Magdeburg. In der kommenden Woche treffen sich an der Fachhochschule (FH) in Magdeburg 120 Gesundheitsexperten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer Fachtagung. Die Tagung wird organisiert vom Verein "Hochschulen für Gesundheit", in dem bundesweit 32 Hochschulen organisiert sind, darunter auch die Magdeburger FH.

Dabei wollen sich die Hochschulen, Verwaltungen und Berufsverbände über die zukünftige Ausrichtung von Gesundheitsberufen austauschen. Unter den knapp 5000 Studierenden der FH belegen etwa 900 Studenten Studienrichtungen für Gesundheitsberufe - in den Bereichen Sozialarbeit, Gebärdensprache-Übersetzung und Gesundheitsmanagement.

Die Veranstaltung steht unter dem provokant formulierten Motto: "Wie können aus Gesundheitsberufen Gesundheitsberufe werden." Prof. Eberhard Göpel, Leiter des Fachbereiches Sozial- und Gesundheitswesen an der FH, sieht diese Berufsgruppe vor dem Hintergrund sozial-gesellschaftlicher Veränderungen mit neuen Aufgabenstellungen konfrontiert. "Gesundheitsberufe bewegen sich in Zukunft immer mehr weg von der rein biotechnischen Reparatur des Körpers. Stattdessen rückt die Hilfe zu alltagsnahen, gesundheitsfördernden Lebenswelten in den Fokus", sagt er.

Möglichkeiten dazu sieht der Professor in Angeboten wie Mehrgenerationenhäusern, Pflegestützpunkten und Selbsthilfezentren. "Um das finanzieren zu können, ist ein großer Umverteilungsprozess nötig." Weniger als ein Prozent von 280 Milliarden Euro, die in Deutschland jährlich in den Gesundheitssektor fließen, werde derzeit für die Gesundheitsförderung ausgegeben. In diesen Bereich müsse deutlich mehr Geld fließen.

In der modernen Zivilisation seien Gesundheitsberufe zu sehr auf die Behandlung von Krankheiten ausgerichtet. "Im 19. Jahrhundert war jede Stadt stolz darauf, ein eigenes Krankenhaus zu besitzen. Doch Krankenhäuser spielen in Zukunft eine immer geringere Rolle", glaubt Prof. Göpel. "Die sind teuer, der Aufenthalt dort wird immer kürzer." Gesundheitshäuser werden Krankenhäuser zunehmend ergänzen. Dort müsse es darum gehen, Menschen dabei zu helfen, ein sinnvolles Leben zu gestalten, aber auch mit ihren chronischen Leiden kompetent umzugehen. Denn die seien zunehmend auf dem Vormarsch. Als Beispiele für chronische Zivilisationsleiden nennt Prof. Eberhard Göpel psychische Erkrankungen oder Diabetes in Verbindung mit falscher Ernährung und Bewegungsmangel.

Es werde immer wichtiger, das letzte Lebensdrittel mit sinnvollen Inhalten zu gestalten, um Krankheiten vorzubeugen. "Die Menschen haben vor allem im Alter zunehmend den Wunsch, bei ihrer Suche nach Wohlbefinden Hilfe zu erhalten. Diese Hilfe zu leisten, wird eine wichtige Aufgabe von zukünftigen Gesundheitsberufen sein", so der Professor.