben in Enthaltsamkeit, sagt David Seibel, fühlt er sich heute durchaus in der Lage. "Es wird immer etwas fehlen. Aber ich bin vom Zölibat überzeugt", erklärt er und zieht einen Vergleich: "Ich stelle mir das so vor, als wenn ich seit mehreren Jahren liiert bin: Man guckt vielleicht mal nach rechts oder links, aber bleibt immer treu."