Tokio (dpa). Um das Atomkraftwerk Fukushima unter Kontrolle zu bringen, hat der Betreiber Tepco gestern damit begonnen, 11500 Tonnen verstrahltes Wasser ins Meer zu leiten. Die Wassermassen in verschiedenen Teilen der Atomruine hindern die Arbeiter daran, die Kühlung der Reaktoren in Gang zu bringen. Währenddessen versuchen die Arbeiter weiter, ein kürzlich entdecktes Leck an Reaktorblock 2 zu schließen. Durch die undichte Stelle fließt unkontrolliert Wasser ins Meer.

Die Flüssigkeit, die Tepco kontrolliert ableiten will, strahlt nach eigenen Angaben nur schwach. Wie der Energiekonzern gestern mitteilte, liegt die Radioaktivität des Wassers um das 100-Fache über dem gesetzlichen Grenzwert.

Die unter Lebensgefahr arbeitenden Helfer konnten bisher nicht herausfinden, über welchen Weg Wasser unkontrolliert ins Meer strömt. Versuche, das Leck mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stopfen, scheiterten. Das Wasser hatte sich im Untergeschoss des Turbinengebäudes und in einem tunnelförmigen Verbindungsrohr angesammelt.

Während die Suche nach dem genauen Verlauf des Wassers weitergeht, erwägt Tepco, im Meer Barrieren zu errichten, um eine Ausbreitung der radioaktiven Partikel in den Pazifischen Ozean einzudämmen. Dies wird laut Atomaufsichtsbehörde vermutlich einige Tage dauern.

Doch offensichtlich entweicht nicht nur über das Wasser Radioaktivität in die Umwelt, sondern auch über die Luft. Auch mehrere Gemüsesorten sind bereits verstrahlt und dürfen auf Weisung der Behörden nicht mehr verkauft werden, was die Landwirtschaft schwer trifft. In der Unglücksprovinz Fukushima, wo auch das havarierte Kernkraft liegt, sind nun auch in Shiitake-Pilzen radioaktive Substanzen gefunden worden. Die Provinzregierung wies 23 Pilzbauern an, keine der Pilze auszuliefern.