Frage : Ich habe gehört, dass sich in den USA viele Menschen eine so genannte künstliche Bandscheibe einsetzen lassen. Gibt es so etwas auch bei uns ? Es antwortet Prof. Raimund Firsching, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg.

Die erste künstliche Bandscheibe wurde zu DDR-Zeiten an der Berliner Charité für die Lendenwirbelsäule entworfen. In der Zwischenzeit wurde diese Entwicklung weiterverfolgt und unterschiedliche Bandscheibenprothesen weltweit entwickelt. Mittlerweile sind die Bandscheibenprothesen an der Halswirbelsäule wegen der größeren Beweglichkeit weiter verbreitet als die Lendenwirbelsäulenprothese. Erstaunlicherweise ist die Verbreitung dieser Prothesen in Europa größer als in den USA, da dort die Zulassung durch die Behörden schwerfälliger erfolgt als zum Beispiel in Deutschland. Diese Methode ist also auch bei uns verfügbar.

Die weltweit erste klinische Studie mit einer größeren Fallzahl von Patienten mit Bandscheibenprothesen der Halswirbelsäule aus einer einzigen Klinik stammt übrigens aus der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Methode einer Bandscheibenprothese an der Halswirbelsäule nicht mit einem höheren Risiko verbunden ist als die bislang herkömmliche Methode, bei der die Bandscheibe oder Teile davon entfernt werden und die anliegenden Wirbel fest miteinander verbunden werden.

Nach ersten Ergebnissen bleibt durch die Bandscheibenprothese eine gute Beweglichkeit des operierten Bereichs erhalten. Da mit zunehmendem Alter auch eine Verminderung der Beweglichkeit der Wirbelsäule beobachtet wird, profi tieren eher jüngere Patienten unter 60 Jahre von einer Bandscheibenprothese. ( ukl )

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