Wer einen Schlaganfall überlebt, leidet oftmals an Lähmungs- und Ausfallserscheinungen. Uwe Seidenfaden stellte eine Auswahl von Fragen und Antworten zusammen.

Frage: Mein Vater und meine Mutter hatten schon einem Schlaganfall. Ist das Schlaganfallrisiko vererbbar?

Antwort: Vererbbar sind die Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Risikofaktoren sind u.a. Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette (hohes LDL und Triglizeride), bestimmte Herzrytmusstörungen und Gefäßanomalien im Gehirn. Dabei spielen genetische Faktoren eine Rolle. Durch die Behandlung dieser Risikofaktoren und eine gesunde Lebensweise - das heißt Verzicht auf das Rauchen, eine ausgewogene Ernährung und Vermeidung von Alkoholmissbrauch - kann man das Risiko eines Schlaganfalls senken.

Frage: Mir ist es schon zweimal passiert, dass ich vor dem Computerbildschirm saß und plötzlich die Buchstaben nicht mehr erkennen konnte. Wenn ich dann die Augen schloss, sah ich flimmernde Wellenlinien. Der Augenarzt konnte nichts finden?

Antwort: Ein Schlaganfall kann sich durch verschiedene Warnsymptome äußern (siehe Infokasten). In solchen Fällen sollte man besser einen Notarzt rufen, auch wenn sich später herausstellen sollte, das eine andere Ursache der Grund für die Beschwerden war.

Die von Ihnen geschilderten Symptome könnten auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns hinweisen oder Anzeichen einer Migräne sein. Lassen Sie sich von einem Neurologen untersuchen.

Bei ersten Symptomen umgehend den Arzt rufen

Frage: Vor einigen Wochen fühlte sich mein rechtes Bein nach dem Aufstehen plötzlich ganz taub an. Ich hatte keine Kraft mehr darin. Als ich später darüber mit meinen Hausarzt sprach, riet er mir, bei einer Wiederholung sofort den Notarzt zu rufen. Ist das wirklich notwendig?

Antwort: Ihr Hausarzt hat völlig Recht, darüber hinaus wird er ein EKG machen und eine Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße veranlassen. Symptome wie plötzlich auftretende Taubheitsgefühle in einer Körperhälfte sollte man ernst nehmen und umgehend einen Arzt rufen. Die sogenannten transitorischen ischämischen Attacken (TIA) entstehen, wenn ein Blutgerinnsel vorübergehend ein Gefäß blockiert. Der Betroffene kann nicht selbst beurteilen, ob die Beschwerden nur vorübergehend sind oder zu einem Schlaganfall mit Spätfolgen führen. Außerdem erhöht eine transitorisch ischämische Attacke die Wahrscheinlichkeit, dass es später zu einem schweren und mitunter sogar tödlichen Schlaganfall kommt.

Frage: Ich lebe mit meinem Mann im Norden der Altmark. Nach einem Schlaganfall wurde er in das 90 Kilometer weit entfernte Magdeburg gebracht und nicht in das nur 35 Kilometer entfernte Perleberg, wo es ebenfalls eine auf Schlaganfall spezialisierte Station (Stroke-Unit) gibt. Vergeht dadurch nicht unnötig viel Zeit bis zur Behandlung?

Antwort: Es ist in Sachsen-Anhalt gängige Praxis, dass die Verlegung von Patienten mit dem Rettungswagen zunächst in Krankenhäusern innerhalb der Landesgrenze zu erfolgen hat. Man sollte von innenministerieller Seite prüfen, ob sichergestellt ist, dass bei Lebensgefahr Patienten in das nächstgelegene kompetente Krankenhaus gebracht werden.

Frage: Mein Vater ist 82 Jahre alt. Er hatte einen Schlaganfall, der seine Sprache stark beeinträchtigt hat. Er kann keine zusammenhängenden Sätze sprechen. Ich frage mich manchmal, ob er geistig noch ganz da ist.

Antwort: Eine eingeschränkte Sprachfähigkeit nach einem Schlaganfall ist kein Hinweis auf eine Demenz. Sie sollten versuchen, mit ihrem Vater weiter zu kommunizieren und dabei auch Gestik und Mimik einsetzen sowie ruhig nachfragen.

Frage: Bei einer Ultraschalluntersuchung hat mein Arzt eine so genannte Carotis-Stenose festgestellt. Muss ich mich jetzt einer Operation unterziehen?

Antwort: Bei einer Carotis-Stenose handelt es sich um eine Verengung in der Halsschlagader als Folge einer Arteriosklerose. Sie erhöht das Risiko eines Schlaganfalls. Bei der Behandlung gilt es abzuwägen, ob der Einsatz von Medikamenten, die das Blut verdünnen, ausreicht oder ob eine Operation erforderlich ist. Die Entscheidung hängt von mehrere Faktoren ab und sollte in einem darauf spezialisierten Gefäßzentrum getroffen werden.

Zu einer Operation würde man eher dann raten, wenn der zu erwartende therapeutische Nutzen das Risiko des Eingriffs deutlich übersteigt.

Blutgefäß wird mit einem Titan-Clip verschossen

Frage: Bei meiner Frau wurde im Rahmen einer Magnetresonanztomographie ein Hirn-Aneurysma festgestellt. Wie gefährlich ist das? Besteht ein erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls?

Antwort: Aneurysmen sind mehr oder minder große Aussackungen der Ader. Häufig werden sie eher zufällig entdeckt, wenn Ärzte aus anderen Gründen eine Computer- oder Magnetresonanztomographie durchführen. Prinzipiell besteht das Risiko, dass ein Aneurysma platzt und zur einer Hirnblutung führt.

Eine Behandlung ist mittels Katheter oder durch eine Operation möglich. Ob und wie dringend die Patienten behandelt werden müssen, hängt von Größe und Lage des Aneurysmas ab. Ist eine Therapie notwendig, entscheiden Neurochirurgen und Neuroradiologen gemeinsam, ob eine Operation oder eine Katheterbehandlung günstiger ist. Bei der Operation verschließen die Ärzte das Aneurysma durch einen Titan-Clip im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs. Bei der Katheterbehandlung wird das Aneurysma von innen über den Gefäßweg mit Platin-spiralen ausgefüllt.

Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, einem Schlaganfall vorzubeugen?

Antwort: Die meisten Schlaganfälle werden durch Verschlüsse von Blutgefäßen verursacht. Wichtig ist es, die bekannten Risikofaktoren zu bekämpfen. Dazu zählt insbesonders die Normalisierung des Blutdruck. Bei Erwachsenen sollte der normale Blutdruck in Ruhe unter 140/90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) liegen. Optimal sind leicht geringere Werte von 120/80 Millimeter Quecksilbersäule. Um Ablagerungen in den Arterienwänden zu vermeiden, empfiehlt es sich auf das Rauchen ganz zu verzichten und die Blutfettwerte zu normalisieren.

 

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