Herz- und Gelenkerkrankungen sind kein Grund, inaktiv zu werden. Im Gegenteil: Wer sich überwindet und körperlich angemessen belastet, tut seiner Gesundheit viel Gutes. Über die sportlichen Möglichkeiten für Senioren gaben Sportmediziner des Magdeburger Uniklinikums in einem Volksstimme-Telefonforum Auskunft. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage: Ich bin 55 Jahre alt und nahezu normalgewichtig. Ich spiele regelmäßig Fußball, hatte unlängst aber mehrmals stechende Schmerzen im Brustbereich. Sollte ich künftig kürzertreten?
Antwort: Sie sollten Ihren Hausarzt auf die Symptome hinweisen. Beschwerden wie Herzschmerzen, aber auch Atemnot und Schwindelgefühle sind Warnzeichen des Körpers, die unbedingt ernstgenommen werden sollten. Bis zur ärztlichen Untersuchung sollten Sie auf sportliche Betätigungen verzichten.

Frage: Welche Sportarten sind nach einem Herzinfarkt noch möglich?
Antwort: In der akuten Phase unmittelbar nach einem Herzinfarkt sollte man körperliche Belastungen vermeiden. Wenn sich die Erkrankung in einer stabilen Phase befindet, ist eine angemessene sportliche Belastung ratsam. Der Beginn sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Prinzipiell gut geeignet sind Sportarten, bei denen man die Belastung dosieren kann. Dazu gehören Nordic Walking und Radfahren. Günstig ist auch ein regelmäßiges Training auf dem Fahrrad-Ergometer und ein dynamisches Kraftausdauertraining. Sie können sich auch einer Herzsportgruppe anschließen, in der Sie sich dann unter ärztlicher Aufsicht befinden.

Frage: Kann man mit Gelenkprothesen noch Sport treiben?
Antwort: Generell ja. Wir empfehlen Sportarten mit geringen Stoßbe lastungen und Bewegungen, bei denen das Knie nicht verdreht wird. Besonders empfehlenswert sind Fahrradfahren, Schwimmen und Nordic Walking. Wenn Bewegungsabläufe gut trainiert sind, kann man auch Golf und Tennis empfehlen.

Frage: Ich bin 52 Jahre alt und nehme gegen Bluthochdruck Tabletten ein. Wie stark kann ich mich belasten?
Antwort: Sie sollten die Belastungsgrenzen beim Arzt untersuchen lassen. Die Trainingsherzfrequenz kann dabei festgelegt werden. Während des Trainings lässt sich die Belastung mit einer Pulsuhr überwachen. Generell sollte man das Lauftempo so wählen, dass man die Anstrengung als leicht bis mäßig empfindet. Es ist ratsam, anfangs im gleichbleibenden Tempo zu laufen. So verbessern Sie Ihre Herzleistung und verringern das Risiko eines Herzinfarktes. Bei Beschwerden wie Herzstolpern und Schwindel sollten Sie das Training abbrechen und Ihren Arzt konsultieren.

Frage: Ich spiele seit vielen Jahren regelmäßig Tennis. Neuerdings habe ich öfter Schmerzen im rechten Kniegelenk. Was kann ich tun?
Antwort: Häufige Auslöser von Kniegelenkschmerzen sind langjährige Überanspruchungen bzw. eine einseitige Fehlbelastung der Gelenke, Muskeln und Sehnen. Starke Gelenk-Überanspruchungen, wie sie beispielsweise beim Tennis, Ballsportarten und beim Skiabfahrtslauf auftreten, können zu Knorpelschäden führen. Die Folge: Der dämpfende Knorpel an den Innenflächen im Gelenk reibt sich ab und die Knochen scheuern schmerzhaft aufeinander. Bei kleineren Knorpelschäden können klassische Behandlungen (vorübergehende Ruhigstellung und Schmerzmittel) oder – bei jüngeren Patienten – Knorpeltransplantate helfen. Bei umfangreicheren Gelenkschäden ist ein künstlicher Gelenkersatz ratsam.

Frage: Ich fahre täglich mit dem Fahrrad. Seit kurzem habe ich ein neues Rad. Seitdem habe ich Knieschmerzen. Was sollte ich tun?
Antwort: Ihre Beschwerden können die Folge einer falschen Sitzposition oder einer zu hohen Gangbelastung sein. Besprechen Sie das mit Ihrem Fahrradhändler und ggf. mit Ihrem Arzt.

Frage: Ist wirklich ratsam, bei Muskelkater die Zähne zusammenzubeißen und weiter zu trainieren?
Antwort: Nein. Muskelkater ist ein deutlicher Hinweis auf eine Überbelastung. Dabei bilden sich feine Risse in den Muskelfasern, die sich entzünden und die Fasern anschwellen lassen. Wer trotz der Schmerzen weiter trainiert, riskiert immer mehr schmerzhafte Muskelrisse. Um diese Schmerzen zu vermeiden, ist es ratsam, die sportliche Belastung langsam zu steigern. Die Aufwärmphase sollte mindestens zehn Minuten umfassen. Nach der körperlichen Belastung sollte man die Muskeln ebenso lange lockern. Günstig wirken zudem Wärmekompressen oder warme Bäder.

Frage: Beim Schwimmen bekam ich schon mehrmals Wadenkrämpfe. Was kann ich dagegen vorbeugend tun?
Antwort: Beim Auftreten der Wadenkrämpfe kann leichtes Massieren der Beine bereits Erleichterung bringen. Mitunter hilft auch die Einnahme von Magnesiumpräparaten. Wenn die Wadenkrämpfe öfter auftreten, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Das gilt insbesondere dann, wenn noch weitere Symptome wie Kribbeln in den Beinen oder Taubheitsgefühle auftreten.

Frage: Was kann man gegen Seitenstiche beim Laufen tun?
Antwort: Die genaue Ursache von Seitenstechen ist unklar. Eine Theorie besagt, dass eine mangelhafte Durchblutung des Zwerchfells der Grund ist. Durch eine falsche Atemtechnik beim Laufen verkrampft das Zwerchfell und dadurch wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt. Eine andere These geht davon aus, dass körperliche Anstrengungen durch einen vermehrten Blutstrom zur Milz Dehnungsschmerzen auslösen. Selbst Leistungssportler sind dagegen nicht geschützt. Es hilft aber die Arme beim Auslaufen hochzunehmen, tief zu atmen und die Hände auf die stechende Seite des Bauches zu legen.