In den ersten 14 Tagen haben bei der Terminservicestelle fast 350 Patienten angerufen. Entspricht das Ihren Erwartungen?

Mathias Tronnier: Wir hatten keine Erfahrungswerte und dachten, das neue Angebot wäre weniger attraktiv. Denn es gibt über die Terminservicestelle keinen Wunscharzt und keine Wunschzeit – man muss unter Umständen also den Arzt wechseln –, daher war es völlig unklar, wie viele Menschen anrufen.

Jetzt haben Sie eine Hausnummer. Sind die Anfragen mit dem aufgebauten System zu bewältigen?

Ja. Wir haben umstrukturiert. Drei Mitarbeiterinnen sind ständig in der Terminservicestelle eingesetzt. Dazu kommen je nach Bedarf weitere Kollegen als Springer, die wir in einem Pool zusammengefasst haben.

Sie haben also niemanden neu eingestellt?

Nein, wir hatten vorher bereits einen Patientenservice, der sich mit ähnlich gelagerten Fällen beschäftigt hat. Darauf konnten wir zurückgreifen.

Welche Fachärzte sind besonders gefragt?

Neurologen und Psychiater sind stark nachgefragt, erwartungsgemäß auch Augenärzte. Hinzu kommen Kardiologen sowie Hautärzte.

Wie viele Patienten konnten Sie vermitteln?

Insgesamt erhielten wir 227 Terminwünsche, die den gesetzlichen Vorgaben entsprachen. 191 dieser Anfragen konnten innerhalb von 14 Tagen vermittelt werden, der Rest folgt in der vorgegebenen Zeit von 7 Tagen.

Welche Rückmeldungen haben Sie aus der Ärzteschaft?

Wir haben im Vorfeld um freie Termine gebeten und sehr viele erhalten. Jetzt bedienen wir diese gemeldeten Termine.

Wie läuft die Kooperation mit den Krankenhäusern, die den letzten Rettungsanker bieten sollen?

Bisher gab es keinen Bedarf. Wir konnten dies mit niedergelassenen Ärzten abdecken, was auch unser Bestreben ist. Wir hatten bei den Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt bereits im Dezember angefragt, ob sie sich beteiligen wollen. Die Resonanz war allerdings gering: Nur 6 von 52 Häusern in Sachsen-Anhalt haben sich zurückgemeldet.

Wie ist die Altersstruktur der Anrufer?

Gemischt, aber tendenziell melden sich eher ältere Patienten von 60 Jahren an aufwärts.

Und die regionale Verteilung?

Da lassen sich keine Schwerpunkte ausmachen. Die Anrufer verteilen sich regional gleichmäßig zwischen Stadt und Land.

Die Einführung der Servicestellen wurde von den Kassenärzten sehr kritisch gesehen. Bleiben Sie dabei?

Wir hatten bisher rund 100 Vermittlungen pro Woche. Das macht hochgerechnet 6000 Anfragen im Jahr. Bei 16,9 Millionen Behandlungsfällen in Sachsen-Anhalt sind das gerade 0,04 Prozent. Da kann man schon fragen, ob diese Patienten nicht auch anders – etwa über die bestehenden Hausarztverträge – untergekommen wären. Dann hätte sich der Aufwand bundesweiter Terminservicestellen erübrigt. Die wenigen, die wir vermitteln können, freuen sich natürlich darüber.

Die Terminservicestelle in Magdeburg ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie am Freitag von 13 bis 15 Uhr unter Tel. 0391 6  27  88  88 erreichbar. Voraussetzung für den schnellen Facharzttermin ist eine Überweisung, die einen Überweisungscode hat. Der Code muss vom behandelnden Arzt auf den Überweisungsschein geklebt sein. Wichtig: Wer nicht über diesen Code verfügt, hat auch keinen Anspruch auf Vermittlung. Abgewiesenen Anrufern bleibt die Möglichkeit, sich nochmals an ihren behandelnden Arzt zu wenden, um den Überweisungscode zu bekommen. Wenn der Arzt ihn dem Patienten nicht zubilligt, heißt dies, dass keine fachärztliche Behandlung innerhalb von vier Wochen für nötig gehalten wird.