Unter dem Motto " Gutes für Ehepaare " feiert Deutschland vom 7. bis zum 14. Februar die " Marriage Week " ( Woche der Ehe ). In der Volksstimme veröffentlichen verschiedene Autoren ihre Gedanken zum Thema. Heute schreibt der Diplom-Psychologe, Autor und Dozent Joachim Kristahn Kitzingen ( 52 ) über die Ehe.

Magdeburg. Gibt es gute Freundschaft auch in der Ehe ? Ist die Qualität der Freundschaft vielleicht sogar der wichtigste Faktor für die Zufriedenheit mit der Leidenschaft, Sexualität und Liebe ? Ja, meint der Forscher Prof. John Gottman und zwar für 70 Prozent der Frauen und ebenso für 70 Prozent der Männer.

Daher möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass niemand seine Ehebeziehung mit herzzerreißender Liebe, sondern mit schlichter Sympathie und Freundschaft begonnen hat. Zur Freundschaft ist dann etwas hinzugekommen, das wir uns und dann dem anderen eingestanden haben : Dies müsse wohl Liebe sein.

Nach einigen Ehejahren sollten wir uns wieder einmal fragen, was aus unserer anfänglichen Freundschaft geworden ist. Wenn in einer Ehe die Routine Einzug gehalten hat, kommt es nicht selten zu Streitigkeiten, Enttäuschungen und Verletzungen. Dies ist häufig mit feindseligen Gefühlen, gegenseitiger Verachtung und emotionalen Mauern verbunden. Von einer guten Freundschaft können wir lernen, wie heilsam sich Respekt in einer solchen Situation auswirkt. Unserem Ehepartner muten wir nicht selten etwas zu, was wir unserer besten Freundin beziehungsweise unserem besten Freund niemals zumuten würden. Fangen wir doch in unseren Ehen wieder an, die Qualität der Freundschaft zu stärken. Stellen Sie sich die folgende Frage : Wie würden gute Freunde jetzt miteinander umgehen ? Wäre es nicht ein gutes Ziel für unsere Ehe, mehr Schritte in diese Richtung zu gehen und damit schließlich auch unsere Leidenschaft wieder zu stärken ?

Hier sieben kurz zusammengefasste Schritte, wie dieser Weg der Freundschaft beschritten werden kann :

Erstens : Den Partner besser kennen lernen ( zum Beispiel seine Lebensträume und wunden Punkte ).

Zweitens : Sich die Zuneigung und Bewunderung füreinander nicht rauben lassen : Sie war da !

Drittens : Sich auch im Alltag einander zuwenden durch Worte, Blicke und Berührungen.

Viertens : Die Meinung des anderen respektieren, sie erfragen und in eigene Entscheidungsprozesse einbeziehen.

Fünftens : Lösbare Konflikte angehen, indem wir versuchen zuerst zu verstehen und dann verstanden zu werden.

Sechstens : Unlösbare Konflikte ( Dauerbrenner ) akzeptieren. Sie dürfen sein und kommen auch in glücklichen Ehen häufiger vor, als wir denken.

Siebentens : Einen gemeinsamen Sinn im Leben finden : Was möchten wir am Ende rückblickend über unsere Ehe sagen können ?

Wenn die Freundschaft stärker wird, ist dies für einige Ehepaare die Voraussetzung dafür, dass eine verloren gegangene Liebe langsam wieder wachsen kann. Sogar getrennt lebende Paare können sich fragen, ob sie wieder Freunde werden wollen und was sie konkret mindestens einmal in der Woche dafür tun möchten. Für andere Ehepaare führt eine wachsende Freundschaft zu einer Vertiefung der vorhandenen Liebe. Es profitieren alle Ehen davon.

Von einer glücklichen Ehe sprechen wir übrigens dann, wenn die freundschaftlichen und leidenschaftlichen Gefühle dauerhaft überwiegen. Für das Glück kann man zum Glück etwas tun.