Nass, kalt und ungemütlich. Die wechselhaften Wetterlagen von Oktober bis April sind ideal für Grippeviren. Jährlich erkranken Tausende Menschen in Deutschland an der Grippe ( Influenza ). Eine Grippe darf aber nicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden, den eine Impfung nicht verhindert. Fragen von Volksstimme-Lesern beantworteten gestern Dr. Kerstin Bohse ( Medizinerin ), Doreen Steinforth ( Gesundheitsberaterin der IKK gesund plus ) und Dr. Ralf Gröpler ( Apotheker ).

Frage : Wie äußert sich eine Grippe, wie kann ich sie als Laie von einer Erkältung unterscheiden ?

Antwort : Wichtig zu wissen : Ein grippaler Effekt ( Erkältung ) und Grippe sind zwei völlig unterschiedliche Infektionen. Zwar sind in beiden Fällen Viren die Krankheitserreger, doch verläuft eine Infektion mit Grippeviren deutlich schwerer als ein banaler grippaler Infekt. Beobachten Sie daher bewusst Ihre Beschwerden : Treten Fieber, Kopfschmerzen und Schwäche sehr schnell und ungewöhnlich stark auf, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, einen Grippevirus erwischt zu haben. Ein schweres allgemeines Krankheitsgefühl befällt den Körper. Man hat das Gefühl, es sei einem noch nie so schlecht gegangen. Oft können sich Patienten bis auf die Stunde erinnern, wann ihr Körper schlapp machte. Bei kleinen Kindern bis zu 5 Jahren kann eine Infl uenza uncharakteristische Krankheitszeichen hervorrufen, die deshalb leicht fehlgedeutet werden : plötzliche Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Ein grippaler Infekt beginnt langsam und verläuft nicht so schwer.

Frage : Man hört immer von sogenannten Risikogruppen. Wer sollte sich nicht impfen lassen ?

Antwort : Menschen, die an einer Hühnereiweißallergie leiden, weil die Impfstoffherstellung als Ausgangsstoff befruchtete Hühnereier verwenden. Allerdings sollte noch in diesem Jahr die Zulassung für einen alternativen Impfstoff erfolgen.

Von einer Impfung während der Schwangerschaft ist ebenfalls abzuraten. Bisher gibt es keine Langzeituntersuchungen, ob Mutter und Kind durch eine Grippeimpfung geschädigt werden oder nicht. Eine Impfung während der Stillzeit hingegen gilt als unbedenklich.

Frage : Ist die Impfung auch für Kinder geeignet ?

Antwort : Kinder können bereits ab dem 6. Lebensmonat gegen Grippe geimpft werden, es gibt jedoch Einschränkungen. Kleinkinder werden bereits gegen so viele Infektionskrankheiten geimpft, dass zur Standardimpfung gegen Grippe nicht geraten wird. Wichtig ist die Impfung für Kinder mit chronischen Grunderkrankungen.

Frage : Warum muss jedes Jahr für die Grippeschutzimpfung neuer Impfstoff produziert werden ?

Antwort : Da die Infl uenza-Viren ständig ihre äußere Gestalt, ihre Hülle verändern, schützt eine überstandene Grippe nicht vor einer erneuten Infl uenza-Infektion mit einem veränderten Infl uenza-Virus. Der Grippe-Impfstoff wird daher auch jährlich neu produziert und den aktuell auftretenden Virusvarianten angepasst. Demzufolge ist jedes Jahr eine Neu-Impfung im Herbst notwendig.

Frage : Muss ich mich unbedingt gegen Grippe impfen lassen ? Ich bin nie erkältet, bin ich dann nicht auch vor einer Grippe geschützt ?

Antwort : Eindeutig nein. Der Verlauf einer Grippe kann in Ihrem Fall vielleicht leichter sein, aber Sie sind nicht davor geschützt. Wenn Sie sich anstecken, werden auch Sie die Symptome zu spüren bekommen. Eine Grippe-Impfung ist aber zu empfehlen.

Frage : Muss ich die Praxisgebühr bezahlen, wenn ich ich wegen einer Impfung zum Arzt gehe ?

Antwort : Die Kosten für die jährliche Grippe-Schutzimpfung werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Da in den einzelnen Bundesländern jedoch völlig unterschiedliche Impfvereinbarungen zwischen Krankenkassen und Ärztevertretungen ( Kassenärztliche Vereinigungen ) gelten, erkundigen Sie sich am besten direkt bei Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse, wie die Kostenerstattung für die Grippe-Schutzimpfung in Ihrer Region geregelt ist.

Patienten, die ihren Arzt aufsuchen, um sich impfen zu lassen, müssen keine Praxisgebühr entrichten. Die Praxisgebühr darf nur erhoben werden, wenn der Patient diagnostische oder therapeutische Leistungen des Arztes in Anspruch nimmt. Reine Vorsorgeleistungen, zu denen das Impfen gehört, sind von der Praxisgebühr ausgenommen. Kinder unter 18 Jahren zahlen grundsätzlich keine Praxisgebühr.

Frage : Was kann ich tun, wenn ich keinen Impfschutz habe und Grippe-Symptome spüre ?

Antwort : Bei Schüttelfrost und Fieber bleibt nur der sofortige Weg zum Arzt. Sollte es sich allerdings nur um Erkältungssymptome handeln wie Halskratzen, Schnupfen, Gliederschmerzen und Müdigkeit, dann können Sie bereits mit den alten Hausmitteln viel erreichen. Inhalieren, Erkältungsbäder, im Bett schwitzen und heiße Zitrone trinken. Einfache Schmerzmittel können unterstützend helfen. Nach zehn bis zwölf Tagen sollten die Symptome spätestens weg sein.

Frage : Kann die Grippeschutzimpfung Nebenwirkungen hervorrufen ?

Antwort : Der Wirkstoff wurde in den vergangenen Jahren so stark verbessert, dass es heute höchstens noch zu einer leichten Hautrötung an der Einstichstelle kommt. Selten sind Reaktionen wie Müdigkeit, Magen- und Darmbeschwerden oder erhöhte Temperatur. Es kann auch vorkommen, dass Sie sich nach einer Impfung ein bis zwei Tage schlapp fühlen.

Frage : Gibt es neben der Impfung noch weitere Möglichkeiten, sich vor einer Grippe zu schützen ?

Antwort : Sie müssen ihr Immunsystem stärken, ihre persönliche Abwehrlage erhöhen. Das ist mit ausreichend Bewegung, viel frischer Luft, gesunder Ernährung, genügend Schlaf, Abhärtung durch kaltes Duschen relativ möglich. Reduzieren Sie Stress und Genussgifte wie Nikotin, Alkohol und Koffein.

Frage : Sind Zusatzprodukte wie Vitaminpräparate vor oder während einer Erkältung sinnvoll ?

Antwort : Wenn Sie sich gesund ernähren, sind sie nicht erforderlich. An diesem Punkt streiten sich aber die Experten. Wenn Sie regelmäßig Obst und Gemüse essen, brauchen Sie keine zusätzlichen Vitamine aufzunehmen. Durch das Schwitzen bei einer Erkältung verliert aber der Körper viel Wasser, das Sie durch Flüssigkeitsaufnahme ersetzen sollten.