Magdeburg l In den Unterkünften von Flüchtlingen drohen Übergriffe gegen Männer und Frauen, die sexuell schwul-lesbisch orientiert sind. Wie Mathias Fangohr, Vorstand des Vereins CSD Magdeburg („Christopher Street Day“), berichtet, gebe es aktuell wieder einen Fall in einer Magdeburger Unterkunft. „Der Mann outet sich natürlich nicht gegenüber Mitbewohnern. Er hat aber große Angst davor, dass die anderen etwas mitbekommen“, erzählt Fangohr. Der CSD in Magdeburg habe ihm Hilfe angeboten. „Gut wäre, wenn der Mann schnell in einer Wohnung unterkommen könnte.“

Im Herbst 2014 wurde in Magdeburg der Fall eines russischen schwulen Asylbewerbers bekannt, der eine Flüchtlingseinrichtung verlassen musste, weil er beschimpft und bedroht wurde. Auf Vermittlung Fangohrs wurde der Mann schließlich in eine private Wohnung ausquartiert. „Ziel muss generell eine dezentrale Unterbringung solcher Flüchtlinge sein.“ Möglichst in den großen Städten Magdeburg und Halle.

Ähnlich wie in der „normalen“ Gesellschaft sei von etwa fünf bis zehn Prozent schwul-lesbischen Flüchtlingen unter den Bewohnern der Unterkünfte auszugehen. Die allerdings würden ihre sexuelle Orientierung streng geheim halten. „Die Lebenswirklichkeit in den Heimatländern ist nicht mit Deutschland vergleichbar. Zum Teil droht ihnen dort sogar noch die Todesstrafe“, erzählt Fangohr.

Der CSD und auch der Landesverband der Schwulen und Lesben setzten sich dafür ein, dass in der Halberstädter Erstaufnahme-Unterkunft mehrsprachige Handzettel verteilt werden, die über die Rechtssituation in Deutschland informieren und Kontaktmöglichkeiten offerieren. Das könne eine Hotline sein oder eine Mailadresse oder ein Chat. Fangohr: „Der Kontakt muss diskret erfolgen. Wir haben erlebt, dass sich arabischsprachige Übersetzer weigern, das Wort schwul auszusprechen, weil sie es für schmutzig erachten.“

Simone Borris, Sozialdezernentin in Magdeburg, will noch im September mit dem CSD-Verein und dem Schwulenverband „geeignete Maßnahmen abstimmen, die den Notwendigkeiten für diese Personen gerecht werden“, schreibt sie auf Nachfrage. Nötig sei wegen der Zuständigkeiten eine Abstimmung mit Landesbehörden.