Wie ein Fastentag abläuft
Es gibt verschiedene Heilfasten-Kuren. Viele fasten nach dem Konzept des deutschen Arztes Otto Buchinger (1878 - 1966). Ein Kurs dauert mindestens eine Woche.
Ein typischer Tagesablauf nach Buchinger:
l Morgenrunde mit Teetrinken gegen 9 Uhr
l Yoga
l leichte Wanderung über 4 bis 10 Kilometer(Dauer: 2 bis 3 Stunden)
l Mittags ein Gemüsesud
(ohne Salz, Fett und Gemüsestücke, nur die Brühe),dazu ein Gemüsesaft
l dreistündige Ruhe
l nachmittags Yoga
l abends gegen 18 Uhr eine weitere Brühe
l offenes Programm: lesen, Gespräche, Filme, Sauna
l zwischen 20 und 21 Uhr schlafen gehen
Getränke gibt es den ganzen Tag über: Kräutertees, Mineralwasser, zwischen 2,5 und 3 Liter täglich
Tabus: Salz,da der Körper entwässern soll (der Blutdruck kann dabei anfangs sinken);
Fett und Alkohol, um die Leber zu entlasten (warme Leberwickel wirken unterstützend)
Süßigkeiten, Koffein
Rauchen möglichst unterbrechen
Nach dem Fasten:
1. Tag: Obsttag
2. Tag: Obst sowie Gemüse, am besten gedünstet oder gekocht
3. Tag: Haferbrei
Danach die Nahrungsmenge langsam steigern; heiße Fette und Fleisch in den ersten beiden Wochen möglichst meiden
Es gibt noch viele andere Fasten-Arten: Früchtefasten, Molkefasten, Saftfasten, die Milch-Semmel-Diät ...

Mehr dazu im Internet:
www.lebensfreude-online.de
www.fastenwandern.biz

Magdeburg l Während einer Fastenkur wird sich nicht jedes Speckpölsterchen in Luft auflösen. Denn schon nach etwa zwei Tagen schaltet der Körper ins Notprogramm um: Fett, die wertvollste Energiereserve, wird möglichst festgehalten. Aber natürlich verliert der Körper Gewicht. Gut zwei Kilo sind bei einer Sieben-Tage-Kur durchaus normal.

Fasten kann dennoch helfen, das Leben zu verändern. Ein Kick, ein Neuanfang, ein psychologisch wichtiger Zünder, um danach mit weniger Dickmachern auszukommen. Nach einigen Tagen ohne Zucker, Alkohol und Salz ist die Zunge wie gereinigt. Die Geschmacksempfindsamkeit ist enorm gestiegen. Vielen wird es nach einer Fastenkur deutlich leichter fallen, ihre Ernährung umzustellen. Danach reicht die natürliche Süße im Obst und die Prise Zucker, damit es süß schmeckt. Und das erst so scheinbar fade schmeckende Gemüse steckt plötzlich voller Aromen.

Wer nach einer Fastenkur wieder mit Kuchen und Pommesbergen weitermacht, wird freilich schnell wieder zulegen. "Wir sind das, was wir essen", sagt Robert Tilp, Heilpraktiker und Fastenbegleiter. Seit gut 15 Jahren leitet der Erfurter Fastenkurse. Beinahe jeden Monat geht es entweder in den Thüringer Wald oder an die Ostsee. Ein Kurs führt auch nach Sachsen-Anhalt - nach Altenbrak bei Thale im Harz.

Im Kloster besser als zu Hause

Dabei geht es nicht nur ums Weglassen von Nahrung, sondern auch um Bewegung, Stille, Abschalten. Wanderungen und Yoga stehen mit auf dem Programm. Fasten klingt für viele zunächst nach Stress. "Doch die meisten fühlen sich danach wie nach einem Urlaub", berichtet Tilp.Fasten kann man auch zu Hause. Aber man braucht viel Zeit und Ruhe dazu. Die finden die meisten dann doch eher im Kloster oder in einer Herberge in schöner Umgebung. Der große Vorteil: Alles wird geregelt. Zudem ist auch ein Betreuer da, wenn es einem mal schlecht geht. Und es gibt Mit-Fastende.

Wer Zweifel hat oder gesundheitliche Zipperlein, sollte vor einer Kur seinen Hausarzt konsultieren. Der Ruf des Fastens ist zwiegespalten. Die meisten Naturheilkundler schwören drauf, unter Schulmedizinern gehen die Meinungen auseinander: Ärzte ohne Fastenerfahrung raten oft ab, die mit Fastenerfahrung eher zu.

"Dabei ist Fasten etwas ganz Natürliches", sagt Tilp. Schließlich essen wir im normalen Leben auch nicht ununterbrochen. "Nicht grundlos heißt das englische Wort für Frühstück ,breakfast`, also Fastenbrechen. Immer volle Kanne geht nicht."

Der Körper braucht auch Zeit zum Verdauen - die wir ihm heute oft nicht geben, bei all den Zwischenmahlzeiten, Snacks, Riegeln und Bonbons. Es ist wie bei einer unruhigen Unterhaltung: Sie reden mit jemandem, und ständig unterbricht ein Telefonanruf, eine SMS oder ein anderer das Gespräch: Das macht kirre. Ähnlich ist es beim Essen.

"Die Leute werden einfach nicht mehr leer. Es gibt immer Nachschub. Völlegefühl, Müdigkeit, Darmträgheit, Übergewicht sind die Folgen", meint Tilp. Beim Heilfasten ist genügend Zeit für die große Leere. Wobei dies kein Vakuum ist. Es gibt den ganzen Tag über viel zu trinken. Es gibt einen Gemüsesud. Wanderungen - um dem Muskelverlust vorzubeugen. Gespräche, viel Schlaf und vor allem: niemand, der stört.

Zunächst muss jeder ein paar Hürden nehmen, ehe er bereit fürs Fasten ist.

1. Wer schnell mal 15 Kilo abspecken will, ist beim Fasten falsch. Es geht vor allem um eine Reinigung. Jeder muss sich darauf einstellen, dass er verlorenes Gewicht danach erstmal wieder zunimmt. Erst durch eine Ernährungsumstellung nach dem Fasten sinkt das Gewicht dauerhaft.

2. Wer mitmacht, muss abschalten können. Damit ist auch das Telefon in der Hosentasche gemeint.

3. Zwei Tage vor der Fastenkur werden dringend zwei Entlastungstage empfohlen: Kein Kaffee, kein Alkohol, kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine erhitzten Fette. Stattdessen Kräutertee, Obst, Gemüse, Pflanzenöle (ungesättigte Fette).

4. Nun kommt für Fasten-Anfänger die wahrscheinlich unangenehmste Hürde: Die Entlastung des Darms. Das bedeutet: Entweder Glaubersalz trinken (wovon vielen übel wird) oder Einläufe. Tilp empfiehlt Variante zwei. Erfahrene Faster machen das schon vor der Kur zu Hause, Anfänger beginnen damit am ersten Tag der Fastenzeit. "Sobald der Darm leer ist, schwindet bei den meisten das Hungergefühl", berichtet Tilp. Er vergleicht es mit einem gründlichen Frühlingsputz zu Hause: Erst müssen Tische und Stühle raus, dann kann gründlich sauber gemacht werden. Wer bereit ist, diese Hürden zu nehmen, der ist fit fürs Fasten.

Teil 5 am Donnerstag (20. März): "Volle Kanne Vollkorn" - warum Ballaststoffe Schlankmacher sind

Bislang erschienen:
"Der verdammte Jo-Jo-Effekt"
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