Magdeburg l Zu den häufigsten Krebserkrankungen in Sachsen-Anhalt zählt der Darmkrebs. Rund 2 000 Neuerkrankungen diagnostizierten Ärzte im vergangenen Jahr. Meist tritt der Tumor im unteren Darmdrittel auf – in Dick- und Enddarm. Eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen ist die operative Entfernung des betroffenen Verdauungsabschnitts inklusive der naheliegenden Lymphknoten.

Bis vor etwa einem Jahrzehnt erforderte der Eingriff noch einen großen Bauchschnitt. Inzwischen – das bestätigen viele Chirurgen auf der diesjährigen Tagung in Magdeburg – können Tumoren im Bauchraum mit der gleichen Sicherheit auch minimalinvasiv entfernt werden. Unterstützt werden die Ärzte dabei von modernster Robotertechnik. „Über 50 Prozent der Operationen von Dick- und Enddarmkrebs erfolgten bei uns minimalinvasiv und mit Unterstützung modernster Robotertechnik“, informierte Prof. Dr. Karsten Ridwelski, Leiter des Darmkrebszentrums am Klinikum Magdeburg und diesjähriger wissenschaftlicher Tagungspräsident.

Entscheidend für den Erfolg des minimalinvasiven Eingriffs ist aber, dass dieser problemlos zu Ende gebracht werden kann. Ein Wechsel zur offenen Chirurgie nach Beginn des minimalinvasiven mit Robotertechnologie unterstützten Eingriffs erhöht hingegen das Risiko, dass der Tumor nicht vollständig entfernt wird.

Damit das nicht geschieht, ist vor jedem geplanten Eingriff eine umfassende Diagnostik erforderlich, zu der neben Ultraschall und Computertomographie beim Enddarmtumor unbedingt auch ein MRT (Magnetresonanz-Tomogramm) gehören muss. Bei vielen Patienten wird die Operation zudem mit einer Strahlen- und Chemotherapie kombiniert – und das meist schon Wochen vor dem Eingriff. Diese sogenannte neoadjuvante Behandlung hat zum Ziel, den Tumor zu schrumpfen und ihn auf seine Entfernung im Rahmen einer Schlüsselloch-OP vorzubereiten. Das genaue Vorgehen wird meist in einer klinischen „Tumorkonferenz“ mit Strahlentherapeuten, Onkologen und Chirurgen festgelegt.

Bei einem akuten Darmverschluss oder bei inneren Blutungen durch den Tumor müssen die Chirurgen nach wie vor eine offene Operation durchführen.

Sitzt der Tumor bei einem Enddarmkrebs sehr nah am Schließmuskel, müssen die Ärzte außerdem vorübergehend einen künstlichen Darmausgang (Stoma) legen. Für die Dauer von drei bis sechs Monaten wird der Darminhalt dabei in einen Wechselbeutel am Bauch entleert. „Meist kann der Darmausgang nach der Heilung des Enddarms zurückverlegt werden, so dass die Stuhlentleerung wieder auf natürlichem Wege möglich ist“, so Dr. Ridwelski. Eine Ausnahme sind sehr tief am Schließmuskel gelegene Tumoren. Dann ist eine Operation mit einem endgültigen künstlichen Darmausgang unverändert notwendig.

Die Ärzte auf der Mitteldeutschen Chirurgen-Tagung plädierten für eine schonende Darmspiegelung im Erwachsenenalter, auch wenn keine Symptome vorhanden sind.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Darmspiegelungen von Männern und Frauen ab dem 55. Lebensjahr.

Sollte bei Verwandten ersten Grades ein Darmkrebs aufgetreten sein, sind frühere Kontrollen ratsam.