Eine Flut von Texten prasselt tagtäglich auf die Menschen ein. Viele Informationen müssen in kürzester Zeit aufgenommen und verarbeitet werden. Kein Problem für jene, die die Technik des Schnelllesens beherrschen. Experte auf diesem Gebiet ist der amerikanische Wissenschaftler und Intelligenzforscher Tony Buzan. In seinem Buch " Speed Reading " ( Schnelllesen ) ergründet er die Ursachen für langsames Lesen und zeigt Techniken auf, wie die Lesegeschwindigkeit erhöht werden kann.

Magdeburg. " Speed Reading ", zu Deutsch Schnelllesen, ist kein neues Phänomen. Es scheint jedoch frischen Aufwind zu erhalten. In deutschen Buchläden häufen sich derzeit Anleitungen zum Erlernen des schnellen Lesens. Es vermag der Informationsflut geschuldet sein, dass zunehmend mehr Menschen mehr und schneller lesen wollen oder gar müssen. Bergeweise Zeitungen und Unterlagen gilt es, in kürzester Zeit zu bewältigen. Beruflich oder privat.

Ein normaler Durchschnittsleser vermag es, etwa 200 bis 240 Wörter pro Minute zu lesen und dabei mehr als die Hälfte des Textes zu verstehen. Bei einem guten Leser sind es rund 400 Wörter pro Minute.

Ein Schnellleser dagegen liest 800 bis 1000 Wörter in einer Minute. Und dies bei einem Textverständnis von mehr als 80 Prozent. Eine erstrebenswerte Leistung, die derzeit allerdings nur einer von hundert Personen gelingt.

Beinah jeder kann ein Schnellleser werden
Dennoch sei mit der richtigen Technik theoretisch jeder in der Lage, seine Lesegeschwindigkeit um ein Vielfaches zu verbessern. Das behauptet zumindest der amerikanische Wissenschaftler Tony Buzan. Sein Buch " Speed Reading – Schneller lesen, mehr verstehen, besser behalten " gilt als Standardwerk der Schnellleser-Szene. Buzan ist einer der führenden Köpfe der Intelligenzforschung. Werke aus seiner Feder gelten als internationale Bestseller. Viele wurden in mehr als 100 Ländern veröffentlicht und in 30 Sprachen übersetzt.

Doch was macht der normale Leser anders als der schnelle ? Was verlangsamt das Lesen ? Eine niedrige Kurzspeicherkapazität des Gehirns, Desinteresse, ein geringer Wortschatz oder Abneigung gegen das zu lesende Thema können Ursachen für langsames Lesen sein. Doch die Hauptfaktoren sind andere.

Der langsame Leser benötigt fünfmal so viele Augenbewegungen wie der Schnellleser. Zum einen, weil sich das Auge nicht fließend über die Sätze bewegt, es macht vielmehr kleine Sprünge mit minimalen Pausen, sogenannte Fixierungen. Zum anderen, weil die Augen des langsamen Lesers zurück zu Wörtern, Sätzen oder ganzen Passagen springen. In der Regel, um sicherzugehen, dass alles verstanden worden ist. Häufig geschieht dies jedoch auch unbewusst.

Das genaue und langsame Lesen ist allerdings unnötig, meint der Intelligenzforscher. Es störe eher das Textverständnis, als dass es das Verstehen fördere. Zudem sei das Zurückspringen im Text reine Zeitverschwendung, denn wenn jeder Rücksprung annähernd eine Sekunde bräuchte und nur zweimal pro Zeile stattfinde, dann würden in einem durchschnittlichen 300 Seiten Buch ( 40 Zeilen pro Seite ) sechseinhalb Stunden " verschwendet ".

Diese beiden Hauptursachen, das Fixieren und Zurückspringen, gilt es, bei der Schnelllesetechnik durch Augenbewegung steuernde Techniken auszuhebeln. Um dies zu erreichen, müssen erstmal optimale Bedingungen geschaffen werden. Hierbei ist das richtige Licht ein wichtiger Faktor. Hell sollte es sein, am besten Tageslicht. Der Grund : Helles Licht erweitert die Pupillen in den Augen. Erweiterte Pupillen vermitteln dem Gehirn Interesse, und je interessierter der Leser ist, umso leichter fällt es, ohne zusätzliche Anstrengungen mehr Einzelheiten aufzunehmen.

Aufrecht Sitzen erhöht die Konzentration
Ebenso wichtig für die Konzentration ist eine aufrechte Sitzposition, da so mehr Sauerstoff in das Gehirn gelangt. Bei einer weit nach vorn gebeugten oder zusammengesackten Körperhaltung melden die Gleichgewichtsorgane dem Gehirn, dass es Zeit ist zu schlafen. Ermüdung und Trägheit beim Lesen sind die Folgen. Neben Lichtverhältnissen und Sitzposition sind vor allem auch Ruhe, Zeit und Motivation wichtige Faktoren für die Optimierung der Lesegeschwindigkeit.

Um den eigentlichen Leseprozess zu beschleunigen, bedarf es dann reichlich Ausdauer. Lesen, lesen, lesen ist die beste Übung auf dem Weg zum Schnellleser.

Ziel ist es, die Augenbewegung so zu trainieren, dass Texte schneller erfasst werden können. Hierfür müssen vor allem die erwähnten Wiederholungen vermieden werden. Das bedeutet, dass nur vorwärts gelesen werden sollte. Das Hin- und Herspringen im Text gilt es zu vermeiden.

Auch das Wort für Wort lesen lähmt den Leseprozess. Wichtiger ist es, möglichst große Bereiche mit einem Blick zu erfassen. Zu Beginn der Leseübungen empfiehlt Buzan mindestens drei Wörter auf einmal zu fokussieren. Zudem sollte auf das sogenannte Subvokalisieren ( Mitsprechen im Kopf ) verzichtet werden.

Um Schnellleser zu werden, bietet die entsprechende Literatur zahlreiche Übungen und Techniken an. Beispielsweise die sogenannte S-Methode, bei der der Text großflächig im SForm-Verlauf gelesen wird.

Vordergründig präsentiert sich also die Schnelllesetechnik als ein Prozess, der mechanisch zu üben ist.

Allerdings gibt es auch viele Kritiker der Methodik. Gezweifelt wird vor allem am Verständnis der Texte. Theoretiker gehen davon aus, dass aus Bereichen, in denen keine Fixation stattfindet, auch keine Informationen extrahiert werden. Zudem führe der absichtliche Verzicht auf Rücksprünge dazu, dass über den Bedeutungsgehalt eines Satzes nicht nachgedacht wird, obwohl dies gelegentlich vonnöten ist. Ebenso steht der Verzicht auf das Subvokalisieren in der Kritik. Wissenschaftler bezweifeln, dass Lesen ohne stilles Mitsprechen überhaupt möglich ist.

Fazit : Die Technik des Schnelllesens vermittelt viele nützliche Tipps, die für den täglichen Leseprozess anwendbar sind. Schwierige Schachtelsätze und schwer verständliche Texte sollten jedoch nach wie vor langsam entschlüsselt und nach Bedarf auch zweimal oder dreimal gelesen werden.