Hohendodeleben/Höwisch/Loitsche l Fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung allen, die sich gesund und vollwertig ernähren wollen, insgesamt 650 Gramm pro Tag. Doch das gelingt gerade mal der Hälfte der Deutschen.

Dabei liefert Gemüse nicht nur wertvolle Vitamine und Mineral- und Ballaststoffe, sondern wirkt auch vorbeugend gegen Krebs. Wer allein durch Vollkornbrot seinen täglichen Bedarf an Ballaststoffen decken will, hat das Problem, dass dieses sehr kalorienreich ist.

Eine Möglichkeit, den täglichen Gemüseverzehr zu steigern, sind sogenannte Abokisten. Dabei bekommt der Privathaushalt oder eine Bürogemeinschaft von regionalen Höfen erntefrisches Gemüse ins Haus geliefert. Der Rhythmus kann meist selbst bestimmt werden. "Der Vorteil ist, dass man auch mal neue Gemüsesorten ausprobiert", erklärt Romy Weißmeyer vom Biohof Weißmeyer in Hohendodeleben. Als Hilfestellung legt sie Rezepte bei, zum Beispiel für Schwarzwurzeln, Fenchel oder Rettich, mit denen nur wenige etwas anfangen können.

Abokisten ersparen Supermarkt-Umweg

Die 600 Kisten, die alle zwei Wochen im weiten Umkreis ausgeliefert werden, sind "Überraschungskisten", das heißt, die Kunden wissen nicht, was in der Kiste steckt. "Wir richten uns vor allem danach, was wir gerade ernten", sagt sie. Im Winter wird dann noch vom Bio-Großhandel Terra in Berlin zugekauft, um die Vielfalt zu erhöhen. Beim Biolieferdienst Bibernelle in Dessau, der im weiten Umkreis liefert, wird der Inhalt der Kiste vorab im Internet veröffentlicht. Gefällt dem Kunden die Zusammenstellung nicht, kann er sie ändern.

In Sachsen-Anhalt gibt es einige Anbieter von Abokisten, das System ist meist ähnlich. Der Kunde bestellt eine Abokiste zum Festpreis in seinem gewünschten Rhythmus. Die Bandbreite reicht von Gemüse, Obst bis hin zu Eiern, Fleisch, Kartoffeln und Milchprodukten. Die Kiste kann dann an einem Tag abgeholt oder bis an die Haustür geliefert werden. Wer nicht zu Hause ist, kann einen Abstellort angeben. Der Biohof Weißmeyer hat zusätzlich Abholstellen in Langenweddingen und Biederitz. In der Regel wird für die Kiste ein Pfand zwischen fünf und zehn Euro einbehalten und mit der nächsten Lieferung verrechnet.

Ein Vorteil der Abokisten besteht darin, dass das Gemüse deutlich frischer beim Kunden ankommt als beim Umweg über den Supermarkt. "Dienstags wird bei uns geerntet, mittwochs ausgefahren. Salat wird morgens frisch gepflückt", berichtet Hannah Pirke vom Ökogartenbau Pirke-Godenhart in Loitsche. Eine Abokiste in Kleinfamiliengröße kostet in der Regel zwischen 15 und 20 Euro pro Lieferung und kann innerhalb einer Woche wieder gekündigt werden.

Kurze Gemüselagerung, mehr Vitamine

Eine Ausnahme ist das System Rainer Rippl von der Vernunftlandwirtschaft im altmärkischen Höwisch bei Arendsee. Bei ihm wird man für ein Jahr Ernte-Teilhaber und unterstützt den Erhalt des Hofes mit 80 Euro im Monat. Dafür gibt es dann 40-mal pro Jahr eine Kiste mit Geerntetem. Geliefert wird bislang noch nicht, die Kunden können sich die Ernte auf dem Hof oder auf dem Bauernmarkt in Stendal abholen. Produziert wird teilweise in Bio-Qualität und mit alten Sorten.

Ernährungsberaterin und Diätassistentin Nicole Lins aus Magdeburg sieht den Vorteil der Abokisten zum Beispiel in den kurzen Wegen. "Die Frische hat den Vorteil, dass Vitamine noch am besten erhalten sind", erklärt Nicole Lins. Mit jedem Tag Lagerung gingen wertvolle Inhaltsstoffe verloren.

Das so geerntete Gemüse habe auch den Vorteil, dass es nicht behandelt werde, um länger haltbar zu sein. Beispielsweise wird importiertes Gemüse aus dem Ausland oftmals leicht radioaktiv bestrahlt, damit es nicht so schnell fault. Der Vorteil des regionalen Gemüses sei auch, dass es reif geerntet werde und daher den vollen Geschmack und die gesamte Bandbreite an Inhaltsstoffen habe. Voraussetzung für die gesunde Wirkung sei aber auch, dass es möglichst schnell verzehrt oder zumindest kühl gelagert werde.

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