Das Tiefdruckgebiet Daisy macht derzeit aus Straßen, Fahrradwegen und Bürgersteigen wahre Rutschbahnen. Auch wenn das befürchtete Chaos meist ausblieb, ist der Öffentliche Personennahverkehr doch mancherorts überlastet. Wenn Arbeitnehmer zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommen, bedeutet das meist auch einen wirtschaftlichen Verlust. Wer muss den eigentlich tragen ? Und welche Rechte haben Flug- und Bahnreisende bei Verspätungen und Ausfällen ?

Verspätung am Arbeitsplatz : Wenn Schneefall und Straßenglätte es unmöglich machen, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, spricht man laut Auskunft der ARAG Experten von einem durch witterungsbedingte Verkehrsverhältnisse bestehenden Wegerisiko. Das Wegerisiko trägt der Arbeitgeber nicht. Der Arbeitnehmer aber genauso wenig. Wird der Arbeitnehmer durch höhere Gewalt an seiner Arbeitsleistung gehindert, entfällt zwar die Arbeitspflicht ; der Entgeltanspruch aber auch. Dann gilt also : Keine Arbeit, kein Lohn.

Die Pflicht, verpasste Arbeitsstunden nachzuholen hängt entscheidend von den arbeitsvertraglichen Gegebenheiten und ihrer Zumutbarkeit ab. So ist eine Nachleistung der liegengebliebenen Arbeit in Betrieben mit Gleitzeit sicherlich meistens möglich. Einer halbtags beschäftigten Mutter, die nach der Arbeit ihren Sprössling vom Kindergarten abholen muss, ist eine Nacharbeit nach der regulären Arbeitszeit aber sicher nicht zuzumuten.

Da kein Verschulden der Arbeitnehmer vorliegt, wenn diese aufgrund des witterungsbedingten Straßenchaos zu spät zur Arbeit kommen, besteht auch keine Grundlage für Sanktionen, wie einen Verweis oder gar eine Abmahnung. ARAG Experten räumen aber ein, dass es Arbeitnehmern durchaus zuzumuten ist, bei anhaltend schlechter Witterung das Haus früher als gewohnt zu verlassen.

Wer es im Winter also erkennbar darauf ankommen lässt, ob die Straßenverhältnisse ein pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz zulassen oder nicht, ohne sich auf eine längere Anfahrtszeit einzustellen, riskiert dann doch eine Abmahnung. Dies gilt auch bei Gleitarbeitszeit, wenn wiederholt gegen die Kernarbeitszeit verstoßen wird. Der Arbeitgeber muss unter Umständen noch nicht einmal nachweisen, dass der Betriebsablauf gestört wurde, allein das Nichterscheinen am Arbeitsplatz reichen als Kündigungsgrund aus, hat das Bundesarbeitgericht entschieden. Dazu sind im Vorfeld allerdings mindestens zwei Abmahnungen nötig ( Bundesarbeitsgericht, Az .: 2 AZR 147 / 00 ).

Öffentlicher Personennahund Fernverkehr : Inhaber der Mobilitätsgarantie können laut Verbraucherzentrale bei Verspätungen von mehr als 20 Minuten ein Taxi nehmen. Kosten bis zu 30 Euro erstattet das jeweilige Verkehrsunternehmen.

Allerdings : Es zählt immer nur die Verspätung einer einzelnen Verbindung. Verpasst man aufgrund einer zehnminütigen Verspätung seinen Anschlusszug und erreicht sein Ziel 20 oder 60 Minuten später als geplant, besteht kein Anspruch auf Erstattung.

Fernreisende erhalten eine Erstattung erst ab einer Verspätung von mehr als 60 Minuten. Sie können 25 Prozent des Reisepreises der einfachen Fahrt geltend machen, ab 120 Minuten Verspätung 50 Prozent. Im Unterschied zum Nahverkehr zählt für den Fernverkehr die Verspätung am Zielort. Verpasst man also aufgrund einer zehnminütigen Verspätung seinen Anschlusszug und erreicht sein Ziel 20 oder 60 Minuten später als geplant, besteht hier Anspruch auf Erstattung.

Beeinträchtigung des Flugverkehrs : Fluggesellschaften müssen laut Verbraucherzentrale bei Flugausfällen und Verspätungen zwar entstandene Schäden ersetzen und finanziellen Ausgleich leisten. Da diese Ansprüche ein Verschulden der Luftfahrtunternehmen voraussetzen, kommen sie angesichts der ungewöhnlichen Schneemengen jedoch nicht in Betracht.

Auch wenn die Fluggesellschaften für die Verzögerung oder den Ausfall der Flüge nicht verantwortlich sind, gilt : Verschiebt sich der Start je nach Flugstrecke um mindestens zwei, mehr als drei oder mehr als vier Stunden, müssen die Airlines die Passagiere kostenlos betreuen : Auf Wunsch stehen ihnen Mahlzeiten und zwei Telefongespräche, Telex, Fax oder E-Mails zu. Verzögert sich der Flug um mindestens fünf Stunden, können die Kunden darauf verzichten und auf die komplette Rückzahlung des Ticketpreises pochen. Startet der Jet erst am nächsten Tag, müssen die Fluglinien Hotelübernachtung und Fahrt dorthin anbieten. ( rgm )