Schilddrüsenerkrankungen werden häufig erst spät erkannt. Über die Risiken und Behandlungsmethoden konnten sich Leser der Volksstimme gestern in einem Telefonforum bei Fachärzten informieren. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Wie kann es zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommen ?

Antwort : Auslöser ist oftmals ein ernährungsbedingter Jodmangel. Dadurch kann die Schilddrüse die für den Stoffwechsel notwendigen Hormone nicht mehr in ausreichenden Mengen herstellen. Die Schilddrüse versucht, durch eine Vermehrung der Drüsenzellen diesen Mangel auszugleichen, und es bildet sich ein Kropf. Unbehandelt kann er die Entstehung von Knoten innerhalb der Drüse begünstigen.

Frage : Bei mir wurden heiße Knoten in der Schilddrüse festgestellt. Habe ich ein erhöhtes Krebsrisiko ?

Antwort : Nein. Heiße Knoten sind gutartige Neubildungen des Schilddrüsengewebes. Sie können zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Bei kalten Knoten besteht ein leicht erhöhtes Tumorrisiko ( in etwa drei bis fünf Prozent der Fälle ). Ein Tumor lässt sich mit einer Feinnadelpunktion der Schilddrüse und mit einer anschließenden Analyse des Gewebes feststellen.

Frage : Wie viel Jod kann man maximal zu sich nehmen, um nicht die Schilddrüse zu schädigen ?

Antwort : Prinzipiell besteht durch eine Jodzufuhr mit der normalen Ernährung keine Gefahr, eine gesunde Schilddrüse zu schädigen. Überschüssiges Jod wird normalerweise über die Harnwege wieder ausgeschieden. Einige Menschen haben jedoch bereits heiße Knoten in der Schilddrüse. Wenn sie zu viel Jod zu sich nehmen, kann sich eine Schilddrüsenüberfunktion verschlimmern. Das ist insbesondere bei Einnahme von Multivitamintabletten mit zusätzlichem Jod oder bei Kontrastmitteluntersuchungen zu bedenken.

Frage : Meine Freund reagiert auf Jod allergisch. Muss ich beim Kochen bestimmte Zutaten, zum Beispiel Jodsalz, meiden ?

Antwort : Nein. Eine Jod-Allergie gibt es nicht, nur eine Unverträglichkeit auf jodhaltes Kontrastmittel, das im Rahmen einer medizinischen Diagnostik gegeben wird. Ihr Freund kann sich wie jeder Mensch ernähren. Wichtigste Jodquelle ist der Seefisch und Lebertran. Milch, die einen Jodgehalt von vier bis elf Mikrogramm pro 100 Gramm hat, leistet nur einen kleinen Beitrag zur Jodversorgung. Pfl anzen enthalten kaum Jod. Jodierte Speisen sind auch für Menschen mit einer Kontrastmittel-Unverträglichkeit kein Problem.

Frage : Ist eine Zunahme des Halsumfangs ein Indiz für eine Schilddrüsenkrankheit ?

Antwort : Es kann ein Hinweis sein. Um sicher zu gehen, wird der Arzt eine Tast- und Ultraschalluntersuchung durchführen sowie die Hormonwerte analysieren. Gewebeentnahmen, Antikörper-Kontrollen und die Szintigraphie sind Folgeuntersuchungen, die im Einzelfall zur genaueren Diagnostik erforderlich sind.

Frage : Mein Arzt hat einen einzelnen heißen Knoten von eineinhalb Zentimetern Größe in der Schilddrüse festgestellt. Die Schilddrüsenfunktion ist noch nicht beeinträchtigt. Sollte ich mich behandeln lassen ?

Antwort : Man kann den Knoten entweder operativ entfernen oder halbjährlich kontrollieren lassen. Im letzteren Fall besteht das Risiko, dass es doch noch zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt.

Frage : Ich habe mehrere kalte Knoten. Mein Arzt hat mir zu einer Operation geraten. Kann man nicht auch warten ? Ich bin erst 35 Jahre alt ?

Antwort : Prinzipiell würde man gerade jüngeren Patienten mit vielen kalten Knoten zu einer Operation raten, weil Medikamente langfristig bei vielen Knoten nicht effektiv sind.

Frage : Meine Ärztin hat bei mir vor einer Woche eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt, die jetzt medikamentös behandelt wird. Trotzdem friere ich oft und fühle mich abgeschlagen. Was kann ich noch tun ?

Antwort : Es kann mehrere Wochen dauern, bis die Wirkung der Medikamente einsetzt. Wenn sich die Symptome nicht ändern, sollte man noch einmal eine Blutkontrolle durchführen.

Frage : Kann durch eine Radiojodbehandlung ein Krebs ausgelöst werden ?

Antwort : Bei einer Radiojodbehandlung werden lokal die überaktiven Zellen der Schilddrüse bestrahlt. Die Strahlenexposition für die gesunden Zellen ist gering. In zahlreichen Studien konnte kein Zusammenhang zwischen einer Radiojodbehandlung und der Entstehung von Krebs nachgewiesen werden.

Frage : Ist eine Schwangerschaft durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen gefährdet ? Wie viel Jod kann ich als Schwangere mit einer Schilddrüsenüberfunktion zu mir nehmen ?

Antwort : Gesunde Frauen sollten in der Schwangerschaft mehr Jod zu sich nehmen – etwa 230 bis 260 Mikrogramm täglich. Bei bekannter Schilddrüsenüberfunktion sollten nur etwa 100 Mikrogramm täglich eingenommen werden.

Schwangere mit einer Schilddrüsenfunktionsstörung sollten engmaschig vom Spezialisten überwacht werden. Dann besteht für Mutter und Kind kein erhöhtes Risiko.