Von Martin Rieß

Magdeburg. Unter dem Titel "Unternehmerischer Erfolg – harmonieren Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft?" sind gestern im Magdeburger Maritim-Hotel mehr als 150 Interessierte auf Einladung des Netzwerkes kleiner und mittlerer Unternehmen (Network-KMU) und des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft zusammengekommen. Das Herzstück der Veranstaltung: eine Podiumsdiskussion, an der auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Stephan Dorgerloh (SPD) und Staatssekretär André Schröder (CDU) teilgenommen haben.

Dass es in Sachen Austausch von Forschung und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt noch Entwicklungschancen gibt, darauf machte Matthias Raith, Wirtschaftsprofessor der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität, aufmerksam: Aus seiner Sicht reicht die Zahl der Kooperationen zwischen Hochschulen und Universitäten einerseits und den vornehmlich kleinen und mittleren Unternehmen im Land längst nicht aus. Es gehe darum, dass die Hochschulen unternehmerischer denken. "Dabei geht es nicht um die Professoren. Die sind für Lehre und Forschung zuständig." Mehr als bisher müssten in den Hochschuleinrichtungen Strukturen geschaffen werden, die nach möglichen Projekten und Anknüpfungspunkten mit den Unternehmen in Sachsen-Anhalt suchen.

Unternehmensvertretern im Podium – Udo Harten von der Zuckerfabrik Klein Wanzleben, Carsten Woitzik von der Gebäudereinigung Mitteldeutschland und Peter Martini vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft – treibt ein anderes Problem ebenso um: Es geht um die geringer werdenden Zahlen von Schulabgängern und damit um einen sich abzeichnenden Mitarbeitermangel. Harten: "Früher konnten wir uns die zu uns passenden Bewerber aussuchen." Inzwischen seien primäre und sekundäre Fähigkeiten oft ein Grund, wenn Lehrstellen nicht besetzt werden. Folglich antwortete er auf die Frage, ob er sich einen speziellen Wirtschaftsunterricht an allgemeinbildenden Schulen vorstellen könnte, mit: "Mir würde es reichen, wenn Rechnen, Schreiben und Lesen kein Problem für die Bewerber um Ausbildungsplätze wären." Eine Aufgabe für die Schulen sieht Woitzik indes darin, Schülern klarzumachen, in welchen Branchen sie wirklich Perspektiven haben. "Nicht jeder wird seinen Traumberuf erlernen können. Und angesichts der in unserer Branche gültigen Mindestlöhne wäre es für viele Schüler sinnvoller, einen Beruf in der Gebäudereinigung zu erlernen, als am Ende ohne Ausbildung auf der Straße zu stehen oder sich mit Hilfsjobs über Wasser zu halten."

Diskutiert wurden weitere Themen wie die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen und die Notwendigkeit, Jugendlichen ohne Schulabschluss Perspektiven zu bieten.