Halle l Ab 2025 soll der SuedOstLink als Gleichstrom-Erdkabelverbindung den Strom aus dem windreichen Osten nach Süddeutschland transportieren. Im Umspannwerk Wolmirstedt beginnt die Leitung. Die Volksstimme beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wo soll die Stromtrasse verlaufen?

Netzbetreiber 50Hertz hat am Mittwoch Antragsunterlagen mit einem Umfang von mehr als 3000 Seiten bei der Bundesnetzagentur abgegeben. Enthalten ist ein konkreter Vorschlag für den Verlauf der Trasse. Auf einer Länge von 536 Kilometern führt die Leitung durch die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen bis nach Bayern. Rund 180 Kilometer des Kabels sollen durch Sachsen-Anhalt verlegt werden: Ab Wolmirstedt wird Magdeburg westlich passiert. Dann führt die Trasse entlang der Autobahn 14 in Richtung Bernburg. Von dort geht es südlich weiter, westlich an Halle und östlich an Naumburg vorbei. Neben dem Vorschlagskorridor hat 50Hertz auch Ausweichvarianten vorgestellt.

Was ist der Vorschlagskorridor?

274 Hinweise von Bürgern, Kommunen und Experten aus Sachsen-Anhalt sind eingegangen, bevor 50Hertz den Bereich als günstigsten Weg für das Kabel vorschlug. Der Korridor ist einen Kilometer breit und soll weiter eingegrenzt werden. Bis zum Planfeststellungsverfahren soll ein bis zu 20 Meter breiter Bereich gefunden werden, in dem das Erdkabel verlegt wird. Über den Weg des Kabels entscheiden 60 Kriterien. Menschen, Tiere und Pflanzen sollen möglichst wenig beeinträchtigt werden.

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Warum wird die Trasse gebaut?

Deutschlands Atomausstieg ist seit dem Fukushima-Unglück beschlossene Sache. 2022 sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Der Ökostromanteil soll weiter steigen. Damit in Bayern nicht das Licht ausgeht, muss der in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt erzeugte Windstrom in den Süden fließen. Die Trasse soll zudem das Stromnetz stabilisieren, das derzeit bei Sturm oft an seine Grenzen gerät. Der Netzbetreiber muss dann eingreifen und Windenergieanlagen abschalten. Das kostet Millionen.

Warum beginnt die Leitung in Wolmirstedt?

Das Umspannwerk ist ein wichtiger Knotenpunkt im Stromnetz der ostdeutschen Bundesländer. In Wolmirstedt soll der Windstrom künftig mittels Konverter auf die Gleichstrompassage übertragen werden.

Wie wird die Leitung verlegt?

Größtenteils unter der Erde. Das hat die Bundesregierung den Netzbetreibern verordnet. Diesen Preis mussten Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) zahlen, um sich mit CSU-Chef Horst Seehofer zu einigen. Eigentlich sollten die Trassen als Freileitungen mit Masten gebaut werden. Doch die hatte der bayrische Ministerpräsident lange blockiert, sie als „Monstertrassen“ bezeichnet. Ausnahmen sind aber möglich. Landkreise und Kommunen können die Prüfung von Freileitungen beantragen.

Was sagen die Kommunen in Sachsen-Anhalt?

Eine Freileitung ist zum Beispiel westlich von Magdeburg und im weiteren Verlauf entlang der Autobahn 14 denkbar. Der Landkreis Börde und der Salzlandkreis prüfen bereits, ob eine bestehende Leitung von Wolmirstedt nach Förderstedt als Hybrid-Leitung genutzt werden kann. Bei dieser Konstruktion würde eine herkömmliche Wechselstrom- mit einer Gleichstromleitung kombiniert.

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt hält das für sinnvoll: „Wo es möglich ist, sollten die Kommunen im Sinne der Bodeneigentümer darauf drängen, vorhandene Überlandleitungen umzubauen“, sagte Hauptgeschäftsführer Marcus Rothbart der Volksstimme. Denn die Bauern haben Bedenken gegen die Erdleitung. Erstens wird Erdboden ausgehoben, zweitens geben die Kabel unterirdisch Energie ab, wärmen also den Boden. Der Bauernverband drängt deshalb auf angemessene Entschädigungen.

Werden die Landwirte entschädigt?

Ja. Nach Angaben von 50Hertz sollen Bauern, die ihren Boden zur Verfügung stellen, mit bis zu 25 Prozent des Verkehrswertes entschädigt werden. Schäden, die während der Bauphase entstehen, und etwaige Ernteausfälle sollen zudem komplett abgegolten werden, erklärte Olivier Feix, Leiter Naturschutz bei 50Hertz.

Was sagt die Landespolitik?

In Sachsen-Anhalt ist das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie zuständig. Ministerin Claudia Dalbert (Grüne) hält den Bau der Trasse nach wie vor für fragwürdig. „Ich plädiere weiter für eine dezentrale Energieversorgung, dass also der Strom dort produziert wird, wo er verbraucht wird“, sagte Dalbert der Volksstimme. Zudem sei nicht klar, ob in 50 oder 70 Jahren die energieintensiven Zentren noch immer im Süden lägen. Die Erdkabel bezeichnete Dalbert als „teuerste technische Lösung“.

Wie viel kostet die Leitung?

50Hertz rechnet bei dem Sued-OstLink mit Kosten zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Die zweite Trasse SuedLink, die von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern geplant ist, könnte bis zu zehn Milliarden kosten. Für die erdverkabelten Leitungen werden gut sechs Millionen Euro pro Kilometer veranschlagt – auf ebenem Gelände. Bei Freileitungen ist zuvor mit etwa 1,3 Millionen Euro je Kilometer kalkuliert worden.

Was bedeutet die Stromtrasse für den Strompreis?

Für den Stromkunden wird es teurer. „Die Netzentgelte werden weiter steigen“, sagte der Leiter des Gesamtprojekts SuedOstLink, Mark Pazmandy. Nach früheren Berechnungen der Bundesregierung werden für die Erdkabel Zusatzkosten von wenigen Euro pro Monat fällig.

Wird der Bau wirklich bis 2025 fertig?

„Der Zeitplan ist ambitioniert und erfordert das Zusammenwirken aller Beteiligten“, so Pazmandy. Logistische Probleme oder juristische Auseinandersetzungen könnten den Planern einen Strich durch die Rechnung machen. In Stein gemeißelt ist der vorliegende Trassenverlauf zudem noch nicht. Nachdem die Bundesnetzagentur den Antrag geprüft hat, sind mehrere Konferenzen geplant. Dort können Verbände und Behörden erneut Einwände vorbringen.