Köln (dapd) l Wenn Anton Stuckenberger an das Grab seiner verstorbenen Mutter tritt, hat er nicht nur Blumen dabei, sondern auch sein Smartphone. Innerhalb weniger Sekunden scannt der 51-Jährige den sogenannten Qr-Code von einem kleinen Sockelstein ein. Es ist ein Viereck aus schwarzen und weißen Punkten. Dann öffnet sich auf seinem Handy die Trauerseite, die er für seine Mutter im Internet angelegt hat. "Das ist eine geniale Verknüpfung von realem und virtuellem Erinnerungsort", sagt Stuckenberger.

Der Qr-Code am Grab zeige den Besuchern, dass da noch mehr ist als nur der Name der Verstorbenen und die Daten ihrer Geburt und ihres Todes. Was manche Kritiker als voyeuristisch und pietätlos abtun, könnte zu einem neuen Trend auf den Friedhöfen Deutschlands werden. In Qr-Codes können relativ einfach Text oder ein Direktlink verschlüsselt werden. Derzeit werden die Codes, die ursprünglich für die Lagerlogistik eines Autokonzerns entwickelt wurden, primär in der Werbung eingesetzt. Auch Zeitschriften und Zeitungen drucken das Symbol ab und bieten damit ein zusätzliches Angebot im Internet.

Steinmetzmeister und Bildhauer Andreas Rosenkranz aus Köln ist nach eigenen Angaben bislang der einzige in Deutschland, der einen solchen Code in einen Grabstein gemeißelt hat. "Es gibt einfach Bedarf", sagt der 48-Jährige, "denn in der heutigen Welt wird der Toten nicht mehr nur auf dem Friedhof gedacht - sondern eben auch immer mehr im Internet."

Bei Anbietern wie emorial.de oder stayalive.com können Angehörige Trauerseiten einrichten, inklusive der Möglichkeit, Fotos hochzuladen, ein Gedenkbuch zu schalten oder virtuelle Kerzen anzuzünden. Auch Privatleute richten Trauerseiten ein. "Ein Qr-Code ist platzsparend und kann sehr ansprechend gestaltet werden", sagt Steinmetz Rosenkranz.

Beim Bundesverband Deutscher Bestatter stößt die Innovation auf Interesse. Generalsekretär Rolf Lichtner sagt, es sei völlig klar, dass die neuen Medien auch auf dem Friedhof Einzug hielten. "Solange keine Datenschutzprobleme entstehen oder anstößige Seiten verlinkt werden, sehen wir das neutral", sagt er. Vielleicht belebe der Trend sogar den Friedhof als Kulturort und biete neue Möglichkeiten zum Beispiel für Friedhofsführungen.

Anton Stuckenberger denkt schon weiter: "Ich wäre froh, wenn auf diesem Wege irgendwann auch meine Urenkel noch erfahren könnten, was ich für ein Mensch war."