Impfkalender für Kinder und Erwachsene

Tetanus: durch Bakterien verursachter Wundstarrkrampf kann zum Ersticken führen.
Kinder erhalten eine Grundimmunisierung. Erwachsene sollten die Impfung spätestens alle 10 Jahre auffrischen lassen.

Keuchhusten: durch Bakterien ausgelöster schwerer Husten, der bei Säuglingen zum Tode führen kann. Grundimmunisierung und eine Auffrischung im Kindesalter, 2. Auffrischung bis zum 17. Lebensjahr. Erwachsene brauchen eine einmalige Auffrischung.

Diphtherie: Tröpfcheninfektion die als Rachen-, Kehlkopf-, Nasen- und Wunddiphtherie auftreten kann. Das Bakterium bildet ein Gift, das Herz, Niere und Leber dauerhaft schädigen kann.
Grundimmunisierung und zwei Auffrischungen bis zum 17. Lebensjahr. Erwachsene sollten den Impfschutz alle zehn Jahre auffrischen.

Polio: Viruserkrankung, nach der es zu bleibenden Lähmungen kommen kann. Grundimmunisierung im Kindesalter, Auffrischung bis zum 17. Lebensjahr. Erwachsene sollten ggf. die Impfung nachholen bzw. auffrischen.

Pneumokokken werden wie ein grippaler Infekt durch Tröpfcheninfektion übertragen. Sie verursachen die Mehrzahl aller bakteriellen Lungenentzündungen. Grundimmunisierung im Kindesalter, Erwachsene über 60 Jahre und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten sich impfen lassen.

Masern werden durch Viren verursacht und gehören zu den ansteckendsten Krankheiten. Die Grundimmunisierung erfolgt in den ersten 23 Monaten mit zwei Impfungen, die auch gegen Mumps und Röteln schützen. Die STIKO empfiehlt nach 1970 geborenen Erwachsenen eine Masern-Impfung, wenn dies nicht in der Kindheit erfolgt ist.

Röteln: Mit der Impfung möchte man vor allem vermeiden, dass sich Schwangere anstecken. Denn dann kann das ungeborene Kind an einer Rötelnembryopathie erkranken. Blindheit, Taubheit, Herzfehler, geistige Behinderungen, Leberentzündung können die Folge sein.

Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Erkrankungen überhaupt. Die Grundimmunisierung sollte bereits ab dem Alter von sechsten Woche beginnen.

Grippe: Besonders Älteren, Kranken und Schwangeren wird eine jährliche Impfung empfohlen.

FSME: Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren hervorgerufenen wird. Überträger sind Zecken. Menschen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder reisen und sich viel in der Natur aufhalten, sollten sich impfen lassen.

(Quelle: Impfkalender der Ständigen Impfkommission STIKO (August 2013); Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung)

Magdeburg l Es ist erst wenige Jahrzehnte her, da waren Infektionskrankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten, Masern, Kinderlähmung (Polio) und Pocken auch in Deutschland noch weit verbreitet. Nicht selten traf es Kinder, deren Immunsystem auf die Erreger nicht vorbereitet war.

Bis heute sind viele Viruserkrankungen nicht mit Medikamenten heilbar. Doch es gibt Schutzimpfungen, die eine Ansteckung verhindern können.

Dank weltweiter Impfprogramme gibt es seit 1980 weltweit keine neuen Pocken-Infektionen mehr. Zugleich gelten die meisten Länder als frei von Polio (Kinderlähmung).

In Sachsen-Anhalt sind mehr als 90 Prozent der Kinder geimpft

Auch die Masern sollen bis Ende 2015 ausgerottet werden. Das setzt voraus, dass möglichst alle Erdenbürger einen Impfschutz haben. Viele Ärzte und Epidemiologen können es daher nicht verstehen, dass ausgerechnet in Industrieländern wie Deutschland manche Eltern ihren Kindern den Masern-Schutz vorenthalten. So kam es, dass sich 2013 in einigen deutschen Großstädten mehr als 900 Kinder mit Masern infizierten. Über 70 Prozent von ihnen mussten in einer Klinik behandelt werden.

In den ostdeutschen Bundesländern kann von "Impfmüdigkeit" noch nicht die Rede sein. "Die Durchimpfungsraten von Kindern liegen in Sachsen-Anhalt schon seit mehreren Jahren konstant bei über 90 Prozent", sagt Dr. Constanze Gottschalk von der Impf-Beratungsstelle des Landesamtes für Verbraucherschutz.

Allerdings gibt es bei Schulkindern der 3. und 6. Klassen auch hierzulande einige Impflücken, wie die jährlichen Untersuchungen des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes der Gesundheitsämter zeigen. In solchen Fällen werden die Eltern schriftlich darüber informiert, so Gottschalk. Eine Impfpflicht, wie zu DDR-Zeiten, besteht jedoch nicht mehr. Letztlich muss jeder selbst abwägen, gegen welche Krankheiten man sich schützen lassen will.

Welche Impfungen in Deutschland empfohlen werden, bestimmt Jahr für Jahr eine Expertengruppe am Robert-Koch-Institut in Berlin - die Ständige Impfkommission (STIKO). Derzeit empfiehlt sie Impfungen gegen weit mehr als ein Dutzend Krankheiten.

Nicht immer kann man davon ausgehen, dass ein einmal erworbener Impfschutz ein Leben lang erhalten bleibt. Deshalb empfiehlt die STIKO auch Erwachsenen Auffrischungsimpfungen in Abständen zwischen ein und zehn Jahren. Viele davon kann der Hausarzt vornehmen, der den Piecks im gelben Impfpass dokumentiert.

"Aus stichprobenartigen Untersuchungen und verschiedenen Impfprojekten ist bekannt, dass der Impfschutz gerade bei jungen Erwachsenen, die selten zum Arzt gehen, oft unzureichend ist", mahnt die Ärztin. Unter anderem betrifft das die Masern-Auffrischungsimpfung, die allen nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen wird, wenn diese als Kind nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurden oder wenn sich nicht feststellen lässt, ob sie überhaupt eine Impfung gegen Masern erhalten haben. Sie bekommen einen Masern-Mumps-Röteln- Kombinationsimpfstoff (MMR).

Auch an eine Auffrischung des Schutzes vor Poliomyelitis (Kinderlähmung) sollten Erwachsene denken, rät Dr. Gottschalk. Das gilt insbesondere für Menschen, die im Osten Deutschlands aufwuchsen und seit 1989 noch keine Polio-Auffrischungsimpfung erhalten haben. Es ist nämlich unklar, ob der ab den 1960er Jahren allen DDR-Bürgern als Schluckimpfung verabreichte Polio-Lebend-Impfstoff im Falle einer erneuten Ausbreitung noch wirken würde.

Die Magdeburger Impfärztin rät, den Besuch beim Haus- oder Kinderarzt dazu zu nutzen, um sich über die eigenen Auffrisch- oder Nachholimpfungen zu informieren, denn "Nachholbedarf besteht in fast allen Altersgruppen".

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