Magdeburg l Die Lehrergewerkschaft GEW setzt das Kultusministerium in Sachsen-Anhalt mit eigenen Daten zur Unterrichtsversorgung unter Druck. GEW-Chef Thomas Lippmann geht davon aus, dass in diesem Schuljahr jede zweite Schule im Land keinerlei Vertretungsreserve hat, also eine rechnerische Unterrichtsversorgung von 100 Prozent oder weniger hat.

Lippmann stützt sich auf Daten aus rund 130 Schulen, erhoben durch Schulpersonalräte. Die Zahlen seien nicht repräsentativ, für eine aussagekräftige Stichprobe aber ausreichend, sagte Lippmann. Das Landesschulamt hatte allen Lehrern strikt untersagt, statistische Daten an die Gewerkschaft zu übermitteln. Über dieses Verbot haben sich zahlreiche Personalräte hinweggesetzt.

"So kann das nicht weiterlaufen"

Lippmann sagte, die Auswertung bestätige die Befürchtungen. Sein Urteil: „Unter diesen Bedingungen kann das Schuljahr nicht weiterlaufen.“ Er forderte den Landtag auf, sofort 300 Lehrer zusätzlich zu bewilligen, um die schlimmsten Defizite zu beheben.

Nach Gewerkschaftsangaben sind durch Stundenkürzungen besonders Sekundarschulen hart getroffen. Für diese Schulform hatte das Kultusministerium das Verfahren der Lehrerzuweisung geändert. Dadurch nehme das Land den Schulen insgesamt 150 bis 200 Lehrerstellen weg, sagte Lippmann. „An einzelnen Schulen fehlen dadurch plötzlich vier Lehrer, bei gleicher Schülerzahl. Für Förderung, Lerngruppen, Inklusion ist dann nichts mehr übrig.“

Auch Eltern rügen Dorgerloh

Dem Protest der Gewerkschaft schließt sich auch der Landeselternrat an. Dessen Sprecher Alexander Baumbach attackierte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD): „Die rigide Politik des Finanzministers bleibt ohne Widerspruch. Der Kultusminister hat seine politischen Ziele aus den Augen verloren.“

Dorgerloh weist die Kritik zurück. Er betont, dass im November 260 Lehrerstellen ausgeschrieben würden, im kommenden Jahr zusätzliche 250 Stellen für die Sprachförderung. Aktuelle Zahlen zur Unterrichtsversorgung nennt das Kultusministerium jedoch auch auf Nachfrage nicht.

Aktuelle Zahlen gibt es nicht

Stattdessen verweist es auf eine Übersicht, nach der die allgemeinbildenden Schulen insgesamt auf 101,4 Prozent Versorgung kommen, die Gymnasien auf 100,6 Prozent. Erhoben wurden diese Zahlen allerdings bereits am 25. August, also noch in den Sommerferien. „Die Daten haben sich aber kaum verändert“, versichert Ministeriumssprecher Martin Hanusch.

Dorgerloh geht den GEW-Chef auch persönlich an: Es stelle sich zunehmend die Frage, „ob Thomas Lippmann die Rolle als Wahlkämpfer und als GEW-Vorsitzender auseinanderhalten kann.“ Lippmann hatte im August angekündigt, er wolle bei der Landtagswahl für die Linke kandidieren.

Am Donnerstag, 15. Oktober, werden GEW und Elternvertretungen vor dem Landtag demonstrieren.