München - Wer Spaß am Klettern hat, muss nicht immer hoch hinaus wollen. Die Anhänger des Boulderns erklimmen massive Felsbrocken ( auf Englisch : Boulder ), bleiben dabei aber immer in Absprunghöhe. " Der Unterschied zum Klettern an der Bergwand ist, dass man kein Seil als Sicherung braucht, weil man sich nie höher als zwei bis fünf Meter über dem Boden befi ndet ", sagt Wolfgang Wabel, Ressortleiter Spitzenbergsport beim Deutschen Alpenverein.

Auch ohne tiefen Abgrund ist Bouldern keinesfalls langweilig. " Man klettert ja nicht nur schnell an dem Felsbrocken rauf, sondern bewegt sich seitlich an ihm entlang. So sind einige Sportler durchaus eine halbe Stunde mit einem Fels beschäftigt ", betont Wabel.

Weiche Matte ist Pflicht

Zudem gehe es darum, ursprünglich unüberwindbare Stellen im Fels wie Überhänge durch stetiges Üben zu meistern. Dabei werden Ausdauer und Kraft trainiert. " Auch wer ins Schwitzen kommt, bleibt meist unterhalb der Leistungsgrenze ", sagt Wabel.

Auch wenn Italien, die USA oder Neuseeland unter den Boulder-Fans als beliebte Ziele gelten : Geeignete Felsen gibt es überall auf der Welt. " In Deutschland haben sich die Pfalz bei Ludwigshafen, das Allgäu und das Elbsandsteingebirge als Regionen zum Bouldern etabliert ", erläutert Wabel. Am meisten Spaß bereite das Klettern an Feldbrocken aus Sandstein und Granit, ergänzt der Experte. Für die bekanntesten Gebiete sind auch Boulderführer erhältlich, die Felsen in Schwierigkeitsstufen einteilen.

Ist das nächste Gebirge weit entfernt, bieten viele Kletterhallen auch gute Bedingungen zum Bouldern an. " 200 bis 250 Quadratmeter Fläche sowie einige Überhänge, Neigungen und Felsdächer sollten allerdings zur Verfügung stehen. Sonst wird es schnell langweilig ", unterstreicht Wabel.

Da auch ein Sturz aus wenigen Metern Höhe zu Brüchen oder Gelenkschäden führen kann, ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ein so genanntes Crashpad. Die weiche Matte legt der Boulderer unter den Fels und polstert damit eine eventuelle Sturzzone ab. Weiter gehören ein Magnesiumbeutel sowie feste Kletterschuhe zum Rüstzeug.

Wer die Sportart ausprobieren möchte, kann einen Kursus besuchen, der häufig in Kletterhallen angeboten wird. Informationen gibt es dazu im Internet, beispielsweise unter alpenverein. de. Spezielle körperliche Voraussetzungen sind nicht nötig. " Eine sportliche Figur ist natürlich von Vorteil ", sagt Wabel. Trotz dieser Voraussetzung und der vermeintlich geringen Höhe sollte es dennoch niemand übertreiben. " Sich unaufgewärmt an schwierigen Bouldern zu versuchen, kann den Gelenken schaden ", betont Wabel.