Magdeburg l Wer Wert auf eine gesunde Ernährung legt, sollte nicht regelmäßig Wildpilze essen. Denn die Schadstoffbelastung ist nach wie vor hoch. "Wir empfehlen, nicht mehr als 250 Gramm pro Woche zu essen", sagt Martin Groß, Vorsitzender des Landesverbandes der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt.


Seit vielen Jahren liefern die Mitglieder seines Verbandes regelmäßig Proben von Wildpilzen zur Untersuchung beim Landesamt für Umwelt ab. Insbesondere die Belastung mit radioaktivem Cäsium wird genau verfolgt. Denn selbst 28 Jahre nach der Nuklearen Katastrophe in Tschernobyl sind die Folgen in unseren Wäldern zu spüren. Die Wildpilze speichern die Schadstoffen jedoch ganz unterschiedlich. Bei Maronen ist die radioaktive Belastung mit Cäsium am höchsten, wie die Messergebnisse alle drei Jahre wieder bestätigen. Der Norden Sachsen-Anhalts ist deutlich stärker betroffen als der Süden. Für den Havelberger Raum gibt es sogar ein besonderes Messprogramm seit 2010. "Auf keinen Fall sollten Maronen im Waldgebiet zwischen Müggenbusch, Kümmernitz und Vehlgast bei Havelberg gesammelt und gegessen werden", so Groß. Dort sei der Höchstwert in ganz Sachsen-Anhalt mit einem Durchschnittgehalt von 1020 Becquerel pro Kilo Frischpilze gemessen worden. Das überschreite deutlich den für den Handel zugelassenen Höchstgehalt von 600 Becquerel pro Kilo. "Das Sammelgut darf auf keinen Fall in den Handel gelangen oder an Gaststätten verkauft werden", so der Vorsitzende. Ohnehin sei das gewerbliche Sammeln von Wildpilzen nur mit einer Sondergenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde der Landkreise erlaubt.

Auch in anderen Gebieten war der Cäsium-Gehalt bei Maronen deutlich höher als bei anderen Pilzen, allerdings lag er unter dem zulässigen Höchstwert von 600 Becquerel pro Kilo.

Butterpilze speichern ebenfalls besonders gut Schadstoffe, wie die Messungen ergeben haben. Unter allen untersuchten Wildpilzarten war hier der Bleigehalt mit 11 Milligramm pro Kilogramm Trockensubstanz am höchsten. Cadmium wird hingegen besonders gut von Anischampignons mit 60 Milligramm aufgenommen, Quecksilber von Riesenbovisten mit 9,37 Milligramm. Alle Daten stammen aus Messungen des Landuntersuchungsamtes Sachsen-Anhalt zwischen 1993 und 1998. Nachgemessen wird nicht mehr. "Da ändert sich nichts, die Schwermetalle sind im Boden drin", erklärt Martin Groß. Anders als in den 50er bis 70er Jahren kämen durch die Luft kaum neue hinzu, weil die Industrie heute mit modernen Filteranlagen ausgestattet sei. Auch die Flüsse führten weniger Schwermetalle mit sich.

Wie gefährlich der Schadstoffgehalt in Wildpilzen ist, ist für die Experten nicht leicht zu beurteilen. Denn auf europäischer Ebene gibt es beispielsweise nur Höchstwerte für Blei und Cadmium, hingegen nicht für Quecksilber. "Deshalb wurde als Orientierungswert bei den Untersuchungen generell fünf Milligramm pro Kilogramm Trockensubstanz angesetzt", erklärt Groß.