Alljährlich im Winter steigt die Zahl der Sportverletzungen an. Grund dafür sind hauptsächlich Verletzungen, die sich Breitensportler beim Wintersport zuziehen. Experten plädieren für eine gute Vorsorge. Ist ein Unfall jedoch bereits passiert, dann ist die richtige Erstversorgung von entscheidender Bedeutung. Sie beeinflusst den Heilungsverlauf günstig und hilft, weitere Schäden zu verhindern.

Magdeburg (rgm). Die Vorfreude auf den Winterurlaub ist bei vielen Menschen groß. Ebenso die Erwartungen an den eigenen Körper. Denn selbst, wer lange nicht mehr trainiert hat, wagt sich oft leichtfertig auf die Piste. "In den meisten Fällen sind es untrainierte Menschen, die sich beim Skifahren oder Snowboarden schwere Verletzungen zuziehen", sagt Dr. Niels Follak, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin sowie Physikalische Therapie und Chirotherapie und Chefarzt der Orthopädisch-Unfallchirurgischen Klinik der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Mit Bänderriss oder einer Fraktur landen diese Menschen dann in der Klinik.

"Viele dieser Verletzungen könnte man jedoch verhindern", sagt Follak, "denn ein durchtrainierter Breitensportler verletzt sich selten". Deshalb plädiert Dr. Follak vor allem für eine gute Vorbereitung. "Die Grundfitness ist wichtig", sagt er. Und die könne man nur erreichen, indem man buchstäblich immer am Ball bleibe. Soll heißen: Wer sein Verletzungsrisiko beim Sport vermindern möchte, sollte das ganze Jahr über Sport treiben und nicht nur, wenn es in den Winterurlaub geht.

Ist trotzdem ein Unfall passiert, dann sind die richtigen Sofortmaßnahmen von entscheidender Bedeutung. Laut Dr. Follak gilt in diesem Zusammenhang die sogenannte PECH-Regel. Sie steht für P wie Pause, E wie Eis, C wie Compression und H wie hochlagern. In der Praxis bedeutet das: Sofort mit dem Sport aufhören und den betroffenen Körperteil zunächst ruhig lagern.

Entscheidend für den Heilungsverlauf und die weitere Behandlung ist außerdem die sofortige Kühlung mit Eis. Die Haut sollte dabei durch ein Tuch vor der direkten Kälteeinwirkung geschützt werden. Die Kühlung bewirkt bei der Verletzung von Weichteilen die Verminderung von Blutungen und Schwellungen. Auf diese Weise lässt sich zumindest die Ausdehnung des Gewebeschadens verhindern.

Der nächste Schritt ist dann ein komprimierender Verband, um die Schwellung einzudämmen. Anschließend sollte der verletzte Körperteil ruhig und hoch gelagert werden. Das verringert die Blutzufuhr, begünstigt den Abtransport von Flüssigkeit aus dem Gewebe und verringert außerdem den Schmerz.

Da die sogenannte PECH-Regel eine Sofortmaßnahme darstellt, sollte der Verletzte in jedem Fall im Anschluss einen Arzt aufsuchen. "Nur er kann eine vollständige sportmedizinische Untersuchung durchführen und weitere notwendige Behandlungsschritte einleiten", sagt Dr. Follak.

Oft folgt einer Sportverletzung ein monatelanger Behandlungs- und Heilungsprozess. Nicht selten sind Operationen notwendig, etwa um ein gerissenes Kreuzband wieder voll funktionstüchtig zu machen. "Der Riss des Kreuzbandes am Knie ist eine der häufigsten Verletzungen bei Skifahrern", sagt Dr. Follak. Sie entsteht durch das übermäßige Verdrehen des Kniegelenks. Grund dafür ist in der Regel ein Sturz des Skifahrers, dessen Beine im Skischuh fixiert sind und dadurch nicht jede Drehbewegung uneingeschränkt ausführen können.

Der Ersatz des Kreuzbandes erfolgt in aller Regel durch einen minimal-invasiven Eingriff. Dabei wird dem Patienten zuvor eine entbehrliche Sehne – die sogenannte Hamstring-Sehne – aus dem Oberschenkelbereich entnommen und anschließend per Schlüsselloch-OP am Kreuzband wieder befestigt.

Ganz gleich, ob Kreuzband-OP oder wenn – wie im Fall von Sprunggelenks- und Knieseitenbandverletzungen – eher konservativ behandelt wird, brauchen die Patienten nach einem Sportunfall vor allem eines: viel Geduld. Zwischen drei und vier Monaten könne es dauern, bis ein Patient seine alte Leistungsfähigkeit wieder erlangt.

"Gerade beim Kreuzbandriss kommt es auf eine gute Rehabilitation an", sagt Dr. Niels Follak. Denn oft gehe mit dieser Verletzung der Verlust des stützenden Muskelgewebes einher. Und dies müsse durch gezieltes therapeutisches Training erst wieder aufgebaut werden. Betroffenen macht der Orthopäde dennoch Mut: "Die Patienten können eine ganze Menge zum Heilungsverlauf beitragen. Die Chancen auf eine vollständige Heilung sind gut. Sie hängen jeweils zur Hälfte von der Qualität der Operation und der Rehabilitation ab."

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