Magdeburg. An der Magdeburger Universitätsklinik ist die weltweit größte unabhängige Studie zur Therapie des Leberkrebses gestartet. Anfang Januar ist der erste von 665 Leberkrebspatienten, die im Rahmen der Studie eine Kombination verschiedener Krebstherapien erhalten, am Uniklinikum behandelt worden.

Unter Leitung der Professoren Jens Ricke, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, und Peter Malfertheiner, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, wird untersucht, wie gut das Leberkrebsmittel Sorafenib in Verbindung mit direkt am Tumor wirkenden radiologischen Verfahren, sogenannten Mikrotherapien, bei Leberkrebs wirkt.

Die Studie läuft über drei Jahre. Beteiligt sind 40 medizinische Zentren in 14 Ländern Europas, in Deutschland sind es neben der Magdeburger Universitätsklinik Kliniken in München, Karlsruhe, Potsdam, Stuttgart, Berlin, Greifswald, Wuppertal und Freiburg i.B.

"Leberkrebs wird häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt und lässt dann keine Transplantation und Operation mehr zu", erläutert Malfertheiner. Laut Ricke sei durch Vorläuferstudien bekannt, dass durch die Kombination von Therapien Erfolge im Kampf gegen den Krebs erzielt werden können. "Nun möchen wir mit dieser groß angelegten Studie unsere Beobachtungen prüfen", erklärt Ricke.

Bei allen Teilnehmern wird zunächst eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber zur Beurteilung des Krankheitsstadiums mit dem völlig neuen Kontrastmittel Primovist durchgeführt. "Wir gehen davon aus, dass wir die Qualität unserer Therapieentscheidungen damit erheblich verbessern werden", erläutert Ricke.

Je nach Erkrankungsfortschritt erfolgen unterschiedliche Therapien: Bei Patienten im frühen Stadium erfolgt ein "Verkochen" (Radiofrequenzablation) des Tumors. Dabei wird während einer Computertomographie mit einer kleinen Sonde hochfrequenter Wechselstrom in die Tumorzellen der Leber geleitet. Im Anschluss erhalten die Patienten das Krebsmittel Sorafenib in Tablettenform oder ein Placebo. Sorafenib ist ein innovatives, gerade vor wenigen Jahren zugelassenes Arzneimittel, das das Wachstum der Krebszellen und die Gefäßbildung zur Blutversorgung des Tumors stoppt.

Sämtliche Patienten im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium erhalten Sorafenib allein oder in Kombination mit der sogenannten SIRT-Therapie (Yttrium-90-Radioembolisation). Dabei werden unter MRT kleinste radioaktive Mikrokügelchen, die mit dem Betastrahler Yttrium-90 versetzt sind, durch einen Katheter in die Leberarterie des Patienten gespült. Die Mikrokügelchen sollen den Krebs von innen zerstrahlen.

Sowohl Ricke als auch Malfertheiner betonen, dass die Studie unabhängig von Pharmafirmen durchgeführt wird. Zwar finanzieren die Pharmafirmen Bayer Schering AG und Sirtex Medical Europe einen Teil der Studie, Entwurf, Durchführung und die Offenlegung der Daten erfolge aber unabhängig. "Die Patienten mit Leberkrebs, die an der Studie teilnehmen, erhalten eine hochmoderne Therapie", so Malfertheiner. Ricke hofft, dass durch die Kombination der verschiedenen Therapien Lebenszeit verlängert und Lebensqualität der Patienten verbessert werden können.

Der primäre Leberkrebs, der seinen Ursprung in den Leberzellen hat, gilt weltweit als eine der häufigsten Krebsarten. In Deutschland wird jährlich bei 6000 Patienten Leberkrebs diagnostiziert, weltweit bei rund 600 000.