Die Zeiten, in denen der Besitz eines Autos beinahe zur staatsbürgerlichen Pflicht gehörte, sind für viele vorbei. Zumal das Fahrzeug meistens ein "Parkzeug" ist: Mehr als 23 Stunden am Tag stehen Autos herum – und verursachen Kosten. Viele Menschen haben sich vom eigenen Auto bereits verabschiedet: 190000 Fahrberechtigte zählten die Car-Sharing-Anbieter Anfang 2011. Die Flotte der Car-Sharing-Autos auf Deutschlands Straßen wächst: 2004 waren 2500 Car-Sharing-Autos unterwegs, heute sind es 5000. Test.de erklärt, wie das Auto-Teilen funktioniert.

Was ist Car-Sharing? Ein Auto und viele Fahrer. Je nach Bedarf nutzen die Fahrer den Wagen, unabhängig voneinander. So lässt sich das Prinzip des Car-Sharings umreißen. Car-Sharer können sich ein Auto reservieren, nachdem sie sich bei einem Anbieter angemeldet haben. An festgelegten Stationen steht das Auto dann bereit, wenn die Fahrer mobil sein wollen. In den 1980er Jahren sind die ersten Car-Sharing-Anbieter entstanden. Manche sind immer noch als Vereine organisiert, viele Anbieter sind mittlerweile kommerziell orientiert. Einer der großen Anbieter ist die Bahn DB Car-Sharing. Selbst Autokonzerne wie Daimler und BMW steigen mittlerweile verstärkt ins Car-Sharing-Geschäft ein.

Für wen ist Car-Sharing sinnvoll? Für den Berufspendler, der jeden Tag längere Strecken zur Arbeit fährt, ist Car-Sharing ungeeignet. Wer hingegen nur unregelmäßig ein Auto braucht und auch auf Bus, Bahn und Fahrrad zurückgreift, für den kann sich Car-Sharing lohnen. Die Car-Sharing-Anbieter sehen sich auch als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Die Abholstation sollte dabei nicht zu weit von der eigenen Wohnung entfernt sein. Bei einer Fahrleistung von weniger als 10000 Kilometer im Jahr lohnt sich Car-Sharing definitiv, sagen die Anbieter. Aber auch für Menschen, die mehr fahren, kann das Auto-Teilen attraktiv sein: Sie müssen sich weder um die Pflege des Autos, noch um den Winterreifen-Wechsel oder TÜV kümmern.

Wo kann ich mich anmelden? Laut Bundesverband CarSharing wird in etwa 260 deutschen Städten das Auto-Teilen angeboten. Wer nach einem Anbieter in seiner Region sucht, kann in der Ortsliste vom Bundesverband CarSharing fündig werden. Anmelden kann sich jeder, der einen Führerschein hat und, je nach Anbieter, über genügend Fahrpraxis verfügt. Manche Anbieter verlangen eine einmalige Anmeldegebühr, andere eine Kaution. Bei einer Kündigung erhält der Kunde die Kaution zurück.

Wie viel kostet Car-Sharing? Die Kosten für Car-Sharing-Angebote setzen sich in der Regel aus drei Teilen zusammen:

- eine monatliche Grundgebühr,

- eine Gebühr für die Zeit, in der das Auto angemietet wird,

- eine Gebühr für die gefahrenen Kilometer

Größere Car-Sharing-Dienste bieten individuelle Bezahl-Modelle an: Vielfahrer können dann zum Beispiel ein Angebot mit einer höheren Grundgebühr wählen. Dafür sind für sie die Kosten für die Zeit und Kilometer niedriger. Das Gleiche gilt für Wenigfahrer, nur umgekehrt: Niedrigere Grundgebühr, dafür höhere Zeit- und Kilometerpreise. Meistens rechnen die Car-Sharing-Anbieter die Kosten monatlich ab. Das schafft Transparenz: Jeder Kunde kann sehen, was eine Fahrt tatsächlich gekostet hat. Bei einem Privat-Wagen ist das so nicht möglich.

Wie funktioniert die praktische Abwicklung? Per Telefon oder Internet, neuerdings auch mit Smartphones, legen Car-Sharer fest, wann sie welches Auto brauchen – und wie lange. Eine Reservierung mit offenem Ende ist bislang noch die Ausnahme. An festgelegten Stationen können die Autos je nach Anbieter mit einer speziellen Chip-Karte geöffnet werden – oder der Schlüssel ist in einem Tresor hinterlegt. In beiden Fällen muss eine gültige Buchung vorliegen. Die Abholstation sollte gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein. Neigt sich das Benzin dem Ende zu, können Car-Sharer entweder mit der Tank-Karte des Anbieters nachtanken. Oder sie bekommen mit der Abrechnung die ausgelegten Benzinkosten erstattet. Die Abrechnung kommt in der Regel einmal im Monat.

Wie umweltfreundlich ist Car-Sharing? 70 Prozent der Car-Sharing-Flotte in Deutschland besteht aus Kleinwagen, deren Verbrauch und CO2-Ausstoß relativ gering sind. Zudem sind die Modelle meistens neuer als private Pkw und deshalb mit effizienteren Verbrennungs-Technologien ausgerüstet. Der Bundesverband CarSharing rechnet vor, dass jedes Car-Sharing-Auto vier bis acht private Pkw ersetzt – eine Entlastung für Ressourcen, Umwelt und auch die Parkplätze. Car-Sharer sollen zudem häufiger Bus und Bahn nutzen und das Auto stehen lassen. Ein Verhalten, dass bei Menschen mit Privat-Wagen kaum anzutreffen ist. Durch den Kilometer-Preis haben Car-Sharer einen zusätzlichen Anreiz, möglichst wenig zu fahren.

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