• 26. Mai 2013


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Der Fall IKEA hat die Debatte um die Gefängnisarbeit politischer Häftlinge wieder angefacht. Von Andreas Stein


Arbeit im Knast: Devisen für die DDR

24.07.2012 04:20 Uhr |




Wolfgang Stiehl, Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, steht im Innenhof der Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg. Für das Hören von West-Radiosendern und Lesen satirischer Zeitschriften saß er zu DDR-Zeiten beinahe vier Jahre im Gefängnis, musste in Schneiderei und Bäckerei arbeiten.

Wolfgang Stiehl, Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, steht im Innenhof der Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg. Für das Hören von West-Radiosendern und Lesen satirischer Zeitschriften saß er zu DDR-Zeiten beinahe vier Jahre im Gefängnis, musste in Schneiderei und Bäckerei arbeiten. | Foto: Andreas Stein Wolfgang Stiehl, Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, steht im Innenhof der Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg. Für das Hören von West-Radiosendern und Lesen satirischer Zeitschriften saß er zu DDR-Zeiten beinahe vier Jahre im Gefängnis, musste in Schneiderei und Bäckerei arbeiten. | Foto: Andreas Stein

Schrauben aus Zerbst, Küchen aus Burg, Mess-geräte und Armaturen aus Magdeburg: Mit den Produkten der volkseigenen Betriebe konnte sich die DDR im Außenhandel wertvolle Devisen beschaffen - und setzte für die Produktion auch Strafgefangene ein. Ein Zeitzeuge erinnert sich.

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Magdeburg l Ein Fernsehbericht des WDR war es, der Zwangsarbeit in den DDR-Gefängnissen wieder in die öffentliche Debatte brachte. Das Magazin "Markt" hatte im "IKEA-Check" unter Berufung auf die Aussagen ehemaliger Strafgefangener und Stasi-Unterlagen berichtet, in DDR-Gefängnissen seien in den 1970er und 1980er Jahren in Zwangsarbeit Möbel für das schwedische Unternehmen hergestellt worden. Ein Aufschrei ging durchs Land, das Image der längst Kultstatus genießenden Kette hatte einen Knacks.

Historikern und Opferverbänden war das indes längst bekannt. Auch Wolfgang Stiehl überrascht die IKEA-Debatte nicht. Er ist Vorsitzender der Landesgruppe der Vereinigung der Opfer des Stalinismus und hat selbst als politischer Strafgefangener im Gefängnis gesessen. Stiehl weiß: Die "Politischen" wurden nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern schienen der Obrigkeit viel gefährlicher als Bankräuber oder Mörder. "Derjenige, der die antifaschistisch-demokratische Ordnung angreift, wird wegen seiner verbrecherischen Taten bestraft und hat folglich ein kriminelles Verbrechen begangen", gab DDR-Justizminister Max Fechner bereits 1951 als Parole aus.

Was das bedeutete, erlebte Wolfgang Stiehl am eigenen Leib: Von Februar 1953 bis November 1956 saß er wegen "Boykotthetze" im "Roten Ochsen" in Halle. Der gebürtige Schönebecker hatte sich aus Sicht der Richter dreier Vergehen schuldig gemacht. Stiehl konnte der Besitz satirischer Zeitschriften wie der "Tarantel" nachgewiesen werden. Mit 18 hatte der gelernte Bäcker an der Universität in Halle ein Studium als Lebensmittelchemiker aufgenommen. "In den Fünf-Bett-Schlafräumen der Nicht-Hallenser plärrte der DDR-Funk, darum kauften wir Stubengenossen uns ein anständiges Radio, hörten Rias und den Norddeutschen Rundfunk, wegen der tollen Musik und der Nachrichten", denkt Wolfgang Stiehl zurück. Zu seiner Verhaftung führte jedoch die Fahrt mit einem vermeintlichen Freund in den Weihnachtsferien 1952/53 zum Rias nach Westberlin. Denn dort sollte es Fachbuchspenden für Oststudenten geben. Sein "Freund" war jedoch von der Staatssicherheit auf ihn angesetzt worden, wie sich später herausstellte.


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Copyright © Volksstimme 2013
Dokument erstellt am 2012-07-24 04:20:39
Letzte Änderung am 2012-07-24 04:20:39

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