Volksstimme-Leser hatten gestern die Möglichkeit, sich in einem Telefonforum über Therapien der Schuppenfl echte zu erkundigen. Leider konnte der angekündigte Hautfacharzt Professor Bonnekoh wegen einer akuten Erkrankung nicht am Forum teilnehmen. Wegen der zahlreichen Anrufe kamen leider nicht alle Leser zu unserem Experten Dr. Sven Quist durch. Lesen Sie hier unsere Auswertung.

Frage : Meine Schwester hat Schuppenflechte. Ist die Erkrankung ansteckend oder vererbbar ?

Antwort : Die gute Nachricht ist, dass die Schuppenflechte nicht ansteckend ist. Die schlechte ist, dass sie familiär gehäuft auftritt. Besonders beim Typ I mit frühem Beginn findet sich eine eindeutige genetische Veranlagung. Damit die Krankheit ausbricht, braucht es einen Auslöser. Das können zum Beispiel physikalische Reize wie Verletzungen und Verbrennungen, chemische Einflüsse, auch Medikamente wie Beta-Blocker und ACE-Hemmer gegen Bluthochdruck sein. Stress scheint ebenso eine Rolle zu spielen.

Frage : Kann Schuppenflechte schon im Kindesalter ausbrechen ?

Antwort : Die Erkrankung kann in jedem Alter ausbrechen. Bei Kindern treten die Symptome meist nach einer bakteriellen Halsentzündung auf. Nach vier bis sechs Monaten bilden sich die Symptome zurück. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung aber erst im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt auf. Der Grund für das Entstehen einer Schuppenflechte ist noch nicht ganz bekannt. Man weiß allerdings, dass die Immunreaktionen eine entscheidende Rolle spielen. Eine Heilung ist dann nur selten möglich, wohl aber eine Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität sowie ein selteneres Wiederauftreten der Erkrankung durch die Behandlung.

Frage : Kann man mit Schuppenflechte baden gehen und sich in der Sonne aufhalten ?

Antwort : Schuppenfl echte ist nicht ansteckend. Sie können ohne weiteres in ein Freibad gehen. Auch gegen ein maßvolles Sonnenbad ist nichts einzuwenden. Viele Betroffene schildern, dass sich ihr Hautzustand dann bessert. Prinzipiell zu empfehlen sind Kur-Aufenthalte an Ost- und Nordsee, im Mittel- und Hochgebirge sowie am Toten Meer. Lassen Sie sich ggf. durch Ihren Hautarzt und den Psoriasis-Bund beraten ( siehe Infokasten ). An dieser Stelle sei vermerkt, dass Schuppenfl echtepatienten schwere Einschränkungen der Lebensqualität erleiden, oft psychosoziale Störungen zeigen, gestörtes Sexualleben, Probleme bei der Berufsfindung und je nach Schweregrad auch eine frühe Berentung.

Frage : Meine Schwester leidet unter Psoriasis pustulosa. Große Teile ihrer Haut sind betroffen. Wie sinnvoll ist eine Bade-Behandlung in Kombination mit einer UV-Lichttherapie ? Ihr Arzt sagte, es wäre wegen der Gefahr von Hautkrebs keine Dauerlösung.

Antwort : Bei mittelschweren bis schweren Formen der Schuppenflechte kann eine Schmalband-UV-Bestrahlung die Symptome lindern. Bei einer Photochemotherapie ( PUVA ) wird die Wirkung der UV-A-Strahlung durch Einnahme oder durch Auftragen lichtsensibilisierende Stoffe auf die Haut verstärkt. Bei der Bade-PUVA werden diese Stoffe dem Badewasser zugeführt. Bei der Creme-PUVA werden diese Stoffe äußerlich aufgetragen. Um das Risiko von Hautkrebs zu reduzieren, sollte die Bade-PUVA nicht beliebig oft durchgeführt werden. Grundsätzlich muss bei einer pustulösen Psoriasis ein innerliches Medikament gegeben werden.

Frage : Wie riskant sind eigentlich schweißtreibende sportliche Aktivitäten für Menschen mit Schuppenfl echte ?

Antwort : Gegen sportliche Aktivitäten bei einer Psoriasis ist prinzipiell nichts einzuwenden. Es gibt Hinweise darauf, dass durch körperliche Aktivitäten Krankheitsschübe reduziert werden. Nicht zuletzt verbessern sportliche Aktivitäten in der Gruppe das Selbstwertgefühl der zum Teil stigmatisierten Patienten. Zu empfehlen sind insbesondere Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen, Radfahren und Wanderungen. Das Schwitzen ist grundsätzlich keine Hindernis für eine Teilnahme am Sport.

Frage : Wie oft sollte man die Kortisonsalbe auftragen ?

Antwort : Kortison ist kein Mittel der Wahl für die Schuppenflechte und allenfalls kurzfristig, niemals langfristig in akut entzündlichen Phasen geeignet. Bei Fortführung der Therapie kommt es eher zu schweren Rückfällen mit deutlich schlechterer Schuppenflechte als vorher.

Frage : Bei meiner Frau ( 45 Jahre ) haben die Ärzte jetzt eine Psoriasis erythrodermica diagnostiziert. Der Juckreiz ist in den akuten Erkrankungsphasen so ausgeprägt, dass sie sogar nachts nicht richtig schlafen kann. Was kann sie tun, um die Häufigkeit der Krankheitsschübe zu reduzieren ?

Antwort : Es gibt Auslöser für Krankheitsschübe, die individuell verschieden sein können. Wenn die Auslöser der Erkrankung erkannt sind, sollten sie möglichst gemieden oder behandelt werden ( letzteres bei Infektionen ).

Wichtig sind die Aufgabe des Rauchens, Gewichtsabnahme, geeignete Fettzufuhr ( ungesättigte Fettsäuren ), wenig oder gar kein Alkohol, regelmäßige Überprüfung der Zähne auf Infektionen einschließlich der Mandeln und des Genitoanaltraktes bezüglich Geschlechtskrankheiten und anderer infektiöser Erkrankungen von Leber und Darm sowie Lunge.

Prinzipiell kann es helfen, ein Tagebuch zu führen, um die persönlichen Auslöser zu erkennen. Sie zu erkennen ist allerdings nicht leicht, da bis szur Reaktion manchmal Tage vergehen können. Generell zu empfehlen sind Entspannungsverfahren, durch die sich oft auch Juckreiz und Schlafstörungen besseren.

Frage : Kann man die schuppige Haut bürsten ?

Antwort : Auf gar keinen Fall, weil damit eine Schuppenfl echte provoziert wird. Eine milde Abtragung z. B. durch Harnstoffsalben und salicylsäurehaltige Salben ist notwendig. Leider werden die Kosten für die enorm wichtigen Therapeutika mit Harnstoff von den Krankenkassen nicht mehr übernommen, dafür jedoch Kosten der Salicylsäure.

Frage : Wann ist eine stationäre Behandlung von Patienten mit Schuppenfl echte notwendig ?

Antwort : Es gibt so schwere Formen, die eine stationäre Behandlung notwendig machen. Sie bedürfen einer Kombinationsbehandlung bestehend aus internen und externen Medikamenten, Sole-Bädern kombiniert mit UVStrahlung, Diätschulung und Behandlung der häufi g vorhandenen Nebenerkrankungen.

Bei leichten Psoriasis-Formen erfolgt die Therapie zumeist mit Cremes und Salben in Kombination mit ultravioletter Strahlung.

Bei der innerlichen und äußerlichen Kombinationsbehandlung werden heute moderne Biologica unter kritischer Abwägung zunehmend eingesetzt. Typischerweise werden auch Abkömmlinge von Vitamin A ( Retinoide ), Fumarsäure, Metrotrexat, Cyclosporin systemisch angewandt.