Erkrankungen bei Männern

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung von Männern. Statistisch beginnt das Erkrankungsrisiko ab dem 5. Lebensjahrzehnt und erreicht im 7. Lebensjahrzehnt seinen Höhepunkt.

Die meisten bösartigen Geschwülste wachsen sehr langsam, so dass viele Männer nicht daran versterben, sondern an anderen Krankheiten. "Ob eine PSA-Untersuchung unter 50 Jahren überhaupt sinnvoll ist, ist wissenschaftlich nicht gesichert. Deshalb wird die Untergrenze für die empfohlene erste Früherkennungsuntersuchungen (rektale Prostataaustastung und PSA-Test) derzeit von bisher 40 Jahren auf 45 bis 50 Jahre angehoben", so Prof. Dr. Martin Schostak von der Urologischen Uniklinik Magdeburg.

Männer, die vor dem 50. Geburtstag an einem Tumor der Vorsteherdrüse erkranken, sind hierzulande sehr selten. "Das Risiko liegt im Promillebereich", so Prof. Schostak.

Gleichwohl gibt es Hinweise aus internationalen Studien, dass es ein erhöhtes Risiko gibt, je früher und je mehr nahe männliche Familienangehörige an einem Prostatakarzinom erkrankten.

Bekannt sind bereits mehrere Gene, darunter insbesondere das HPC-1, die das Risiko einer bösartigen Erkrankung der Vorsteherdrüse erhöhen können. Es gibt aber keine medizinisch begründbaren Empfehlungen für Männer, sich vorsorglich die Prostata entfernen zu lassen.

Fazit: Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist es nur dann sinnvoll, bereits mit dem 40. Lebensjahr einen PSA-Test und eine rektale Untersuchung durchführen zu lassen, wenn ein erhöhtes familiäres Risiko vorliegt. Achtung wenn:


  • männliche Verwandte in drei Generationen hintereinander erkrankten,

  • Vater und Bruder an Prostatakrebs erkrankten,

  • Vater oder Bruder unter 60 Jahren erkrankten.

Magdeburg l Die meisten Krebserkrankungen entstehen im fortgeschrittenen Lebensalter, etwa zwischen dem 50. und 70. Lebensjahrzehnt. Leider bestimmen auch bei Tumoren Ausnahmen die Regel. "Fast 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen im Brustzentrum Magdeburg sind jünger", sagt Professor Dr. Serban-Dan Costa, Leiter des Magdeburger Brustzentrums an der Universitätsfrauenklinik. In solchen Fällen liegt die Frage nahe, ob bei diesen Frauen vielleicht eine erbliche (familiäre) Vorbelastung besteht. Das kann unter anderem dann der Fall sein wenn:

  • mindestens drei Frauen in der Familie an Brustkrebs erkrankten (z.B. Mutter, Schwester, Tochter),
  • mindestens zwei Frauen an Brustkrebs erkrankten, davon eine vor dem 51. Lebensjahr,
  • mindestens eine Frau vor dem 51. Lebensjahr beidseitig an Brustkrebs erkrankte,
  • mindestens eine Frau vor dem 36. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankte.
"Klarheit über eine mögliche erbliche Veranlagung für bestimmte Krebsarten können die Analyse des Familienstammbaums über mehrere Generationen und molekulargenetische Untersuchungen geben", so Professor Dr. Martin Zenker, Leiter des Instituts für Humangenetik an der Universität Magdeburg. Eines ist sehr wichtig zu verstehen: Nicht die Krebserkrankung wird vererbt, sondern die Veranlagung, im Laufe des Lebens mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Ausführliche Beratung vor Gentests notwendig

Wird ein erheblich erhöhtes Brustkrebsrisiko festgestellt, stehen die Betroffenen vor der Entscheidung einer vorbeugenden Brustamputation und auch Eierstockentfernung oder regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in kurzen Abständen. Es ist notwendig, sich vor einer molekulargenetischen Untersuchung gründlich über die möglichen Konsequenzen eines positiven oder negativen Testergebnisses beraten zu lassen.

Die Überlegungen schließen auch den engeren Familienkreis mit den Geschwistern, Kindern und ggf. Enkelkindern ein, da auch nahe Familienangehörige eine erhöhte Krebsdisposition haben können. "Ich erinnere mich an eine Frau, deren Mutter früh an Brustkrebs erkrankte und deren Großmutter an Eierstockkrebs verstarb", so Professor Costa.

"Die molekulargenetischen Untersuchungen ergaben, dass diese Tochter kein erhöhtes Krebsrisiko hat, wohl aber ihre jüngere Schwester. Statt sich darüber zu freuen, machte die Frau sich Vorwürfe, warum es ihr besser ergeht als ihrer Mutter und ihrer Schwester." Ihr half erst eine antidepressive Behandlung.

Männer verdrängen Gedanken an Brustkrebs

Eine andere Erfahrung machte ein Patient aus Magdeburg. "Es handelte sich um einen Mann, der mit einer familiären Brustkrebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium zu uns kam", sagt die Diplom-Psychologin Josephine Uiffinger von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle des Uniklinikums Magdeburg. Er wusste seit längerem, dass seine Schwester und seine Mutter Brustkrebs hatten und früh daran gestorben waren. Als er selbst erkrankte, machte er sich Vorwürfe, sein persönliches Risiko zu lange ignoriert zu haben.

Damit ist er kein Einzelfall: "Den Gedanken, selbst an Brustkrebs zu erkranken, verdrängen manche Männer", so Uiffinger. Übrigens: Die Kosten molekulargenetischer Untersuchungen werden - sofern sie ärztlich empfohlen und durchgeführt werden - von den gesetzlichen Kassen im vollen Umfang übernommen. "Schwieriger ist es manchmal bei Privatpatienten", sagt Prof. Zenker. "Da behält sich der Versicherer vor, unabhängig vom Vorliegen anerkannter Indikationskriterien, eine Kostenübernahme für relativ aufwändige genetische Untersuchungen vorab zu prüfen." Wer indes eigenständig frei im Internet angebotene Gentests machen lässt, der bekommt die Kosten auch von den gesetzlichen Kassen nicht erstattet.

Wegen der Unvollständigkeit dieser Analysen, aber auch im Hinblick auf die dabei fehlende ausführliche Beratung stellen diese Angebote keine Alternative dar, so Prof. Zenker.

 

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