Berlin - Auch Schwangere und Stillenden müssen manchmal Medikamente nehmen. Ärzte raten ihnen aber zu besonderer Vorsicht : Arzneistoffe können nämlich über die Plazenta oder die Muttermilch in den Blutkreislauf des Kindes gelangen. Eine Arzneimitteleinnahme der Mutter birgt deshalb ein Risiko für das Kind. Dies beschränkt sich nicht nur auf verschreibungspflichtige Mittel. Auch rezeptfreie und Naturheilpräparate können unter Umständen schaden, so Irene von Majewski vom Deutschen Grünen Kreuz e. V .. Und die Gefahr nimmt zu, je mehr Arzneistoffe gleichzeitig angewendet werden.

Bei aller Sorge um das Kind ist eine Nicht-Behandlung der Mutter auch keine Lösung. Jede Missempfindung der Mutter kann sich als Stress auf das Ungeborene auswirken. Wird die Therapie von bestimmten Krankheiten wie beispielsweise Asthma oder Bluthochdruck einfach abgebrochen oder unterlassen, können sich diese so verschlimmern, dass nicht nur die Mutter, sondern auch das Baby massiv gefährdet ist.

Bevor die Mutter ein Arzneimittel anwendet, ist im Einzelfall der erwartete Nutzen gegenüber dem möglichen Risiko kritisch abzuwägen. Es gilt der Leitsatz : so viel wie nötig und so wenig wie möglich ! Für die meisten Erkrankungen gibt es Medikamente, für die ausreichende Erfahrungen vorliegen.

Medizinische Fachinstitute haben sich inzwischen der Problematik angenommen, indem sie unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Schwangerschaft und Stillzeit bundesweit systematisch erfassen. Auf diese aktuellen, wissenschaftlich fundierten Daten können Ärzte und Apotheker zurückgreifen und in die individuelle Beratung einbeziehen.

Alle eingenommenen Medikamente sollten in einem Ausweis dokumentiert werden, den es jetzt speziell für Schwangere und Stillende gegen eine Schutzgebühr in vielen Apotheken gibt, rät Majewski. Sinnvoll ist es, diesen bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch vorzulegen. Damit haben Ärzte, Apotheker und die Mutter selbst jederzeit eine bessere Übersicht.