Magdeburg l Taufe, Eheschließung, Begräbnis: Für die entscheidenden Wegmarken im Leben eines Katholiken war in Deutschland jahrhundertelang der Pfarrer zuständig. Magdeburgs katholischer Bischof Gerhard Feige geht jetzt einen neuen Weg: Für die Beerdigung braucht es ab sofort keinen geweihten Priester mehr.

Auch Laien, also einfache Gläubige, dürfen diesen letzten Dienst jetzt übernehmen. Etliche Bedingungen hat Feige aufgestellt: Unter anderem muss der Kandidat in der Gemeinde engagiert, angesehen und fromm sein, einen Qualifizierungskurs absolvieren und den persönlichen Auftrag des Bischofs erhalten. Männlich zu sein ist hingegen keine Voraussetzung – anders als beim Beruf des Priesters.

Für traditionsverhaftete Katholiken ist es ein Einschnitt: Niemand kann mehr sicher sein, dass an seinem Grab ein Pfarrer stehen wird. Das Bistum sieht keine Alternative, der Personalmangel ist dramatisch. Mehrere der fusionierten Großgemeinden sind derzeit ohne Pfarrer und werden durch einen Administrator verwaltet. Im östlichsten Zipfel des Bistums, in Bad Liebenwerda (Brandenburg), muss die Gemeinde sogar dauerhaft ohne Pfarrer leben. Einige Engagierte leiten die Geschäfte.

„Es ist ein Bruderdienst“

Aus kirchenjuristischer Sicht ist die Neuregelung unproblematisch. „Anders als Taufe und Trauung ist die Beerdigung kein Sakrament, sondern ein Bruderdienst“, sagt Friederike Maier, beim Bistum für Seelsorge zuständig. In einigen Regionen gebe es Notsituationen, auf die die Kirche reagieren müsse.

Das gilt vor allem auf dem Land. Etwa in der Altmark: Von Gardelegen aus betreut Andreas Lorenz ein Gebiet von 1400 Quadratkilometern, fast die doppelte Fläche Hamburgs. Vor zwölf Jahren waren dort fünf Pfarrer im Einsatz, jetzt ist er es allein. Lorenz ist froh, dass es künftig Ersatz gibt, falls er erkrankt oder im Urlaub ist. „Man kann ja Trauernden nicht zumuten, sich durch die Nachbarpfarreien durchzutelefonieren“, sagt Lorenz.

Bei den Laien, die einspringen sollen, hat das Bistum ganz besonders die Gemeindereferenten im Blick. Sie haben eine theologische Ausbildung, kennen die Gemeinde und wissen, wie eine Beerdigung abläuft. Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen, hat vor drei Jahren sogar schon eine Beerdigung geleitet. Es war ein Notfall: „Die Beerdigung war für Gründonnerstag geplant, am Abend vorher ist der Pfarrer ins Krankenhaus gekommen.“

Degenhardt sprang ein, weil sie die Dahingeschiedene kannte und deren Familie einverstanden war. Einen offiziellen Auftrag des Bistums bekam sie noch schnell per Telefon. „Manchmal fehlt ein Pfarrer, gestorben wird aber trotzdem. Die Toten zu begraben ist ein Werk der Barmherzigkeit“, sagt die 45-Jährige.

In der evangelischen Kirche ist das Begräbnis ohne Pfarrer bereits länger geregelt, spielt aber praktisch keine Rolle. „Zu einer Beerdigung gehören vorher und nachher Gespräche, das hat eine starke Seelsorge-Komponente“, sagt Friedemann Kahl, Sprecher der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Seelsorge aber sei „das Kerngeschäft der Pfarrer.“