Immer mehr Ältere nutzen Smartphones

50- bis 64-Jährige:
Laut Umfragen im Auftrag des Branchenverbands Bitkom hat im Mai 2014 bereits knapp jeder Zweite (47 Prozent) zwischen 50 und 64 Jahren ein schlaues Handy verwendet. Anfang 2012 waren es 26 Prozent.

65 Jahre und älter:
Bei den Senioren ab 65 Jahren erhöhte sich der Anteil im selben Zeitraum von 6 auf 17 Prozent. Aktuell verzichtet aber jeder Fünfte ab 65 immer noch komplett auf Handys. Befragt wurden jeweils rund 1000 Personen ab 14 Jahren. (dpa)

Berlin (dpa) l Immer mehr Senioren haben laut dem IT-Verband Bitkom ein Smartphone. Dennoch bleiben die Hürden beim Einstieg für den Einzelnen groß. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps von Experten:

Im Laden
Tür auf, Bühne frei für den Handyverkäufer. Opa wird schnell zum Statisten. Und fühlt sich offenbar ein bisschen wie im falschen Film. Hier, das neueste Modell. Es hat 400 Funktionen, erklärt der Verkäufer. Opa macht große Augen. 400 Funktionen? Eigentlich will er ja nur telefonieren.

Der Tipp: Auch wenn es vielleicht länger dauert - das Smartphone sucht man am besten zusammen aus, rät Nicola Röhricht von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Denn probieren geht beim Kauf über studieren. Also, das Handy im Praxistest prüfen: Wie liegt es in der Hand? Ist das Display groß und hell genug? Die Entscheidung sollte man letztlich den Großeltern überlassen. "Nicht einfach eins vorsetzen", sagt Röhricht. Denn auch vom Design her hätten Ältere andere Ansprüche.

Auspacken und einschalten
Opa und das Smartphone - es ist wie eine Begegnung der dritten Art. Er hält das Handy in der Hand, als könnte gleich explodieren. Jetzt bloß nichts falsch machen, scheint er zu denken. Prompt passiert es. Ein falscher Griff, und schon öffnet sich eine App und fordert Zugriffsrechte ein. Oh Schreck, was habe ich jetzt gedrückt? Wo ist der Ausschalter?

Der Tipp: Solche Berührungsängste seien ganz typisch für Ältere ohne große Handyerfahrung, sagt Matthias Schroeder vom Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals. Der Verband befasst sich mit dem Thema Nutzerfreundlichkeit. Und daran hapert es aus Sicht von Älteren bei Handys oft noch. Im ersten Schritt heißt es daher, zu zeigen, dass nichts kaputtgehen kann, wenn man mal den falschen Knopf drückt. Wichtig dabei: Nicht nur vormachen, sondern selbst machen lassen und dabei geduldig bleiben, rät Röhricht.

Erste Erfolge
Nun steht die Suche im Internet mit der Spracherkennung des Handys auf dem Lehrplan. Opa ist etwas genervt. "Du Blödmann" sagt er zu dem Gerärt. Immerhin: Es funktioniert - das Handy sucht brav im Netz nach dem, was er sagt. Ergebnis: 181000 Treffer mit dem Stichwort "Blödmann". Er staunt: "Das Handy versteht, was ich sage! "

Der Tipp: Kleine Erfolgserlebnisse sind immer gut. Am besten ködert man Oma oder Opa also mit etwas, das gut ankommt. Das kann die Spracheingabe sein - aber auch eine Rezepte-App für jemanden, der gerne kocht, sagt Röhricht. So etwas ist ein guter Anreiz, die technischen Hürden zu überwinden.

Ich bin drin
Nach über zwei Stunden läuft Opa zur Hochform auf. Nachrichten schreiben per SMS, E-Mail und Messenger - kein Problem. Fotos machen und mit Kontakten verknüpfen? Klappt. Wenn seine Frau anruft, sieht man nun ihr Bild. Opa ist beeindruckt. Jetzt noch die Startseite einrichten. Welche Apps sollen`s denn sein? Nachrichten aufs Handy? Oder ein digitaler Reiseführer?

Der Tipp: Beim Einrichten von Apps gilt: Weniger ist mehr, sagt Schroeder. "Es ist ja diese Masse an Funktionen, die einen überfordert." Zum Einstieg sind Telefonieren, SMS und E-Mails genug - auch wenn Smartphones so viel mehr können. Auf der Startseite muss man daher erst einmal aufräumen und alles Unnötige entfernen.

Zwei Wochen später
Eine Nachricht von Opa: "Big Brother is watching you." Na also - das mit dem Datenschutz hat er schon verstanden: Bloß nicht zu viel preisgeben. Als Antwort bekommt er ein paar Fotos aufs Handy geschickt. Seine Reaktion: Zwei leere SMS. Was will er uns damit wohl sagen? Offenbar gibt es beim praktischen Handywissen erste Erinnerungslücken.

Der Tipp: Nach dem Kauf ist es wichtig, am Ball zu bleiben, sagt Hackler. Sonst ist das neue Handywissen schnell vergessen. "Als Enkel schickt man also am besten immer wieder ein Foto oder eine SMS und fragt nach: `Hast Du meine Nachricht gesehen?`" Es helfe auch, die wichtigsten Dinge auf Klebezettelchen zu notieren.