Volksstimme: Welche Vorteile bietet die Spezialisierung auf Darmerkrankungen an Ihrem Klinikum?
Dr. Peter Nartschik: Seit 2008 besteht im Quedlinburger Klinikum ein zertifiziertes Darmzentrum der Deutschen Krebsgesellschaft. Jährlich überprüfen für 1 bis 2 Tage pro Jahr Fachgutachter als auch der TÜV die Strukturqualität und die fachliche Qualität bei der Behandlung des Darm- und Mastdarmkrebses. Die hohen Qualitätsmerkmale und die Ergebnisse der einzelnen Darmkrebszentren werden deutschlandweit miteinander verglichen, um so eine stetige Qualitätssteigerung zu erreichen. Ein Vorteil für Patienten, die sich in einem Darmkrebszentrum behandeln lassen, ist, dass in einer Hand sowohl die Dickdarmspiegelung über die operative Therapie, die Chemotherapie bzw. Bestrahlung als auch die Nachsorge nach Darmkrebs einschließlich der Schmerztherapie liegt.

Zentraler Punkt der Steuerung der Behandlung erfolgt über ein sogenanntes Tumorboard, in dem Ärzte der verschiedenen auf die Darmkrebsbehandlung spezialisierten Fachrichtungen gemeinsam ein Therapiekonzept erstellen.

Ein zweiter Schwerpunkt in unserem kommunalen Klinikum ist die Behandlung proktologischer Erkrankungen. Das ist die Lehre von der Diagnostik und Behandlung von Enddarmerkrankungen (z. B. Hämorrhoiden, Abszesse und Fisteln am Anus). Hier besteht die Möglichkeit einer ambulanten Sprechstunde mit umfangreicher ambulanter Diagnostik und Therapie (z. B. Verödung von Hämorrhoiden, Gummibandligaturen) bis zur operativen Therapie. Fünf speziell ausgebildete Fachärzte (Proktologen) sorgen für die sehr hohe Qualität in der Behandlung solcher Erkrankungen.

Gibt es für die Patienten wichtige Innovationen bei der Darmheilkunde?
Früher wurde bei Darmkrebs und Mastdarmkrebs ausschließlich operiert. Seit längerer Zeit besteht die Behandlung jedoch aus drei wesentlichen Säulen; der Operation, der intensivierten Chemotherapie und auch der Bestrahlungstherapie. Eine weitere wichtige Innovation besteht beim metastasierenden Darmkrebs. Hier werden neue Chemotherapiekonzepte und neue Medikamente eingesetzt, die zu einer deutlichen Lebensverlängerung führen. In Zukunft wird durch die genetische Untersuchung des Patienten sogar eine maßgeschneiderte Chemotherapie möglich sein.

Bei der Behandlung der Enddarmerkrankungen wurden bisher die Hämorrhoiden entfernt. Diese haben jedoch einen wichtigen Stellenwert im Leben, um eine Stuhlinkontinenz zu verhindern. Neuere Operationsmethoden wie die Stapler-OP zielen auf die Erhaltung des Hämorrhoidalplexus und beseitigen trotzdem das Hämorrhoidalleiden. Ein weiteres neueres Verfahren ist die Hämorrhoiden-Arterienligatur, bei dem die Blutgefäße "abgebunden" werden und die Mastdarmschleimhaut gerafft wird.

Wie entwickeln sich die Behandlungszahlen?

Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert von uns stabile Mindestzahlen, die wir seit Jahren sicher erreichen. Auffällig ist, dass gerade im laufenden Jahr eine deutliche Fallzahlsteigerung eingetreten ist und wir damit ein erhöhtes Aufkommen an Patienten mit Darm- und Mastdarmkrebs haben. Ich werte dies als Vertrauen von Patienten für die Behandlung in unserem Darmkrebszentrum.

In der Proktologie besteht ein sehr hohes Patientenaufkommen ambulant als auch stationär. Das Einzugsgebiet ist eindeutig überregional, nicht nur aus dem Harzkreis, sondern auch aus Nachbar-Landkreisen. Bei uns am Harzklinikum werden jährlich weit über 1000 Patienten mit Enddarmerkrankungen behandelt.

Können Sie von der Lage nahe der Landesgrenze profitieren?

In Anbetracht dessen, dass wir bald zehn Jahre Darmzentrum der Deutschen Krebsgesellschaft sind und zusätzlich mehr als 20 Jahre eine Spezialsprechstunde für Enddarmerkrankungen haben, scheint es für viele sicher, dass wir über eine spezielle Expertise verfügen. Unsere Patienten kommen nicht nur aus Sachsen-Anhalt, auch aus Niedersachsen und Thüringen.