Leipzig (bk). Am 15. Mai 1960 stoßen gegen 20.20 Uhr nördlich des Leipziger Hauptbahnhofs zwei Personenzüge der Deutschen Reichsbahn frontal zusammen. Mehr als 54 Menschen finden den Tod, 240 werden verletzt. Auslöser für den schweren Reichsbahnunfall ist eine falsche Weichenstellung.

Ein Fehler in der Stromversorgung hatte dazu geführt, dass die Weiche 262 nicht der Hebelbewegung gefolgt war. Und bei der sogenannten Fahrwegprüfung war dem Fahrdienstleiter dieser Umstand, der wenig später die verheerenden Folgen auslösen sollte, nicht aufgefallen.

Dem auf dem Leipziger Hauptbahnhof auf das Ausfahrtssignal wartenden Personenzug Leipzig-Halle wurde per Ersatzsignal die Strecke freigegeben. Aufgrund der Störung wurde der P 466 jedoch über die falsch stehende Weiche auf das linke Streckengleis geleitet. Der Lokführer bemerkte den Umstand nicht oder er regierte falsch und fuhr weiter. Somit kollidiert der Personenzug in Höhe der Leipziger Wollkämmerei mit dem entgegenkommenden Eilzug E 237 Halberstadt-Bad Schandau. Mehrere Wagen beider Züge entgleisen.

DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl erteilt dem Minister für Verkehrswesen, Erwin Kramer, der sich noch in der Nacht an den Unfallort begeben hatte, Sondervollmacht und betraut ihn mit der Leitung der Hilfsaktion für die Betroffenen und deren Angehörige.

Bereits am Unfallort sterben trotz sofortiger ärztlicher Hilfe 54 Reisende, weitere in den Krankenhäusern. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer ist bis heute unklar. Sie soll aber mehr als 100 betragen. Unter den Getöteten befinden sich auch die Eltern des bekannten Malers Neo Rauch (Neue Leipziger Schule).

Das Zugunglück in Leipzig gehört zu den schwersten Bahnunfällen der Nachkriegszeit bei der Deutschen Reichsbahn.